https://www.faz.net/-gqe-72tku

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe : „Bertelsmann braucht Eigenkapital in Milliardenhöhe“

  • Aktualisiert am

Der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe Bild: Pilar, Daniel

Thomas Rabe will Bertelsmann umbauen und auf Wachstumskurs führen. Dazu benötige der Medienkonzern frisches Kapital, sagt der neue Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit der F.A.Z. Trotzdem wird ein Börsengang immer unwahrscheinlicher.

          Herr Rabe, ausgerechnet vor dem mit Spannung erwarteten Führungskräftetreffen Mitte diese Woche ist Ihnen Ihr Vorstandskollege und Chef der Bertelsmann-Tochtergesellschaft Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, von der Fahne gesprungen. Wie groß ist Ihr Anteil an diesem Führungsdebakel?

          Ich würde das nicht so bezeichnen. Bernd Buchholz hat sich entschieden, sein Vorstandsmandat bei Bertelsmann niederzulegen. Dafür hatte er seine Gründe.

          Welche Gründe waren das?

          Ein Auslöser war die öffentliche Darstellung seiner Person in einem Zeitschriftenartikel. Damit ist er eben auf diese Weise umgegangen. Das respektiere ich, auch wenn ich seine Entscheidung bedauere. Unüberbrückbare strategische Differenzen hatten wir nicht.

          Buchholz hatte erwartet oder gehofft, dass Sie ihm nach dem kritischen Artikel öffentlich den Rücken stärken würden. Warum haben Sie das nicht getan?

          Es entspräche nicht dem Stil des Hauses, wenn der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel kommentierte. Eine solche Stellungnahme würde erst recht das öffentliche Interesse auf einen solchen Vorgang lenken. Das kann nicht im Interesse der Beteiligten sein.

          In Kreisen von Gruner + Jahr heißt es, Sie hätten Buchholz noch Monate nach Ihrer Berufung zum Bertelsmann-Vorstandschef zugesichert, dass er ein britisches Marktforschungsunternehmen kaufen dürfe. Doch dann hätten Sie den Übernahmeplan im Februar kurz vor Vertragsabschluss unvermittelt vereitelt. Für Buchholz sei das ein Vertrauensbruch gewesen.

          Wir haben sehr klare Kriterien für neue Geschäfte. Nach intensiver Befassung im Rahmen einer üblichen Kaufpreisprüfung waren diese Kriterien bei diesem Investment nicht erfüllt. Mit einem Vertrauensbruch hat das nichts zu tun.

          Ist die Diversifizierungsstrategie von Gruner + Jahr damit erledigt?

          Das Zeitschriftengeschäft steht vor großen Herausforderungen, und auf diese Kernaufgabe soll sich Gruner + Jahr künftig konzentrieren. Alle Mittel, die dafür erforderlich sind, werden die Gesellschafter auch zur Verfügung stellen. Ich habe vollstes Vertrauen, dass die neue Dreier-Spitze aus Julia Jäkel, Torsten-Jörn Klein und Achim Twardy Gruner + Jahr hier die richtigen Impulse gibt.

          Was erwarten Sie von dem neuen Trio? Es heißt, Sie seien unzufrieden mit dem Digitalgeschäft von Gruner + Jahr.

          Wenn ich mir unsere Buch-, Fernseh- und Dienstleistungsgeschäfte vor Augen führe, kann ich den digitalen Transformationspfad und Geschäftsmodelle mit profitablen Erlösen sehr klar erkennen. Das ist im Zeitschriftengeschäft noch nicht der Fall. Das ist aber kein spezifisches Problem von Gruner + Jahr, sondern ein Branchenphänomen. Es gibt heute einfach noch keine klare Antwort auf die Frage, wohin die digitale Transformation des Zeitschriftengeschäfts geht. Wir sind davon überzeugt, dass qualitativ hochwertige journalistische Inhalte ein Publikum behalten werden und dass auch die Bereitschaft besteht, für solche Inhalte zu bezahlen. Das geschieht aber nicht nur im Printformat, sondern über alle Medienkanäle hinweg. Auf diesem Gebiet hat Gruner + Jahr noch eine gewisse Wegstrecke vor sich und ich bin sicher, dass der neue Vorstand von Gruner + Jahr sich diesen Aufgaben stellt.

          Könnte die „Financial Times Deutschland“ die erste Publikation Ihres Hauses sein, die sich in ein reines Online-Medium verwandelt?

          Das ist eine Entscheidung des Vorstands von Gruner + Jahr.

          Bertelsmann hält 74,9 Prozent an Gruner + Jahr. Warum wollen Sie die 25,1 Prozent der Familie Jahr auch noch übernehmen?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der britische Öltanker Stena Impero wurde von den iranischen Revolutionsgarden beim Durchfahren der Straße von Hormuz beschlagnahmt.

          Nach Festsetzen von Tanker : Krise am Persischen Golf spitzt sich zu

          In der Straße von Hormus überschlagen sich die Ereignisse: Iran stoppt zwei britische Tanker, einer wird noch immer von Teheran festgehalten. Die Regierung in London droht mit Konsequenzen – und Washington schickt Verstärkung nach Saudi-Arabien.
          Die kommissarische Partei-Vorsitzende Malu Dreyer

          Diskussion um CO2 : SPD will „Klimaprämie“ einführen

          Wer weniger CO2 verbraucht, soll nach Willen der Sozialdemokraten künftig belohnt werden, sagt die kommissarische Partei-Chefin Dreyer nach der Sitzung des Klimakabinetts. Insbesondere Geringverdiener sollen dadurch entlastet werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.