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Bericht des Ostbeauftragten : Ein bisschen Einheit

Zumindest vor der Ruine der Rudelsburg bei Bad Kösen in Sachsen-Anhalt klappt es schon mal mit Helmut Kohls „blühenden Landschaften“. Bild: ZB

Blühende Landschaften? Der Osten liegt wirtschaftlich auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch zurück. Doch manches läuft auch besser als im Westen.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Es ist ein Lichtblick, wenn auch nur ein kleiner: Wenn es um die verfügbaren Einkommen der Haushalte geht, haben zumindest die Brandenburger und die Sachsen mittlerweile das westdeutsche Schlusslicht, das Saarland, eingeholt. Insgesamt aber steht auch 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung der Osten Deutschlands wirtschaftlich schwächer da.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die durchschnittliche Wirtschaftskraft je Einwohner lag zuletzt bei 79,1 Prozent des gesamtdeutschen Niveaus, wie aus dem neuen Jahresbericht zur deutschen Einheit hervorgeht. Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung Marco Wanderwitz (CDU) zog am Mittwoch dennoch eine „überwiegend positive Bilanz“.

          Für den weiter bestehenden wirtschaftlichen Abstand macht der zum Jubiläumsjahr extradicke, 284 Seiten füllende Bericht verschiedene Gründe aus. Einer sei die Kleinteiligkeit der Wirtschaft, also das Fehlen von Konzernzentralen und großen Familienunternehmen. Eine wichtige Rolle spielen auch die Abwanderungswellen, die erste nach 1990, die zweite um die Jahrtausendwende. Zwar ziehen heute wieder mehr Menschen in den Osten als von dort weg. Allerdings sind das eher die Älteren. Unter den 18- bis 29-Jährigen überwiegen immer noch leicht die Abwanderer.

          Der Osten braucht Zuwanderung

          Ökonomen warnen schon seit längerem, dass es im Osten nicht so sehr an Arbeitsplätzen mangelt, sondern in erster Linie an Arbeitskräften, um die offenen Stellen zu besetzen. Wanderwitz machte deutlich, dass sich die bestehenden Strukturen nur durch mehr Zuwanderung aus dem Ausland erhalten ließen. „Das setzt aber Weltoffenheit und Willkommenskultur voraus.“

          Sowohl der Deutsche Gewerkschaftsbund als auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sehen das Problem dagegen vor allem in den aus ihrer Sicht zu niedrigen Löhnen.

          Einen Standortvorteil im Werben um Fachkräfte hat Brandenburg. Dort spekulieren Unternehmen wie der amerikanische Elektroautohersteller Tesla darauf, dass sie sowohl Mitarbeiter mit Wohnsitz in Berlin für sich gewinnen können als auch Pendler aus Polen. Ein Sorgenkind ist dagegen die Lausitz im Süden Brandenburgs und Osten Sachsens, wo mit dem deutschen Kohleausstieg in den kommenden Jahren auch noch die letzten 8000 Arbeitsplätze in dieser Branche wegfallen.

          Mehr Behörden für die neuen Bundesländer

          Sowohl die Bundes- als auch die Landespolitik versuchen deshalb, mehr Arbeitsplätze in Behörden im Osten anzusiedeln. So sitzt das neue Fernstraßenbundesamt in Leipzig. Die Bundeszentrale für politische Bildung soll auch mit Blick auf die rechtsextremen Tendenzen in Ostdeutschland eine Außenstelle in Gera bekommen. Die Batterieforschungsfabrik von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bekommt jedoch eine Stadt in der Nähe ihres Wahlkreises: Münster.

          Wanderwitz wollte zu dieser Entscheidung lieber nicht so viel sagen. Umso deutlicher wies er die Kritik der Thüringer Linken-Chefin zurück, die sich daran stört, dass das Unternehmen Haenel aus Suhl das neue Sturmgewehr der Bundeswehr herstellen soll. „Ist doch schön, dass es in Thüringen produziert wird und nicht in Nordrhein-Westfalen“, sagte Wanderwitz.

          Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung wies am Mittwoch auf eine wirtschaftliche Angleichung der anderen Art hin: So hätten sich die Erwerbsquoten westdeutscher Mütter an die der ostdeutschen angenähert, wobei letztere immer noch häufiger in Vollzeit arbeiteten. Und auch mit Blick auf die Corona-Krise steht der Osten besser da: Um „nur“ 3,0 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt dort laut der Prognose des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle in diesem Jahr sinken. Auf ganz Deutschland gerechnet, dürfte das Minus fast doppelt so hoch ausfallen. Die geringe Exportorientierung der ostdeutschen Betriebe ist dort ausnahmsweise mal ein Vorteil.

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