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Berufe-Check : Faulenzen ist nicht

  • -Aktualisiert am

Landwirte arbeiten im Schnitt 49 Stunden pro Woche, sagen sie. Bild: dpa

Führungskräfte, aber auch Landwirte und LKW-Fahrer machen besonders viele Überstunden. Wie sieht es in Ihrem Beruf aus? Finden Sie es heraus!

          Führungskräfte schuften bis zum Umfallen, Anwälte auch, und Ärzte sowieso. Lehrer gehen mittags nach Hause und legen sich auf die faule Haut. So weit die gängigen Vorurteile. Aber diese sind nur zum Teil richtig. Das geht aus einer neuen Auswertung der F.A.Z. hervor, die auf Daten des Sozioökonomischen Panels basiert. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat dafür in den Jahren 2013 und 2014 mehr als 20.000 Personen befragt. Diese sollten angeben, wie viel Arbeitszeit sie mit ihrem Arbeitgeber vereinbart haben, aber auch, wie lange sie tatsächlich am Arbeitsplatz verbringen. Selbständige wurden nur nach ihrer tatsächlichen Arbeitszeit gefragt.

          Zunächst einmal bestätigt sich ein gängiges Klischee: Geschäftsführer und Vorstände arbeiten tatsächlich sehr viel. Im Durchschnitt sitzen sie nach eigenen Angaben mehr als 49 Stunden pro Woche am Schreibtisch. Und das, obwohl in ihren Arbeitsverträgen im Schnitt nur 39,4 Stunden vereinbart sind – macht knapp 10 Überstunden pro Woche. Ist aber nicht schlimm, sagen sie selbst: Denn diese Berufsgruppe ist mit ihrem Leben sehr zufrieden. (Und verdient auch mit Abstand am meisten, dazu mehr im kommenden Berufe-Check.)

          Der Berufe-Check

          Was macht Ihren Beruf aus? Finden Sie heraus, wie es Ihren Kollegen ergeht. Und vergleichen Sie sich mit anderen Berufen.

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          Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Medizinern: Im Schnitt haben sie mit ihren Arbeitgebern 36,5 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit vereinbart, aber tatsächlich sind es 9 Stunden mehr. So klagen Ärztegewerkschaften wie der Marburger Bund regelmäßig über die hohe Belastung ihrer Mitglieder. Rechtsanwälte hingegen verbringen „nur“ 43 Stunden pro Woche im Büro – 7,6 Stunden mehr als vereinbart. Besonders viele Überstunden machen hingegen Landwirte (9,7) und Führungskräfte in der Gastronomie (14,6). Das ist bemerkenswert. Denn fasst man alle Beschäftigten in der Gastronomie zusammen - also auch einfache Tellerwäscher - dann kommen sie nur auf 33,7 Stunden pro Woche (1,6 Überstunden). Allerdings schwankt die Menge der Arbeit in der Branche wie in kaum einem anderen Dienstleistungssektor.

          In Deutschland legt das Arbeitszeitgesetz fest, wie lange Arbeitnehmer höchstens arbeiten dürfen. Grundsätzlich geht der Gesetzgeber von 40 Stunden in der Woche aus, die flexibel verteilt werden können. Das können also auch mehr als acht Stunden pro Tag sein, allerdings muss diese Mehrarbeit innerhalb der darauffolgenden sechs Monate ausgeglichen werden.

          Nach Feierabend haben Arbeitnehmer Anspruch auf eine Ruhezeit von elf Stunden. Arbeit an Sonn- und Feiertagen ist nur in Ausnahmefällen möglich. Die Tarifvertragsparteien können die gesetzlichen Regelungen allerdings an die jeweiligen Branchen anpassen. (Hier ist das Arbeitszeitgesetz im Detail erklärt.)

          Für Beamte, Richter und Soldaten gilt das Gesetz hingegen nicht. Für die Bundeswehr etwa legt die Soldatenarbeitszeitverordnung die maximale Arbeitszeit fest. Seit Januar 2016 sind das 41 Stunden pro Woche, Ausnahmen sind unter anderem im Einsatz, bei Langstreckenflügen oder im Sanitätsdienst möglich. Das könnte der Grund sein, warum die befragten Soldaten nicht nur 121 Kilometer im Schnitt zur Arbeit pendeln, sondern auch eine vereinbarte Wochenarbeitszeit von 41,9 Stunden angeben – eine der höchsten überhaupt.

          Insgesamt machen die meisten Befragten regelmäßig Überstunden: im Schnitt drei pro Woche, erklärt DIW-Forscher David Richter. 32,9 Stunden Arbeitszeit haben sie im Mittel mit ihren Arbeitgebern vereinbart, knapp 36 verbringen sie tatsächlich am Arbeitsplatz.

          Auf besonders wenige Arbeitsstunden kommen Reinigungskräfte, Hauswirtschafter und Post- und Paketzusteller. Das ist keine Überraschung: Diese Arbeiten werden zum Teil auch von Aushilfen erledigt. Besonders oft in Teilzeit arbeiten auch Sekretariatskräfte, Erzieher, Physiotherapeuten und manche Lehrer (zum Beispiel Grundschul- oder Fahrlehrer). Die bleiben auch mal länger, allerdings nicht so oft wie Menschen, die ohnehin in Vollzeit arbeiten.

          Insgesamt ist die Zahl der Überstunden für das Glück der Menschen gar nicht so wichtig, solange die Work-Life-Balance stimmt. Das haben Forscher der „London School of Economics“ herausgefunden. Menschen sind glücklich, wenn sie in Vollzeit arbeiten wollen und das auch dürfen. Umgekehrt gilt das auch für Menschen, die lieber weniger Stunden pro Woche arbeiten möchten und das auch dürfen. Laut Sozioökonomischem Panel arbeiten rund 81 Prozent der Arbeitnehmer genauso viel, wie sie es sich wünschen. Jeder fünfte Teilzeitbeschäftigte – also rund zwei Millionen Menschen – würde hingegen gerne Vollzeit arbeiten.

          Vor allem Frauen sind glücklich, wenn sie wunschgemäß in Teilzeit arbeiten können. Sie kümmern sich deutlich häufiger um Kinder oder kranke Angehörige. Die Hans-Böckler-Stiftung hat schon vor einigen Jahren Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ausgewertet und dabei herausgefunden: 78 Prozent der erwerbstätigen Mütter geben „familiäre Betreuung und Pflege“ als Grund für ihre Teilzeit an. Bei Vätern sind es nur 27 Prozent. Ein Drittel der erwerbstätigen Männer mit Kind sagt hingegen, sie hätten keine Vollzeitstelle gefunden und arbeiteten deshalb Teilzeit. Für Männer ohne Kinder ist hingegen auch die Aus- oder Fortbildung ein wichtiger Grund für Teilzeitarbeit.

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