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Virtuelle Juristen : Rechtsberatung via Mausklick

„Aspekte wie Produktmanagement und das Verständnis digitalisierter Geschäftsmodelle von Mandanten sind bislang in vielen Kanzleien noch vernachlässigt. Schon bald werden sie aber für die Qualität der juristischen Arbeit mitentscheidend sein“, erklärt Hariolf Wenzler, einer der Mitverfasser der Studie und bis August dieses Jahres Geschäftsführer der Bucerius Law School. Seitdem lenkt er als Chefstratege die Geschicke der internationalen Kanzlei Baker & McKenzie in Deutschland und Österreich.

Rechtsberatung ist eine arbeitsteilige Dienstleistung

Die Kanzlei hat schon vor Jahren mit IBM kooperiert und für die Verwaltung von Dokumenten in Prozessen und Schiedsverfahren eine eigene Software entwickelt. Seine guten Kontakte in die Legaltech-Szene sollen nun helfen, dass Baker & McKenzie unter Einsatz digitaler Technik auch künftig am Ball bleibt. Nahezu jede Großkanzlei holt sich derzeit prozessunterstützende Software ins Haus.

Die Wettbewerberin Dentons hat sich entschieden, noch enger mit Legaltechs zusammenzuarbeiten. Die Kanzlei ist an einem Inkubator – einer Gründerwerkstatt für digitale Innovationen – beteiligt: Nextlaw Labs. „Von Nextlaw Labs soll nicht nur Dentons profitieren“, erklärt Marie Bernard, die als Innovationsmanagerin in den europäischen Dentons-Standorten zugleich strategische Beraterin des Labs ist. „Die Produkte der Start-ups sollen der gesamten Rechtsberatungsbranche zugutekommen.“ Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt das Lab für ein Projekt namens Ross. Unter Einsatz derselben Technik, die auch im IBM-Superrechner Watson zum Einsatz kommt, konnte Ross als künstlicher Anwalt Tausende von Rechtsfragen aus dem amerikanischen Recht beantworten.

In den Vereinigten Staaten ist Legaltech schon ein Milliardengeschäft. Zum einem ist die Nachfrage an solchen Angeboten deutlich größer als in Deutschland, entsprechend gewachsen ist die dortige Landschaft an Start-ups und die Zahl der Kapitalgeber. Zum anderen begreifen amerikanischen Kanzleien die Start-ups nicht als Bedrohung für ihr eigenes Geschäft, sagt Wenzler: „Wie wir schon seit einigen Jahren in den Vereinigten Staaten sehen, legen Großkanzleien viel mehr Wert auf eine vorausschauende Arbeitsweise. Schlankes Management und der Einsatz von Technologien machen aus der Rechtsberatung eine arbeitsteilige Dienstleistung.“

Dass man damit die Verhandlungsbasis gegenüber sparsamen Unternehmen zum eigenen Vorteil nutzen kann, wird nun nach und nach auch deutschen Wirtschaftskanzleien bewusst. Von ihren hohen Stundensätzen wollen sie nicht abrücken. Techniklösungen eröffnen ihnen die Möglichkeit, bestimmte Dienstleistungen effizienter zu erledigen oder auszulagern, um sich auf andere Aufgaben zu konzentrieren. „Es hilft, den Kampf gegen die Zeit zu gewinnen“, sagt die Innovationsmanagerin Bernard. Die anwaltliche Arbeit könne damit an Präzision gewinnen, „die Antizipation, welcher Rat dem Mandanten wirklich hilft“, werde immer wichtiger. Für den Kanzleistrategen Wenzler liegt die Zukunft der Großkanzleien in der Kooperation mit Start-ups: „Die Kanzlei, die es schafft, Produkte, effiziente Prozesse und Innovation zusammenzubringen, wird am Ende im Wettbewerb vorne sein.“

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