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Elterngeld : Männer bleiben die Ausnahme

Frauen beantragen durchschnittlich 11,7 Monate Elterngeld, Männer lediglich 2,9 Monate. Bild: dpa

Männer machen sich am Wickeltisch weiterhin rar: Im vergangenen Jahr haben drei Mal so viele Frauen Elterngeld bezogen wie Männer. Beim Blick auf die Bezugszeiten ist die Lage noch viel eindeutiger.

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          Im vergangenen Jahr haben 1,9 Millionen Frauen und Männer Elterngeld empfangen. Das sind zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mit. Ein Blick in die Zahlen offenbart allerdings eine klare Rollenverteilung: Insgesamt erhielten 1,41 Millionen Frauen Elterngeld, aber nur 456.000 Männer. Auf diesem niedrigen Niveau stieg die Zahl der männlichen Bezieher mit plus 5,3 Prozent jedoch deutlich stärker als die Zahl der weiblichen (plus 0,9).

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Besonders auffällig ist, dass Mütter auch deutlich länger Elterngeld beziehen als Väter. Frauen beantragen das herkömmliche, sogenannte Basiselterngeld für durchschnittlich 11,7 Monate. Männer hingegen bleiben im Durchschnitt gerade mal 2,9 Monate zu Hause. Das ist nur etwas mehr als gesetzlich nötig: Sofern ein Paar insgesamt 14 Monate Elterngeld beziehen will, muss ein Partner mindestens zwei Monate zu Hause bleiben. Eine kürzere Dauer ist nicht möglich, sonst erhält das Paar höchstens zwölf Monate Geld.

          Neu sind all diese Erkenntnis nicht. Seit der Einführung des Elterngelds im Januar 2007 wird deutlich, dass Frauen sehr viel häufiger für den Nachwuchs zu Hause bleiben. Allerdings holen die Männer Jahr um Jahr auf, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus.

          Manches Rollenklischee ist noch immer Realität

          Die Gründe hierfür sind seit mehr als zehn Jahren ebenfalls unverändert. Viele Männer verdienen im Jahr vor der Geburt mehr Geld als ihre Frauen, sodass die finanziellen Verluste höher ausfallen, wenn der Mann zu Hause bleibt. Das Elterngeld beträgt in der Regel 66 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten 12 Monate vor der Geburt des Kindes. Allerdings zahlt der Staat mindestens 300 Euro und maximal 1800 Euro im Monat.

          Unbestritten ist auch das Phänomen, dass einige Männer wenig Lust haben, für ihr Kind zu Hause zu bleiben und einige Frauen ihren Männern nicht zutrauen, sich gut genug um das gemeinsame Baby zu sorgen. Viele Frauen klagen zudem darüber, dass sie sich vor Freunden und Kollegen rechtfertigen müssten, wenn sie schnell wieder einer Erwerbsarbeit nachgingen.

          Aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes geht auch hervor, dass das sogenannte Elterngeld Plus stärker nachgefragt wird. Das Elterngeld Plus fällt in der Regel niedriger aus, wird dafür aber erheblich länger gezahlt; beide Elternteile zusammengenommen können es bis zu 36 Monate lang beziehen. Im vergangenen Jahr entschied sich jede dritte berechtigte Frau dafür, bei den Männern hingegen nur jeder achte.

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