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Berufe-Check : Soziale Lehrer, streitlustige Anwälte

Wer Scheu hat, Menschen anzusprechen, kann ihnen sicher weder einen Staubsauger noch einen Versicherungsvertrag oder eine neue Wohnung verkaufen. Auch Musiker, Schauspieler und Entertainer, die vor allem sich selbst und ihre Fähigkeiten vermarkten müssen, finden sich mit an der Spitze. Friseure und Gastronomen beherrschen die Kunst des Smalltalks oft perfekt, reden mit ihren Kunden über Gott und die Welt und haben ein offenes Ohr für ihre Sorgen – sie sind ebenfalls vorne mit dabei.

Am anderen Ende der Skala stehen die Introvertierten: Sie sind eher schüchtern, gern allein und unabhängig. In Gesellschaft anderer halten sie sich zurück oder fühlen sich unwohl. Besonders introvertierte Menschen arbeiten den Daten zufolge in IT-Berufen wie Softwareentwickler und Programmierer. Auch technische und handwerkliche Berufe sind stark vertreten. Systemadministratoren, Elektrotechniker, Maschinenbauer: die Liste liest sich ein wenig wie die Studiengänge der Fachhochschule Braunschweig - mit hohem Männerüberschuss. Andererseits lässt sich über die besonders extrovertierten Berufe nicht unbedingt sagen, dass sie vorwiegend von Frauen ausgeübt werden. Auch Hausärzte sind eher introvertiert.

Offene Entertainer, konservative Landwirte

Leute mit einer großen Offenheit für Erfahrungen beschreiben sich selbst als originell und intellektuell, sie sind experimentierfreudig, neugierig, künstlerisch interessiert und besitzen eine lebhafte Phantasie. Sie sind eher bereit, bestehende Normen kritisch zu hinterfragen und auf neue soziale, politische und ethische Wertvorstellungen einzugehen.

Und so finden sich unter den Berufen mit großer Offenheit vor allem Professionen, für die ausgeprägte intellektuelle Fähigkeiten, eine große Kreativität und höhere Bildungsabschlüsse nötig sind. Sie arbeiten an der Schule oder lehren und forschen an der Uni, schreiben Texte, designen Produkte, machen Musik oder sind anderweitig als Entertainer tätig. Interessant ist, dass Softwareentwickler zwar introvertiert sind, sich bei der Dimension Offenheit im Vergleich zu den anderen Berufsgruppen aber eher im oberen Feld bewegen. Erfordert ihre Tätigkeit doch, kreativ immer neue Lösungen zu finden anstatt auf vorgefertigte Antworten zu setzen.

Wer niedrige Offenheitswerte besitzt, neigt eher zu konventionellem Verhalten und konservativen Einstellungen. Ihr Motto lautet: Das haben wir schon immer so gemacht - und wir sehen auch keinen Grund etwas daran zu ändern. Bekanntes und Bewährtes ziehen diese Menschen vor, Neues wird erst einmal kritisch beäugt und abgelehnt. Dass Landwirte sehr geringe Werte für Offenheit besitzen, überrascht wenig, hat es sich doch bereits in der Sprache niedergeschlagen. So kennt man in Niedersachsen das plattdeutsche Sprichwort: „Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich.“ Neben den Landwirten setzen auch Maurer, LKW-Fahrer, Putzkräfte und Lagerarbeiter – also Berufe mit eher geringer Bildungsqualifikation – lieber auf Altbewährtes.

Mitfühlende Grundschullehrerinnen, egoistische Soldaten

Sozial verträgliche Menschen zeichnen sich durch ihren Altruismus, ihr Wohlwollen gegenüber anderen und ihre Empathie aus. Sie möchten durch ihr Handeln anderen helfen, kooperieren gern mit ihren Mitmenschen und neigen dazu, bei Konflikten eher nachzugeben.

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