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Belgien und Frankreich : 48.000 Euro Strafe für Homeoffice-Verweigerung

Die Innenstadt in Brüssel ist menschenleer. Viele Arbeitnehmer arbeiten in der Pandemie von zuhause aus. Bild: dpa

In Deutschland wird heftig über die Verpflichtung von Unternehmen gestritten, ihre Mitarbeiter zu Hause arbeiten zu lassen. Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt: In Belgien und Frankreich ist das seit Oktober Realität.

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          Angesichts steigender Infektionszahlen wird der Ruf nach einer Pflicht zum Homeoffice immer lauter. Die Grünen fordern ein Gesetz, um „uneinsichtige Arbeitgeber“ zur Not mit Bußgeldern zwingen zu können, die Beschäftigten von daheim aus arbeiten zu lassen. DGB-Chef Reiner Hoffmann fordert in der Corona-Krise zumindest einen Rechtsanspruch darauf, „jedenfalls da, wo es machbar ist“.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Nach Schätzung des Münchener Ifo-Instituts könnten 56 Prozent der Arbeitnehmer im Homeoffice arbeiten. Industrievertreter und das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnen hingegen vor einem derart „enormen Eingriff in die betriebliche Freiheit“ – zumal es keine Evidenz gebe, dass Arbeitsstätten Infektionsherde seien, wie das IW schreibt.

          In den deutschen Nachbarländern Belgien und Frankreich ist die Entscheidung für eine Pflicht zum Homeoffice längst gefallen. Auch die Regierungen dort setzten zwar lange darauf, die Heimarbeit nur zu empfehlen. Nachdem die Infektionszahlen stark gestiegen waren, müssen aber seit dem 14. Oktober in Frankreich alle Beschäftigten, denen es möglich ist, zu Hause arbeiten. Belgien zog fünf Tage später nach. Die Überlegung war weniger, dass sich die Beschäftigten in den Betrieben infizieren. Es gehe darum, während der Stoßzeiten überfüllte Busse und Bahnen zu verhindern, betonte der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke.

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          In beiden Ländern gibt es Ausnahmen. Das betrifft klassische Fabrikarbeiter, Bauern, Bauarbeiter und die Mitarbeiter in den Geschäften. Nach einem Rückgang der Neuinfektionen sind in der Zwischenzeit in Belgien und Frankreich nicht lebensnotwendige Geschäfte wieder offen. In Frankreich ist Ingenieuren oder Architekten, die spezifische Geräte für ihre Arbeit benötigen, erlaubt, zumindest einen Teil der Arbeitszeit im Büro zu verbringen.

          In Belgien gilt die grundsätzliche Einschränkung, dass die Betriebsabläufe trotz der Homeoffice-Pflicht gewährleistet sein müssen und die Unternehmen in der Lage sein müssen, ihr Angebot aufrechtzuerhalten.

          Negative Auswirkung der Heimarbeit

          In der Praxis funktioniert die Pflicht zur Heimarbeit zumindest in Belgien weniger als von der Politik gewünscht. Viel mehr Menschen als in der ersten Corona-Welle gehen Tag für Tag zur Arbeit. Nach einer Umfrage unter 3800 belgischen Unternehmen aus dem Dezember arbeiten momentan 30 Prozent aller Beschäftigten ausschließlich von zu Hause aus, weitere 13 Prozent zum Teil. Etwa die Hälfte der befragten Unternehmen gab an, dass die Heimarbeit einen starken (10 Prozent) oder leichten (35 Prozent) negativen Einfluss auf die Produktivität hat.

          Die belgische Regierung setzt angesichts wieder steigender Zahlen – 120 Fälle auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen – vor allem auf stärkere Kontrollen. Vor wenigen Tagen kündigte sie an, 1000 Kontrolleure unangekündigt in Unternehmen zu schicken. Sie sollen auch anonymen Hinweisen nachgehen und bei Verstößen anders als bisher nicht vor allem Verwarnungen aussprechen, sondern Bußgelder verhängen. Die können es in sich haben: bis zu 48.000 Euro.

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