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Bayerische Landesbank : Der Nachhall der Kirch-Kredite

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Der gesamte Jahresüberschuss des halbstaatlichen Bankkonzerns halbierte sich 2001 wegen gestiegener Kreditrisiken auf 254 Millionen Euro.

          Die Bayerische Landesbank (Bayern LB) hat im vergangenen Jahr herbe Verluste hinnehmen müssen. Das operative Ergebnis brach im Vergleich zum Vorjahr um 527 Millionen Euro ein und rutschte tief in die roten Zahlen. Der gesamte Jahresüberschuss des halbstaatlichen Bankkonzerns halbierte sich 2001 wegen gestiegener Kreditrisiken auf 254 Millionen Euro im Vergleich zu 550 Millionen Euro im Vorjahr.

          BayernLB-Chef Werner Schmidt begründete den Gewinnrückgang mit einer Verdreifachung der Risikovorsorge auf 1,25 Milliarden Euro. Gründe seien ein dramatischer Anstieg der Firmeninsolvenzen auch bei Großunternehmen und die weltweiten konjunkturellen Krisen vor allem nach dem 11. September.

          Risikorückstellungen „reine Vorsichtsmaßnahmen“

          In den deutlich erhöhten Risikorückstellungen, die Schmidts Angaben zufolge auch im laufenden Jahr ähnlich hoch ausfallen sollen, seien auch die Bayern-LB-Kredite für die Kirch-Gruppe berücksichtigt: „Die Bank hat für ihr Kirch-Engagement Vorsorge getroffen“, erklärte der Bankchef. Schmidt betonte zugleich, dass es sich dabei nicht um zu erwartende Ausfälle, sondern um reine Vorsichtsmaßnahmen handle.

          Im Falle der Kirch-Gruppe, zu deren Hauptkreditgebern das halbstaatliche Geldinstitut zählt, gebe es zudem „aus heutiger Sicht keinen zusätzlichen Risikovorsorge-Bedarf“, fügte Schmidt hinzu. Für den Verkauf von Kirchs Formel-1-Beteiligung zeichne sich eine sinnvolle Lösung ab, sagte Schmidt weiter. Für die insolvente Kirch-Media bestehe jedoch bei einer Zerschlagung die Gefahr, dass die Gläubiger am Ende weniger bekämen als bei einer zeitaufwändigeren Sanierung des zahlungsunfähigen Konzerns.

          Die Bayern LB konnte ihre Konzernbilanzsumme im Jahr 2001 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 326 Milliarden Euro steigern. Das Betriebsergebnis kletterte vor allem durch das Auslandsgeschäft um 22 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, wurde aber durch die Rückstellungen zur Risikovorsorge weitgehend aufgezehrt. Nach Risikovorsorge und Bewertungsergebnis blieben 184 Millionen Euro. Dadurch stürzte die Eigenkapitalrendite von 15,5 Prozent im Vorjahr auf nur noch vier Prozent ab. „Es gibt viele Banken, die eine solche Risikovorsorge nicht verkraftet hätten“, sagte Schmidt.

          Auslandsbeteiligungen verkaufen und Kosten senken

          Künftig wolle die Bank mit strengeren Vergabekriterien ihre Kreditrisiken minimieren. Ein Kostensenkungsprogramm und eine stärkere Konzentration auf lukrative Geschäftsfelder sollen die Ertragskraft der Bank wieder stärken und in den kommenden Jahren für eine Eigenkapitalrendite zwischen 15 und 20 Prozent sorgen, kündigte Schmidt an. Dazu gehöre auch die Trennung von zu wenig rentablen Beteiligungen im Ausland. Von den Auslandsbeteiligungen ständen derzeit keine zur Disposition und es gebe auch keine Verkaufsverhandlungen, denn alle Auslandsbeteiligungen arbeiteten zurzeit profitabel nach Risikovorsorge. „Wir gehen davon aus, dass das Jahr 2002 schon wieder deutlich besser sein wird“, betonte der Bankchef.

          Mit 1,9 Milliarden Euro ist das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut der größte Gläubiger der Kirch-Gruppe. Eigentümer der Bayerischen Landesbank sind zu je 50 Prozent der Freistaat Bayern und der Sparkassenverband Bayern.

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