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Berufe-Check : Soziale Lehrer, streitlustige Anwälte

Im Persönlichkeitstest schnitten vor allem Menschen aus sozialen, seelsorgerischen, medizinischen und pädagogischen Berufen als besonders sozial verträglich ab, etwa Grundschullehrerinnen, Altenpfleger, Sprechstundenhilfen, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten und Hauswirtschafter. Allesamt Berufe, die sich viel am Menschen orientieren, helfen wollen und für die es zentral ist, empathisch und zugewandt zu sein.

„Auch die Geschlechterzusammensetzung in den Berufen spielt hier eine Rolle“, sagt Forscher David Richter vom DIW. „Bestimmte Berufe werden mehr von Männern, andere wie etwa Grundschullehrerin mehr von Frauen ausgeübt. Da Frauen in den Tests im Durchschnitt verträglicher abschneiden als Männer, sind auch die Verträglichkeitswerte für die meist von Frauen ausgeübten Berufe höher.“ Sicher gibt es neben der Grundschullehrerin auch mehr weibliche Sprechstundenhilfen, Hauswirtschafter und Friseure.

Wer geringe Werte bei der Verträglichkeit besitzt, ist eher egozentrisch, misstrauisch und antagonistisch gegenüber anderen eingestellt. Er hat weniger Scheu, in den Wettbewerb zu treten oder Konflikte mit anderen auszutragen.

Neben handwerklichen Berufen wie Maurer oder Maler und Lackierer, die oft von Männern ausgeübt werden, finden sich auch Soldaten, Polizisten und Rechtsanwälte in der Rangliste der Verträglichkeit weit unten. Wahrscheinlich ist es für alle drei zentral, einen gewissen Kampfgeist und hohe Konfliktfähigkeit zu besitzen. Wer als Polizist zu nachgiebig ist, der macht seinen Job bestimmt nicht gut: „Ok, dieses eine Mal gibt es keinen Punkt in Flensburg, obwohl Sie 100 km/h in der 30er-Zone gefahren sind“. Auch in Berufen, bei denen man viel allein arbeitet, etwa als LKW-Fahrer, Gärtner oder Kranführer, ist man eher auf sich als auf andere bedacht.

Eine Frage bleibt: Wie kommt es, dass sich die Merkmale der Persönlichkeit des einzelnen und die Anforderungen an das Berufsprofil so sehr gleichen? In einer Studie des DIW* fanden die Forscher heraus, dass Absolventen vor allem erste Jobs wählen, die ihren ursprünglichen Eigenschaften vor dem Berufseinstieg in punkto Extraversion, Verträglichkeit und Offenheit entsprechen. Außerdem stellten sie fest: Nachdem Menschen ihre Beschäftigung gewechselt hatten, entsprach ihr neuer Job ihren persönlichen Eigenschaften in Hinblick auf Extraversion und Offenheit sehr viel mehr als ihre alte Stelle. Wer allerdings lange in einem Beruf bleibt, der hohe Extraversion, Offenheit und Verträglichkeit verlangt, der macht dieses Jobprofil über die Jahre immer mehr zu einem Teil seiner Persönlichkeit, so die Wissenschaftler.

Einerseits suchen sich die Menschen also gezielt den Beruf aus, der am besten zu ihrer primären Persönlichkeitsstruktur passt: Ein kreativer Mensch möchte gerne Musiker werden. Andererseits aber formt der Beruf über die Jahre den Charakter, der sich den Anforderungen des Berufes immer mehr annähert. Es kommt zur bekannten „Déformation professionnelle“. So macht der Beruf des Grundschullehrers über die Jahre vielleicht empathischer, der des LKW-Fahres eigenbrötlerischer und der des Serienkillers rücksichtsloser. Da kann man nur raten: Augen auf bei der Berufswahl!

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