https://www.faz.net/-gqe-8da04

Merchandise : Super Bowl der Superlative

  • -Aktualisiert am

Der goldene Wilson Football: Ein Mitbingsel für Fans. Bild: Imago

Popstars und Promis lieben das Finale der Football-Liga in Amerika. So glamourös wie diesmal war es noch nie. Der Sport wird dabei zur Nebensache.

          Gage? Fehlanzeige. Wer an diesem Sonntag bei der Super Bowl im kalifornischen Santa Clara auftritt, tut es zumindest auf den ersten Blick für die Ehre. „Wir haben schon vor drei Jahren angefangen, uns zu bewerben“, scherzte Chris Martin, der Sänger der Band Coldplay. In Santa Clara darf der Brite nun in der Halbzeitpause des Finales der amerikanischen Football-Liga etwa 75.000 Stadionbesucher und voraussichtlich mehr als 110 Millionen Fernsehzuschauer unterhalten - zwölf Minuten lang, unterstützt von Queen Bey, Beyoncé und Überraschungsgästen.

          Dass vor und nach der berühmten „Halftime“ die Denver Broncos gegen die Carolina Panthers spielen, droht daneben fast in Vergessenheit zu geraten. Die Super Bowl, von der National Football League (NFL) in diesem Jahr zum 50. Mal veranstaltet, ist längst kein reines Sportereignis mehr. Für Stars der Musikbranche gilt das alljährliche Spektakel als Vehikel, mehr Anhänger zu erreichen als durch jede andere Veranstaltung. Auf die Gage zu verzichten und sich sogar an Kosten für Proben oder Kulissen zu beteiligen hielt nicht einmal die Rolling Stones und Michael Jackson davon ab, auf dem Stadionrasen aufzutreten. Auch Madonna schlug vor vier Jahren aus ihrem Super-Bowl-Auftritt Kapital. Ihr damals frisch eingespielter Titel „Give Me All Your Luvin“ wurde in der Woche danach mehr als 170.000 Mal heruntergeladen.

          Auch Klassiker wie „Vogue“ und „Like A Prayer“ verkauften sich plötzlich wieder wie in den Neunzigern. Madonnas Nachfolgerin Katy Perry, die im vergangenen Jahr alle Rekorde brach, als sie in der Halbzeitpause etwa 118 Millionen Zuschauer vor den Fernseher zog, konnte die Zahl der Downloads von Titeln wie „Roar“ und „California Gurls“ in den Tagen nach ihrem Ritt auf einem fünf Meter hohen Metalllöwen fast verdoppeln. „Für einen Künstler gilt die Super Bowl als Medium aller Medien. Es gibt keine bessere Werbung, weil man nie mehr Blicke auf sich zieht“, sagt dazu Derek Jackson, der Gründer der New Yorker Werbeagentur Glu.

          5000 Dollar pro Eintrittskarte – im Schnitt

          Die „Super Bowl 50“ lohnt sich aber nicht nur für Prominente. Während Lady Gaga am Freitag im Stadion in Santa Clara schon einmal die amerikanische Nationalhymne einübte, die sie am Sonntag vor dem Spiel singen soll, setzte 70 Kilometer nördlich in San Francisco der Partymarathon ein. Bei der traditionellen Feier des Magazins „Playboy“ amüsierten sich Football-Fans für 1000 Dollar je Ticket mit Hollywood-Stars wie Jeff Goldblum und Alyssa Milano sowie zwei Dutzend Playmates in Bunny-Kostümen. An der California Street feierten derweil etwa 800 zahlende Gäste mit Daniel Lurie, dem Chef des Gastgeberkomitees der Super Bowl. Dass der Erlös des Abends wohltätigen Organisationen in San Francisco gespendet wurde, versöhnte die Partygänger mit Eintrittspreisen von bis zu 5000 Dollar.

          Auch für Plätze im Stadion muss man tief in die Tasche greifen, die teuersten Tickets kosten fast 28.000 Dollar. Durchschnittlich zahlten Football-Anhänger knapp 5000 Dollar je Eintrittskarte, etwa 300 Dollar mehr als für das bislang teuerste Sportspektakel in den Vereinigten Staaten, den Boxkampf zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao im vergangenen Mai. Da das Finale nach 31 Jahren erstmals wieder im Silicon Valley ausgetragen wird, Amerikas wohlhabender Hightech-Hochburg, schnellten die Preise nach oben. Während bei früheren Super Bowls fast alle Plätze an Fans aus anderen Bundesstaaten verkauft wurden, sitzt an diesem Sonntag auf jedem dritten Sessel ein Kalifornier.

          Privatleute wie Kim Lain und Tom Doherty, die ihr Haus in San Jose während des Football-Wochenendes über die Website Homeaway vermieten wollten, erlebten dagegen eine herbe Enttäuschung. Trotz einer Preissenkung von 25.000 auf 15.000 Dollar für fünf Nächte in der Nähe des Stadions wartete das Paar vergeblich auf Interessenten.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          In einem Gedenkgottesdienst nehmen Angehörige, Freunde und Nachbarn Abschied von dem achtjährigen Jungen

          Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.