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„Ich bin fassungslos“ : Arbeitgeber-Chef Kramer attackiert die FDP

Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Bild: AFP

Zunächst hielt sich die deutsche Wirtschaft zurück zu den politischen Entwicklungen in Thüringen. Nun übt ein prominenter Vertreter vernichtende Kritik.

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          Das öffentliche Echo aus der Wirtschaft auf die politischen Entwicklungen in Thüringen ist anfangs zurückhaltend ausgefallen. Doch mittlerweile übt eine erste prominente Stimme vernichtende Kritik am Vorgehen von FDP und CDU in Erfurt, sich mit Hilfe der AfD die Macht zu sichern.

          Heike Göbel
          (hig), Wirtschaft

          Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte der F.A.Z. nun: „Der Rücktritt von Herrn Kemmerich ist ein überfälliger Schritt und eröffnet den notwendigen Weg zu Neuwahlen. Allerdings hätte es soweit gar nicht kommen dürfen.“ Und er ergänzte: „Ich bin fassungslos über die politische Instinktlosigkeit führender Politiker in Thüringen, denen in ihrer Naivität die Wirkungsweise ihres Handelns scheinbar nicht klar war.“

          Kramer, der selbst FDP-Mitglied ist, urteilt harsch, obwohl die FDP nun den Rückzug angetreten hat. „So lange eine rechte Partei ihre Politik auf menschenverachtenden Parolen aufbaut und führende Persönlichkeiten die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland als einen Fliegenschiss der Geschichte verharmlosen oder öffentlich darüber sinnieren, wann unsere Generäle gegen die deutsche Demokratie putschen, kann man mit dieser Partei in keiner Weise eine Zusammenarbeit pflegen.“ Insbesondere könne man darauf keine Machtposition aufbauen oder sich mit deren Hilfe in ein Amt wählen lassen.

          „Mangelnder Kooperationswille“

          Kramer kritisierte aber auch den mangelnden politischen Kooperationswillen: „Dass unter den gewählten Umständen des thüringischen Landtages, deren Politiker inhaltlich nicht in der Lage waren durch gegenseitige Zugeständnisse eine Mehrheitsregierung ohne die AfD auf die Beine zu stellen, zeugt von mangelnden politischen Kooperationswillen.“

          Als Unternehmer sei er „entsetzt über diese mangelnde Reife und den fehlenden politischen Weitblick der agierenden Politiker in Thüringen“. Denn dieses schade „unserem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ansehen in der Welt stärker, als man von Erfurt aus wahrzunehmen scheint“.

          Der aus Bremerhaven stammende Unternehmer Kramer ist seit dem Jahr 2013 Präsident der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und kürzlich im Amt bestätigt worden. Er hatte sich schon nach dem überraschenden Aus der Jamaika-Verhandlungen im Bund sehr enttäuscht über den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner gezeigt.

          Lindners Verhalten sei eine Schande, hatte Kramer danach gesagt. Und damit wohl vielen Unternehmern aus dem Herzen gesprochen, die eine Schwarz-gelb-grüne Koalition im Bund der Fortsetzung der großen Koalition vorgezogen hätten.

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