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Beerdigungskosten : Teurer Abschied

  • -Aktualisiert am

Kaum eine Dienstleistung ist so undurchsichtig wie die Beerdigung Bild: dpa

Bestattungen sind teuer, der Markt wenig transparent: Welches Unternehmen hängt schon seine Preisliste ins Schaufenster? Seit 2004 das Sterbegeld der Krankenkassen gestrichen wurde, wächst dennoch das Kostenbewusstsein.

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          Was der Volksmund behauptet, muss man nicht immer ernst nehmen. Ganz falsch ist etwa das Sprichwort, nur der Tod sei umsonst. Tatsächlich ist Sterben inzwischen so teuer geworden, dass man es am liebsten unterlassen möchte.

          Trotzdem kommen die Kosten der letzten Ruhe irgendwann auf jeden zu. Nur ist es vielen Leuten unbequem, sich vorab mit dem Thema zu beschäftigen. Dann ist am Ende die Überraschung groß. Die Gesamtkosten einer Bestattung erreichen ohne große Mühe eine fünfstellige Summe, der Durchschnitt liegt bei 6000 Euro. Wenn der Nachlass nicht reicht und nicht vorgesorgt ist, bleiben die Hinterbliebenen auf der Rechnung sitzen.

          Preisliste nicht im Schaufenster

          Kaum eine Dienstleistung ist so undurchsichtig wie die Beerdigung. Das liegt zum guten Teil daran, dass die Kundschaft unfreiwillig kommt. Trauernde sind in der Regel froh, wenn ihnen jemand beisteht, und gehen zum nächstbesten Bestatter am Ort. Der ist geübt darin, ein Wort des Trostes zu spenden, aber nicht immer gibt es einen Kostenvoranschlag dazu, der alle drei Dutzend Einzelposten aufsplittet, die später auf der Rechnung stehen werden. Man suche mal ein Bestattungsunternehmen, das seine Preisliste im Schaufenster aushängt.

          Auch die einzelnen Positionen haben es in sich. Da kosten zum Beispiel ein paar Fichtenbretter aus Osteuropa mehrere hundert Euro, nur weil sie zum Sarg verleimt sind. Leute aus der Branche sagen offen, wenn auch nicht öffentlich, der Einkaufspreis sei leicht zu überschlagen, man müsse nur den Zehnten des Verkaufspreises nehmen. Aber wer reklamiert schon die Preise von Särgen?

          Zu viele Friedhöfe

          Zum anderen mischen sich um die letzte Ruhe öffentliche und private Leistungen. Oder sie konkurrieren, wie im Fall der rund 160 deutschen Krematorien. Manche haben eine eigene Trauerhalle, gerade so wie manche Bestatter und die Kommunen. Mal ist ein Entgelt mit, mal eine Gebühr ohne Umsatzsteuer fällig. Das öffentliche Angebot ist freilich nicht unbedingt billiger, denn es ist Teil einer Mischkalkulation. Der größte Brocken darin sind die Friedhofsanlagen. Je nach Wohnort kann ein Erdgrab dann knapp 1000 Euro kosten - oder auch das Fünffache. Die Friedhöfe seien bei weitem nicht kostendeckend, lamentieren die Kommunen. Das mag auch daran liegen, welche Kosten verrechnet werden, ist aber jedenfalls eine Folge von Überkapazitäten. Übers ganze Land betrachtet, sind die Friedhofsflächen eine riesige Fehlplanung aus den Sechzigern; die Verwaltungen bleiben auf ihren Gräbern sitzen - und schröpfen dann jene, die noch zu ihnen kommen. Das ist der Grund für die teils drastischen Preiserhöhungen zu Beginn dieses Jahres.

          Die Kosten der letzten Ruhe kommen irgendwann auf jeden zu. Nur ist es vielen Leuten unbequem, sich vorab mit dem Thema zu beschäftigen. Am Ende ist die Überraschung groß

          Erstaunlich, dass es einen Beruf nicht schon länger gibt: einen Makler, der nichts weiter macht, als die billigste Wunschbestattung zu vermitteln. Der kann auch gleich allen, die vorsorgen wollen, einen guten Rat geben, wie man das Geld für seine letzte Ruhe so zurücklegt, dass die Sozialversicherungsträger nicht herankommen - acht von zehn Menschen sterben in einer sozialen Einrichtung.

          Billigbeerdigungen jenseits der Grenze

          Zaghaft noch entwickelt sich mehr Kostenbewusstsein, seit 2004 das Sterbegeld der Krankenkassen gestrichen wurde. Das war folgerichtig, denn der Tod ist keine Krankheit, trifft aber Branchen, die bis dahin der Meinung waren, ihr Geschäft sei krisenfest, weil die Kundschaft niemals ausstürbe. Etwa die Steinmetzen, die sich gefallen lassen müssen, dass es jetzt Portale im Internet gibt, die Preise für Grabmale überschaubar machen. Der Sparwille jener, die für sich oder andere eine Bestattung planen, ist auch bei den Friedhöfen angekommen. Sie leiden unter einer kleinen, aber rasch wachsenden Schar von Anbietern, die eine anonyme Billigbeerdigung jenseits der Grenzen versprechen, alles inklusive für knapp einen Tausender. Und mehr als die Hälfte der Verstorbenen, die hierbleiben, wird inzwischen eingeäschert, vor zwanzig Jahren war es ein Drittel. Eine Urne braucht eben weniger Platz. Deshalb ist ein Urnengrab günstiger, und die Friedhofsflächen sind noch weniger ausgelastet.

          Zum Wandel der Sitten trägt vielleicht auch die Vorstellung bei, das Verbrennen sei irgendwie hygienischer als das Vergraben in der Erde. Außerdem ist die Kremation die Voraussetzung für eine Reihe alternativer Bestattungsformen, die immer mehr in Mode kommen. Eine naturnahe letzte Ruhe unter den Wipfeln großer Bäume ist gefragt, man gibt sich so selbst in den Nährstoffkreislauf zurück. Vor gut einem Jahrzehnt kam der erste Anbieter in Deutschland auf den Markt, jetzt sind es etwa achtzig. Der Klassiker der Sonderformen ist aber die Seebestattung. Den Hinterbliebenen bleibt eine Karte mit einem Kreuz, und sie ersparen sich die Grabpflege. Den Inhalt der Urne aus dem Fesselballon in die Luft zu verstreuen, ist in Deutschland nicht gestattet, wird aber von ausländischen Unternehmen angeboten. Alternativ kann man für ein paar tausend Euro einen Teil der Asche in der Schweiz zum Diamanten pressen lassen, für solche, die den verstorbenen Ehepartner am Ringfinger tragen möchten. Und dann gibt es einige wenige, die sich nicht verbrennen, sondern zu entsetzlichen Kosten in Amerika einfrieren lassen. Wenn sie dereinst auftauen, sind Bestattungen vielleicht billiger.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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