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Pandemie in Deutschland : Regierung sorgt sich um fehlende Corona-Spritzen

Auch die Spritzen dürfen nicht knapp werden. Bild: dpa

Impfstoff ist nicht alles: Der Regierung geht es nun auch darum, dass die Ausrüstung drum herum ausreichend verfügbar ist.

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          Die Bundesregierung sorgt sich, dass nach dem Corona-Impfstoff demnächst auch Spritzen, Nadeln oder Kochsalzlösung knapp werden könnten. „Der Mangel an Impfstoff darf in einigen Wochen nicht durch einen Mangel an medizinischem Material abgelöst werden“, hieß es am Montag aus Regierungskreisen. „Ziel muss sein, dass jede Dose Impfstoff, die ausgeliefert wird, auch unmittelbar verimpft werden kann.“

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Deshalb will das Bundeswirtschaftsministerium unter Peter Altmaier (CDU) bei der Beschaffung von Zubehör, aber auch von Impfstoffbestandteilen helfen. Bei diesen Vorprodukten geht es vor allem um Fettstoffe (Lipide), welche die so genannte Boten-RNA in einigen der Impfstoffe schützen und dazu beitragen, dass sie die Zellen erreichen. Lipide seien „ein ganz zentrales Vorprodukt“, hieß es in Berlin zur Illustration der Dringlichkeit.

          Um die Bereitstellung zu beschleunigen, bat Altmaier nach dem Impfgipfel vom 1. Februar in einem Brief, der der F.A.Z. vorliegt, die Chefs der Impfstoffhersteller Biontech, Curevac, IDT, Astra-Zeneca, J&J, Sanofi, Bayer, Moderna und Pfizer, ihn auf „bestehende oder zu erwartende Engpässe hinzuweisen, zum Beispiel bezüglich Komponenten für die Impfstoffherstellung“. Es gehe um die Beseitigung „etwaiger Schwachstellen bei den Lieferketten“, schrieb Altmaier, und: „Ich möchte Ihnen dafür Unterstützung anbieten.“

          Vorbild ist eine Plattform für Desinfektionsmittel

          Am selben Tag kontaktierten zwei von Altmaiers Staatssekretären die Gesundheitsministerien der Bundesländer, um sie zur Mitarbeit an einer „Notversorgungsplattform für Impfnebenprodukte wie Spritzen, Kanülen und Natriumchlorid-Lösungen“ aufzufordern. Diese E-Mail liegt der F.A.Z. ebenfalls vor.

          Die Plattform zum Austausch zwischen Anbietern und Abnehmern hatte der Verband der Chemischen Industrie auf dem Impfgipfel vorgestellt. Dabei stellt der VCI die Angebote der Unternehmen zur Verfügung, die Bundesländer mit ihren Gesundheitsämtern und Impfzentren sollen die Nachfrage an Impfzubehör melden, „um gegebenenfalls Engpässe schnell beheben zu können“, wie es in dem Schreiben heißt.

          Vorbild des Business-to-Business-Marktplatzes soll die VCI-Matching-Plattform für Desinfektionsmittel aus dem Frühjahr sein. Das Wirtschaftsministerium hatte etwas ähnliches für die Maskenbeschaffung eingerichtet. Alle Beteiligten wollen jetzt vermeiden, dass es zu einer weiteren Unterversorgung kommt wie damals bei den Hygiene- und Schutzmitteln.

          VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sagte, die Branche entwickle und produziere Vakzine in Rekordgeschwindigkeit: „Jetzt sollen Impfungen nicht daran scheitern, dass Spritzen oder Kanülen fehlen.“ Die Plattform, die der Verband gemeinsam mit dem Unternehmen Boston Consulting Digital Ventures entwickle, solle in zwei Wochen online gehen.

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