https://www.faz.net/-gqe-8a2ey

Bierbranche : Beck’s-Brauerei bringt 100-Milliarden-Fusion auf den Weg

  • Aktualisiert am

Marken des weltgrößten Bierbrauers Anheuser Busch Bild: dpa

Um die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden zu bekommen, muss SAB Miller die Beteiligung an einem britischen Bierbrauer abgeben. Der Beck’s-Brauer muss sich dafür eine Rekordsumme leihen.

          Anheuser-Busch InBev verzichtet für die etwa 100 Milliarden Euro schwere Übernahme des Brauerei-Rivalen SAB Miller auf einen großen Teil des amerikanischen Geschäfts. SAB Millers 58-Prozent-Beteiligung an MillerCoors werde für umgerechnet 11,2 Milliarden Euro an den bisherigen amerikanischen Partner der Briten, Molson Coors, verkauft, teilte AB InBev am Mittwoch mit. Mit dem Schritt will sich der multinationale Branchenprimus mit Hauptquartier in Belgien die Genehmigung der Wettbewerbsbehörden für die viertgrößte Fusion aller Zeiten sichern. Sollte der Zusammenschluss des Herstellers von Bieren wie „Budweiser“, „Stella Artois“ und „Corona“ mit der Nummer zwei über die Bühne gehen, würde nahezu jedes dritte Bier weltweit aus dem Hause des neuen Konzerns kommen. Konkurrenten wie Heineken und Carlsberg wären klar abgeschlagen.

          Die britischen Regulierer hatten AB InBev bis Mittwoch Zeit gegeben, ein verbindliches Angebot für SAB Miller abzugeben. Gemessen am Aktienschlusskurs vom Dienstag und unter Berücksichtigung der Wechselkurse ist dieses nun 98,74 Milliarden Euro wert. Mitte Oktober hatte SAB Miller den wochenlangen Avancen des Rivalen nachgegeben und sich grundsätzlich zu einer Fusion bereiterklärt, nachdem AB Inbev sein Angebot für den Hersteller von „Pilsner Urquell“, „Peroni“ und „Grolsch“ aufgestockt hatte. Am Mittwoch tendierte die SAB Miller-Aktie 2,7 Prozent fester, das AB InBev-Papier kostete 0,7 Prozent mehr.

          Wachstumsmarkt Afrika im Blick

          AB InBev verspricht sich vier Jahre nach dem für die zweite Hälfte 2016 angepeilten Abschluss der Übernahme jährliche Einsparungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Über SAB Miller würden lateinamerikanische Märkte wie Kolumbien und Peru erschlossen - sowie Afrika mit seiner rasant wachsenden Mittelschicht. Gerade dort sehen die Großkonzerne erhebliche Chancen, denn auf ihren traditionellen Heimatmärkten trinken die Kunden zunehmend Biere kleinerer Anbieter. SAB Miller ist bereits in 16 afrikanischen Ländern vertreten. AB InBev ist die Nummer eins in den Vereinigten Staaten, Brasilien und Mexiko. Diese Länder zählen zu den vier Märkten, die derzeit am meisten Gewinn abwerfen.

          Mit dem Verkauf von MillerCoors dürften sich zumindest die amerikanischen Wettbewerbsaufseher zufrieden geben. Experten schließen aber nicht aus, dass der fusionierte Konzern womöglich noch SAB Millers 49-Prozent-Anteil an Chinas größtem Brauer CR Snow abstoßen muss, um auch dort grünes Licht für den Zusammenschluss zu bekommen. AB InBev ist in China mit einem 14-prozentigen Marktanteil bereits stark vertreten.

          Die Volksrepublik zählte lange zu den großen Wachstumsmärkten der Brauer. Doch zumindest für Carlsberg läuft es offenbar im Zuge der Konjunkturabkühlung dort nicht mehr so rund. Der dänische Konzern schrieb etwa eine halbe Milliarde Euro auf sein China-Geschäft ab. Außerdem erwägt er die Schließung einiger seiner mehr als 40 Brauereien in China. Auch das seit längerem schleppende Russland-Geschäft wird umgebaut. Anlegern gefielen die Pläne, die auch den Abbau von 2000 der zuletzt knapp 47.000 Stellen vorsehen. Die Aktie verteuerte sich um sieben Prozent.

          75 Milliarden Dollar vom Anleihemarkt

          Der weltgrößte Bierbrauer leiht sich für die fast 100 Milliarden Euro schwere Übernahme des Rivalen SAB Miller eine Rekordsumme am Anleihemarkt. Mit einem Volumen von 75 Milliarden Dollar sei es der größte gewerbliche Kredit in der Geschichte des Marktes, erklärte die beratende Kanzlei der Geldgeber, Allen & Overy, am Mittwoch. Das Kapital komme von einem Konsortium bestehend unter anderem aus den Banken Banco Santander, Bank of America Merrill Lynch, Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ, Barclays, BNP Paribas und Deutsche Bank. 

          Der Konsortialkredit von AB InBev verdrängt den bisherigen Rekordhalter Verizon Communications, der 2013 eine Anleihe über 61 Milliarden Dollar aufnahm, um den Kauf des verbliebenen 45-Prozent-Anteils an Verizon Wireless zu stemmen, wie aus Reuters-Daten hervorgeht. In einem für so große Übernahmen ungewöhnlichen Schritt habe AB InBev die Anleihe selbst organisiert und die Bankengruppe zusammengestellt, sagten mit der Situation vertraute Personen. Das reduziere die fälligen Gebühren an die Kreditgeber und damit die Kosten, sagte ein Banker.

          Weitere Themen

          „Wohnen ist keine normale Ware“ Video-Seite öffnen

          Mieterbund gegen Profitgier : „Wohnen ist keine normale Ware“

          Auf dem Deutschen Mietertag in Köln hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel skeptisch zu einem Mietendeckel geäußert. Mietervertreter fordern aber, ein solches Instrument zu prüfen – und schicken mahnende Worte hinterher.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.