https://www.faz.net/-gqe-72tku

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe : „Bertelsmann braucht Eigenkapital in Milliardenhöhe“

  • Aktualisiert am

Der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe Bild: Pilar, Daniel

Thomas Rabe will Bertelsmann umbauen und auf Wachstumskurs führen. Dazu benötige der Medienkonzern frisches Kapital, sagt der neue Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit der F.A.Z. Trotzdem wird ein Börsengang immer unwahrscheinlicher.

          8 Min.

          Herr Rabe, ausgerechnet vor dem mit Spannung erwarteten Führungskräftetreffen Mitte diese Woche ist Ihnen Ihr Vorstandskollege und Chef der Bertelsmann-Tochtergesellschaft Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, von der Fahne gesprungen. Wie groß ist Ihr Anteil an diesem Führungsdebakel?

          Ich würde das nicht so bezeichnen. Bernd Buchholz hat sich entschieden, sein Vorstandsmandat bei Bertelsmann niederzulegen. Dafür hatte er seine Gründe.

          Welche Gründe waren das?

          Ein Auslöser war die öffentliche Darstellung seiner Person in einem Zeitschriftenartikel. Damit ist er eben auf diese Weise umgegangen. Das respektiere ich, auch wenn ich seine Entscheidung bedauere. Unüberbrückbare strategische Differenzen hatten wir nicht.

          Buchholz hatte erwartet oder gehofft, dass Sie ihm nach dem kritischen Artikel öffentlich den Rücken stärken würden. Warum haben Sie das nicht getan?

          Es entspräche nicht dem Stil des Hauses, wenn der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel kommentierte. Eine solche Stellungnahme würde erst recht das öffentliche Interesse auf einen solchen Vorgang lenken. Das kann nicht im Interesse der Beteiligten sein.

          In Kreisen von Gruner + Jahr heißt es, Sie hätten Buchholz noch Monate nach Ihrer Berufung zum Bertelsmann-Vorstandschef zugesichert, dass er ein britisches Marktforschungsunternehmen kaufen dürfe. Doch dann hätten Sie den Übernahmeplan im Februar kurz vor Vertragsabschluss unvermittelt vereitelt. Für Buchholz sei das ein Vertrauensbruch gewesen.

          Wir haben sehr klare Kriterien für neue Geschäfte. Nach intensiver Befassung im Rahmen einer üblichen Kaufpreisprüfung waren diese Kriterien bei diesem Investment nicht erfüllt. Mit einem Vertrauensbruch hat das nichts zu tun.

          Ist die Diversifizierungsstrategie von Gruner + Jahr damit erledigt?

          Das Zeitschriftengeschäft steht vor großen Herausforderungen, und auf diese Kernaufgabe soll sich Gruner + Jahr künftig konzentrieren. Alle Mittel, die dafür erforderlich sind, werden die Gesellschafter auch zur Verfügung stellen. Ich habe vollstes Vertrauen, dass die neue Dreier-Spitze aus Julia Jäkel, Torsten-Jörn Klein und Achim Twardy Gruner + Jahr hier die richtigen Impulse gibt.

          Was erwarten Sie von dem neuen Trio? Es heißt, Sie seien unzufrieden mit dem Digitalgeschäft von Gruner + Jahr.

          Wenn ich mir unsere Buch-, Fernseh- und Dienstleistungsgeschäfte vor Augen führe, kann ich den digitalen Transformationspfad und Geschäftsmodelle mit profitablen Erlösen sehr klar erkennen. Das ist im Zeitschriftengeschäft noch nicht der Fall. Das ist aber kein spezifisches Problem von Gruner + Jahr, sondern ein Branchenphänomen. Es gibt heute einfach noch keine klare Antwort auf die Frage, wohin die digitale Transformation des Zeitschriftengeschäfts geht. Wir sind davon überzeugt, dass qualitativ hochwertige journalistische Inhalte ein Publikum behalten werden und dass auch die Bereitschaft besteht, für solche Inhalte zu bezahlen. Das geschieht aber nicht nur im Printformat, sondern über alle Medienkanäle hinweg. Auf diesem Gebiet hat Gruner + Jahr noch eine gewisse Wegstrecke vor sich und ich bin sicher, dass der neue Vorstand von Gruner + Jahr sich diesen Aufgaben stellt.

          Könnte die „Financial Times Deutschland“ die erste Publikation Ihres Hauses sein, die sich in ein reines Online-Medium verwandelt?

          Das ist eine Entscheidung des Vorstands von Gruner + Jahr.

          Bertelsmann hält 74,9 Prozent an Gruner + Jahr. Warum wollen Sie die 25,1 Prozent der Familie Jahr auch noch übernehmen?

          Weitere Themen

          CureVac-Impfstoff floppt Video-Seite öffnen

          Geringe Wirksamkeit : CureVac-Impfstoff floppt

          Der Corona-Impfstoff hat Untersuchungen zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent. CureVac will die Studie aber bis zu ihrer finalen Auswertung mit weiteren Corona-Fällen fortsetzen.

          Topmeldungen

          Deutscher Sieg über Portugal : Ein Abend, an dem Funken sprühen

          Mit der überwältigenden Mischung aus Wucht und Wille erfüllt die DFB-Elf ihren Auftrag gegen Portugal. Auch die Konkurrenz in Fußballeuropa dürfte diese deutsche Verwandlung mit einigem Staunen gesehen haben.

          Deutsche Einzelkritik : Müller nervt Portugal, Gosens ragt heraus

          Beim Sieg über Portugal macht Robin Gosens wohl die Partie seines Lebens. Auch andere DFB-Akteure zeigen sich deutlich verbessert. Aber einer scheint nicht der Lieblingsspieler von Bundestrainer Joachim Löw zu sein.
          Kann Jens Spahn als von Corona genesen gelten?

          F.A.S. Exklusiv : Herr Spahn und die Genesenen

          Der Gesundheitsminister macht es Leuten schwer, die Corona schon überstanden haben. Wie viele Impfungen sie brauchen, ist umstritten. Hat Jens Spahn sich selbst vergessen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.