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Ben Bernanke : Obamas Wahl für die Fed?

  • -Aktualisiert am

Der oberste amerikanische Währungshüter: Ben Bernanke Bild: AFP

Ben Bernanke hat in der Finanzkrise wahrlich keine gute Figur gemacht. Ein anderer Fed-Vorsitzender hätte vermutlich auch nicht anders gehandelt. Doch egal, ob sich Obama nun für oder gegen den Republikaner entscheidet: Er sollte es bald tun.

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          In den vergangenen Wochen ist mitunter der Eindruck entstanden, Ben Bernanke kämpfe um seinen Job: Der oberste amerikanische Währungshüter setzte sich im Kongress gegen Kritik an seinem Krisenmanagement zur Wehr, ebnete in einem Gastbeitrag für das „Wall Street Journal“ den Weg für den geldpolitischen Kurswechsel und rechtfertigte vor einer Bürgerversammlung in Kansas City die beispiellosen Rettungsmaßnahmen für das Bankensystem. Bernanke ahnt offenbar, dass eine zweite Amtszeit für ihn als Vorsitzenden des Direktoriums der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) noch keine beschlossene Sache ist.

          Präsident Barack Obama wird entscheiden müssen, ob er den langjährigen Princeton-Ökonomen weitere vier Jahre an der Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt haben möchte. Dabei dürfte weniger der Umstand eine Rolle spielen, dass Bernanke Republikaner ist und von George Bush zum Nachfolger Alan Greenspans gekürt wurde, als vielmehr der Umgang der Fed mit der schweren Wirtschaftskrise und Bernankes Fähigkeit, künftig die Stabilität des Preisniveaus und des Finanzsystems zu sichern. Zweifel daran äußern sowohl Republikaner als auch Demokraten.

          Fragwürdige Entscheidungen getroffen

          Richtig ist, dass unter Führung Bernankes während der Finanzkrise einige fragwürdige Entscheidungen getroffen worden sind. Der Milliardenkredit für die vom Untergang bedrohte Investmentbank Bear Stearns zählt ebenso dazu wie die Finanzhilfe der Währungshüter für den angeschlagenen Versicherungskonzern AIG. Im Zusammenhang mit der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch durch die Bank of America hat Bernanke keine gute Figur gemacht; er soll Druck auf die Bank of America ausgeübt haben, den Kauf trotz ungeahnter Verluste in Milliardenhöhe durchzuziehen. Und Bernanke hat den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers zugelassen, ein Ereignis, das inzwischen als Höhepunkt und Verstärker der Krise eingestuft wird. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass hier und da das Urteilsvermögen des Notenbankers in Zweifel gezogen wird. Allerdings gilt es zu bedenken, über welche Informationen Bernanke verfügte und wie sich die Lage zum Zeitpunkt der Entscheidung für ihn darstellte. Im Nachhinein und in Kenntnis der Folgen lässt sich manches besser bewerten. Doch dass ein anderer Fed-Vorsitzender grundsätzlich anders gehandelt hätte, darf bezweifelt werden.

          Gleiches gilt für die Zinspolitik und die neuen Kreditfazilitäten, die die Fed eingerichtet hat, um die Spannungen an den Märkten zu überwinden und die Kreditvergabe wieder in Gang zu setzen. Es steht außer Frage, dass sie dabei erhebliche Risiken eingegangen ist, nicht zuletzt durch die Hereinnahme von Wertpapieren, die mit Forderungen aus Hypotheken und anderen Konsumentendarlehen abgesichert sind. Die Gefahr einer unerwünschten Beschleunigung der Inflation ist beträchtlich. Noch ist es nicht zu spät, das Aufgehen der inflationären Saat zu verhindern. Es wird Mut und Standfestigkeit gegenüber der Politik erfordern, den geldpolitischen Kurswechsel rechtzeitig einzuleiten, zumal es noch eine Weile dauern wird, ehe auch die Arbeitslosigkeit sinkt.

          Obama darf niemandem bloß einen Gefallen erweisen

          Schwer wiegt der Vorwurf, Bernanke trage Verantwortung für die Krise, weil er die überaus lockere Geldpolitik nach dem Zerplatzen der High-tech-Blase kurz nach der Jahrtausendwende nicht nur unterstützt, sondern sogar die entscheidenden Argumente dafür geliefert habe. Tatsächlich war es Bernanke, der als Direktoriumsmitglied der Fed 2003 am lautesten vor einer Deflation warnte und sich für eine lange Zeit billigen Geldes aussprach. Inzwischen ist nahezu unbestritten, dass dies der Preisblase auf dem Häusermarkt Vorschub geleistet hat. Falls Bernanke tatsächlich einen Verbleib an der Spitze der Fed anstrebt, sollte er schnell dem Vorschlag des New Yorker Fed-Präsidenten Bill Dudley folgen und versuchen, der Entstehung von Vermögenspreisblasen fortan vorzubeugen, und sich nicht darauf beschränken, den Scherbenhaufen aufzukehren.

          Zu einer Diskussion über die Zukunft des Fed-Vorsitzenden gehört auch das Prüfen möglicher Alternativen; Larry Summers, dem engsten Wirtschaftsberater Obamas, werden Ambitionen nachgesagt. Der frühere Finanzminister wäre gewiss qualifiziert. Doch abgesehen davon, dass Summers als arrogant und schwierig im Umgang gilt, ist kaum zu erwarten, dass er es anders, geschweige denn besser machen würde als Bernanke. Hervorragend geeignet wären Währungshüter wie die Präsidenten der Federal-Reserve-Banken von Philadelphia und Richmond, Charles Plosser und Jeffrey Lacker, die sich strenger als Bernanke an den Grundsatz halten, dass nur knappes Geld gutes Geld ist.

          Obama sollte die Entscheidung nicht mehr allzu lange hinauszögern, auch wenn Bernankes Amtszeit erst im Januar zu Ende geht. Gegen den obersten Währungshüter sollte sie nur dann ausfallen, wenn ein anderer Kandidat oder eine Kandidatin nach Ansicht des Präsidenten die Stabilität des Geldwertes und des Finanzsystems besser sichern kann als Bernanke. Das Amt des Fed-Chairman ist zu wichtig, um jemandem damit einen Gefallen zu erweisen.

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