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Benzinpreis über 1,50 Euro : Libyen-Krise erreicht die Tankstellen

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Zuletzt kostete das Tanken Mitte Januar ähnlich viel Bild: dapd

Die Libyen-Krise trifft jetzt auch die Autofahrer in Deutschland. Ein Liter Superbenzin kostete am Mittwoch im Durchschnitt 1,50 Euro, Diesel lag bei 1,40 Euro und damit auf dem höchsten Niveau seit mehr als zwei Jahren.

          Die deutschen Autofahrer müssen jetzt für den Anstieg der Ölpreise als Folge der Libyen-Krise bezahlen. Der Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin stieg am Mittwoch auf 1,50 Euro. Diesel kostete nach Angaben aus der Mineralölindustrie im Schnitt sogar 1,40 Euro. Damit war Diesel so teuer wie seit zwei Jahren nicht mehr. Der Ölpreis verharrte am Mittwoch auf dem höchsten Niveau seit etwa zwei Jahren, Aktienmärkte rund um die Welt gaben weiter nach.

          „Die Lage im Nahen Osten und Nordafrika verunsichert die Ölmärkte, außerdem stützt die gute Wirtschaftsentwicklung in den Schwellenländern vor allem die Nachfrage nach Diesel“, sagte ein Aral-Sprecher. Laut ADAC war Benzin im Vergleich zur Vorwoche 2,8 Cent teurer, Diesel 0,5 Cent. Ähnlich teuer war das Tanken zuletzt Mitte Januar.

          Wie teuer Diesel derzeit ist, zeigt der Vergleich mit Superbenzin: Obwohl das Finanzamt für Diesel 22 Cent weniger Steuern kassiert als für Benzin, liegt der Preisabstand an den Zapfsäulen bei nur 10 Cent.

          Wirtschaft rechnet mit hohen Belastungen

          Wegen der hohen Ölpreise drohen der deutschen Wirtschaft Mehrkosten in Milliardenhöhe. „Bleibt der Ölpreis im Jahresschnitt auf seinem aktuellen Niveau, wäre das ein Anstieg von 30 Prozent verglichen mit 2010“, sagte der Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Felix Neugart. „Eine Preissteigerung von einem Prozent kostet die deutsche Wirtschaft etwa eine halbe Milliarde Euro.“ Verharre der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau, wären das im Gesamtjahr also rund 15 Milliarden Euro Mehrkosten.

          „Einen Teil der höheren Kosten können sie sicher an die Verbraucher weitergeben, der Rest geht zulasten der Gewinnmarge“, sagte Neugart. „Das Geld fehlt dann für Investitionen und Neueinstellungen.“ Der DIHK sieht die Entwicklung in Libyen und anderen arabischen Ländern aber auch positiv. „Der Wandlungsprozess birgt auch das Potenzial für langfristige Stabilität in der Region“, sagte Neugart. „Das wiederum bietet Chancen für die deutsche Wirtschaft.“

          Experten rechnen mit weiterem Anstieg beim Ölpreis

          Der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) der für Europa wichtigsten Sorte Brent lag in London weiter bei 107 Dollar, dem höchsten Preis seit mindestens zweieinhalb Jahren. Der Preis für ein Barrel der wichtigsten amerikanischen Sorte kletterte auf 96 Dollar.

          Die Bank Goldman Sachs nannte ein Preisziel von 103 Dollar für amerikanisches Öl innerhalb der nächsten zwölf Monate. Die Proteste in Bahrain zeigten, dass auch reiche Ölstaaten anfällig für Unruhen seien, schrieb die Bank.

          Wichtiger Öllieferant

          Libyen ist der fünftwichtigste Lieferant von Rohöl für Deutschland. 2010 flossen 6,6 Millionen Tonnen aus Libyen in die Bundesrepublik. Größter Lieferant war Russland mit über 35 Millionen Tonnen. Libyen ist einer der größten Erdölproduzenten der Welt und hat mit 5,7 Milliarden Tonnen die größten Reserven in Afrika. Libysches Öl gilt als sehr hochwertig, viel davon wird nach Europa exportiert.

          Die europäischen Energiekonzerne Eni und Repsol hatten am Dienstag ihre Ölförderung in Libyen gestoppt, die deutsche BASF-Tochter Wintershall hat die Ölproduktion von 100.000 Fass am Tag aus Sicherheitsgründen eingestellt, wie ein Sprecher sagte (siehe Libyen: Anhaltende Unruhen legen Wirtschaft lahm. Die italienische Eni ist mit 244.000 Barrel (159 Liter) für ein Viertel der libyschen Ölexporte zuständig, Wintershall betreibt nach Firmenangaben acht Ölfelder in dem Land und kommt dabei auf 100.000 Barrel pro Tag.

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