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F.A.Z. exklusiv : Das große Hautkrebs-Risiko für Bauarbeiter

Zwei Bauarbeiter schützen sich bei Gleisarbeiten in der Innenstadt von Hannover vor der Sonne mit Tüchern auf den Köpfen. Bild: dpa

Keine andere Berufskrankheit kommt in der Bauwirtschaft häufiger vor als sonnenbedingter Hautkrebs. Das zeigt eine neue Auswertung. Auszubildende wissen zwar um die Gefahren – doch sie schützen sich nicht.

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          In der Corona-Pandemie haben Bauarbeiter zumindest in einer Hinsicht einen Vorteil: Im Freien verbreitet sich das Virus schwieriger als im Großraumbüro. Andere Gesundheitsrisiken, die besonders in Außenberufen auftreten, lassen damit aber nicht nach – schon gar nicht die Sonne.

          Dietrich Creutzburg
          (dc.), Wirtschaft

          Die Berufsgenossenschaft Bau, die gesetzliche Unfallversicherung für die Branche, beobachtet mit Sorge, dass sich UV-Strahlung zur größten Gefahrenquelle für Bauarbeiter entwickelt. Immer häufiger müssen ihre Arbeitsmediziner den Verdacht einer berufsbedingten Hautkrebs-Erkrankung prüfen.

          Viele Verdachtsfälle

          Mit insgesamt 3131 gemeldeten Verdachtsfällen machte sonnenbedingter Hautkrebs im vergangenen Jahr fast ein Viertel aller gemeldeten Berufskrankheiten in der Bauwirtschaft aus – mehr als jede andere Diagnose. Das zeigt eine neue Auswertung der Bau-Berufsgenossenschaft, die der F.A.Z. vorab vorliegt.

          Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl um 187 oder sechs Prozent erhöht. Zudem weist sie auf die Folgekosten hin: Die Ausgaben für Heilbehandlung, Rehabilitation und Renten waren im Jahr 2019 mit 14,3 Millionen Euro fast doppelt so hoch wie 2017.

          Entsprechend besorgt zeigt sich die Berufsgenossenschaft nun über die Ergebnisse einer Befragung von Auszubildenden aus verschiedenen Gewerken der Bauwirtschaft: Die Bemühungen um mehr Beratung und Vorsorge, die vor einiger Zeit auch durch neue Vorschriften verstärkt wurden, sind demnach nur zum Teil erfolgreich. Zwar kommen die Informationen bei den jungen Menschen an – aber viele ziehen nicht die erhofften Schlüsse daraus.

          Nur wenige schützen sich

          Konkret zeigten sich 91 Prozent der Befragten darüber informiert, dass UV-Strahlung gefährlich sein kann. Außerdem wussten 83 Prozent, dass langärmlige Kleidung davor schützt. Zugleich äußerten aber 57 Prozent die Ansicht, dass ein normaler Sonnenbrand ungefährlich sei. Nur 20 Prozent der befragten jungen Menschen gaben an, dass sie Schutz vor Sonnenstrahlen wichtig nähmen. Gerade einmal 17 Prozent berichteten, dass sie regelmäßig Sonnencreme benutzen. Und nur 15 Prozent schützen sich mit langärmliger Kleidung vor sengenden Sonnenstrahlen.

          Das Tückische sei, dass „gerade Verbrennungen in jungen Jahren schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können“, warnt Anette Wahl-Wachendorf, die Leiterin des Arbeitsmedizinischen Dienstes der Bau-Berufsgenossenschaft. „Die durch UV-Strahlung geschädigte Haut vergisst nichts.“ Zugleich aber sei wirksamer Schutz leicht möglich. „Gerade bei diesen jungen Beschäftigten müssen wir unsere Bemühungen verstärken, um eine Verhaltensänderung hinzubekommen.“

          Das weitverbreitete Wissen über die Schutzmöglichkeiten legt dabei nahe, dass eine seit dem vergangenen Herbst geltende neue Rechtsverordnung zumindest im Ansatz erfolgreich ist: Seither sind Baubetriebe nicht mehr nur aufgerufen, sondern verpflichtet, ihren Beschäftigten arbeitsmedizinische Beratung und Hautkrebsvorsorge aktiv anzubieten. Wie Wahl-Wachendorf berichtet, haben 2019 immerhin 60600 Baubeschäftigte solche Vorsorgetermine wahrgenommen. Offenbar fehlt es aber noch an der Entschlossenheit der Arztbesucher, ihr Wissen im Alltag anzuwenden.

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