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Bedienzuschlag der Bahn gekippt : Kein Meisterstück

Die Bahn hat ihren geplanten Bedienzuschlag gekippt, die Kritiker jubeln. Zu Recht? Die Mehdorn-Firma ist ein Wirtschaftsunternehmen, das seine Kosten auf die Kunden umlegen muss. Beim nächsten Mal fällt halt die allgemeine Preiserhöhung etwas höher aus.

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          Zwei Wochen lang kämpften Verbraucherschützer und Politiker mit zunehmendem Schwung gegen den geplanten „Bedienzuschlag“ der Deutschen Bahn AG. Und mit Erfolg: Am Freitag teilte die Bahn kurz und bündig mit, sie werde nun doch keinen Zuschlag auf den Fahrkartenverkauf am Schalter erheben. Mehdorns Bedienzuschlag war alles andere als ein Meisterstück.

          Das zeigte sich schon daran, dass nach und nach die Einzelheiten der Extragebühr mitgeteilt wurden. So ließ vor allem der Plan, auf Hin- und Rückfahrt gleich fünf Euro zu erheben, an der betriebswirtschaftlichen Begründung des Zuschlags zweifeln. Auch die Überlegung, ältere Leute mit Bahncard von der Gebühr auszunehmen, machte die Sache nicht überzeugender.

          Schon einmal gescheitert

          Für Bahnchef Mehdorn bedeutet der Rückzug ein zweites (kleines) Tarifsystem-Desaster. Vor einigen Jahren war er mit dem Versuch gescheitert, ein neues Tarif- und Reservierungssystem einzuführen. Damals mussten ein Konzernvorstand und zwei weitere Führungskräfte das Unternehmen verlassen. So weit wird es nun vermutlich nicht kommen, personelle Kontinuität ist wertvoll, schließlich will die Bahn bald an die Börse.

          Mehdorns Kehrtwende kommt dafür wohl noch rechtzeitig. Allerdings ist es zumindest ein Schönheitsfehler, potentiellen Investoren erklären zu müssen, der Bahnvorstand habe zwar eine abermalige Preiserhöhung um 3,9 Prozent durchsetzen können, nicht aber einen Aufschlag, der sich auf Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe summiert hätte.

          Wirklich ein Gewinn?

          Politiker und Verbraucherschützer verbuchen die Rücknahme des Ticketaufschlages jetzt als Erfolg. Haben sie wirklich gewonnen? Die Bahn ist ein Wirtschaftsunternehmen, sie wird deshalb ihre (Mehr-)Kosten auf die Kunden umlegen. Wenn der Bahnvorstand Proteste wegen 2,50 Euro künftig vermeiden will, wird er die allgemeinen Preise künftig noch stärker erhöhen, vielleicht 5,5 Prozent statt 3,9 ankündigen - und vielleicht noch Lob dafür ernten, dass er Internetkunden mit einem Rabatt belohnt.

          Der ganze Fall zeigt: Mit dem Gedanken an eine wirtschaftlich handelnde Bahn haben sich viele noch nicht abgefunden. Für sie bleibt die Deutsche Bahn ein öffentliches Versorgungsunternehmen, auf das die Politik Einfluss nehmen kann und soll. Damit wird die Bahn auch nach dem Börsengang leben müssen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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