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Benzinpreise : Autofahrer werden „abgezockt“

  • Aktualisiert am

Da steigt der Benzinverbrauch: Schritttempo im Stau Bild: dpa

Ausgerechnet zu Ostern setzten die Mineralölkonzerne die Spritpreise auf das höchste Niveau. Verkehrsexperten wittern eine unerlaubte Preisabsprache.

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          Die Autofahrer müssen derzeit an den Zapfsäulen so viel bezahlen wie nie zuvor. So hat der Preis für das schwefelfreie Super Plus an den meisten Tankstellen die „Schallgrenze“ von 2,20 Mark durchbrochen, ermittelte die Verbraucher-Zentrale Berlin. Im Durchschnitt müssen die Verbraucher bundesweit für Super 2,12 Mark bezahlen, Normalbenzin kostet 2,09 Mark und Diesel 1,67 Mark.

          Aufgrund der Benzinpreissteigerungen vor der Oster-Reisewelle haben Verkehrspolitiker parteiübergreifend eine strengere Kontrolle der Preispolitik der Mineralölkonzerne durch das Bundeskartellamt gefordert. Der Vize-Vorsitzende des Bundestagstourismus-Ausschusses, Jann-Peter Janssen (SPD), nannte die Benzinpreise in der „Bild"-Zeitung vom Samstag eine „Katastrophe“. Die Konzerne „wollen den Markt testen und ausprobieren, wie weit sie gehen können. Jetzt muss endlich das Kartellamt eingreifen“, so Janssen.

          „Abzocke der Autofahrer“

          Der FDP-Fraktionsvize im Bundestag, Rainer Brüderle, forderte, dass gegen die „Abzocke der Autofahrer“ nun eine „Doppelstrategie“ gefahren werden müsse: „Erstens: keine weitere Erhöhung und Abschaffung der Ökosteuer. Zweitens muss das Kartellamt prüfen, ob die Ölmultis marktwidrig zulangen.“

          Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat den Ölkonzernen Preisabsprachen vorgeworfen, um die Autofahrer zu Ostern ordentlich abkassieren zu können.

          Die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet mit weiteren Preissteigerungen. Die Verknappung des Rohölangebots werde weltweit auf die Lagerbestände drücken, warnte die Organisation in ihrem am Donnerstag in London vorgelegten Monatsbericht zur Situation am Erdölmarkt. Pünktlich zu Feiertagen und Ferien setzten die Mineralölgesellschaften die Warnung der IEA um. Begründet wurde das unerfreuliche „Ostergeschenk“ mit weltweit deutlich angestiegenen Mineralölnotierungen. So hat sich der Rohölpreis seit Monatsanfang von 23 US-Dollar je Barrel (159 Liter) auf rund 27 US-Dollar verteuert. Hinzu komme der wieder steigende Kurs der amerikanischen Währung.

          Preisvergleich in Europa

          Große Schwankungen bei den Spritpreisen gibt es innerhalb Europas. So sank der Dieselpreis in den Niederlanden und in Tschechien in den vergangenen zwei Monaten um elf Pfennig, ermittelte der ADAC. In Dänemark stieg er allerdings - fast ebenso wie bei Benzin - um 17 Pfennig. In 18 von 22 Ländern wurde Diesel billiger oder zumindest nicht teurer. Auch die Preise für bleifreies Super Benzin (95 Oktan) entwickelten sich nicht einheitlich. Bleifreies Benzin ist seit Januar pro Liter in Großbritannien um zehn Pfennig und in Tschechien um 27 Pfennig billiger geworden. Teurer wurde es außer in Dänemark (16 Pfennig) in Polen (+14), in Ungarn (+11) und in Italien (+10 Pfennig).

          Am teuersten ist Sprit weiter in Großbritannien. Ein Liter Bleifrei kostet dort durchschnittlich 2,57 Mark, Diesel sogar 2,66 Mark. Das billigste Benzin gibt es für 1,40 Mark pro Liter in Tschechien, den preisgünstigsten Diesel für 1,27 Mark in Portugal.

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