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Klagewelle in Amerika : Bayer nähert sich Glyphosat-Einigung

Der Kauf von Monsanto hat Bayer unter Druck gebracht. Bild: AP

Angeblich steht ein Vergleich mit einem Volumen von rund 10 Milliarden Dollar bevor. Dies sei „lächerlich“, sagt der Staranwalt und Vermittler im Glyphosat-Streit, Kenneth Feinberg. Die Gespräche zwischen Bayer und den Klägeranwälten dauerten an.

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          Kenneth Feinberg gibt sich noch bedeckt. Der Washingtoner Staranwalt, der als Mediator in den Rechtsstreitigkeiten um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat fungiert, sagte am Wochenende zur F.A.Z., es sei „verfrüht“, von einer Einigung zwischen Bayer und Klägeranwälten zu sprechen, und bezeichnete einen entsprechenden Bericht des „Wall Street Journal“ als „lächerlich“. Die Gespräche dauerten noch an. Allerdings deutete er auch an, dass die beiden Parteien sich näherkommen und fügte hinzu, er könne in zehn Tagen womöglich mehr sagen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die amerikanische Zeitung hatte berichtet, Bayer habe mit einem halben Dutzend Anwaltskanzleien, die mehrere Zehntausend Kläger repräsentierten, vorläufige Konditionen für eine Einigung ausgehandelt. Das Abkommen könnte in den kommenden Wochen endgültig festgezurrt werden und soll sich vermutlich in einer Größenordnung von rund 10 Milliarden Dollar bewegen.

          Das wäre keine Überraschung, ähnliche Zahlen sind in den vergangenen Monaten schon kursiert und wurden auch von Analysten in den Raum gestellt. Bayer ließ lediglich verlauten, sich weiter in Gesprächen zu befinden und etwaige Spekulationen über Fortschritte nicht kommentieren zu können.

          Hohe Schadenersatzforderungen stehen im Raum

          Bayer sieht sich nach letzten Angaben in den Vereinigten Staaten insgesamt 48.600 Klagen wegen Glyphosat gegenüber. Das Mittel gehört dem Konzern seit der Übernahme des amerikanischen Wettbewerbers Monsanto im Jahr 2018. Die Kläger machen es für Krebserkrankungen verantwortlich. In bislang drei Fällen kam es zu Gerichtsverhandlungen, und Bayer hat sie allesamt verloren, was den Druck auf den Konzern erhöht hat, eine außergerichtliche Einigung anzustreben.

          In einem Prozess wurden den Klägern zunächst sogar zwei Milliarden Dollar zugesprochen. Die Summe wurde zwar mittlerweile ebenso wie auch in den anderen beiden bisherigen Fällen erheblich nach unten korrigiert, trotzdem steht allein aus den ersten drei Verfahren noch immer ein kombinierter Schadenersatz von 191 Millionen Dollar im Raum. Bayer versucht, in Berufungsverfahren gegen die Urteile zu kämpfen.

          Umdenken in Chefetage

          Bayer-Vorstandschef Werner Baumann hat sich zunächst lange gegen Vergleiche gesträubt, ist aber offenbar zu der Erkenntnis gekommen, dass der Konzern die juristischen Auseinandersetzungen nicht ohne die Zahlung einer größeren Summe aus der Welt schaffen kann. Und ein Vergleich in Höhe von 10 Milliarden Dollar würde wohl an den Finanzmärkten als erträglich gewertet. Manche Analysten meinen, Bayer wolle bis zur Hauptversammlung Ende April zu einer Einigung kommen, wobei Baumann bestritten hat, dass er sich eine solche Frist gesetzt habe. „Wenn wir uns einem Diktat der Frist unterwerfen, würden wir nicht das beste Ergebnis für unser Unternehmen und die Aktionäre erreichen.“

          Kenneth Feinberg wurde im vergangenen Mai von einem Richter in San Francisco, bei dem eine Reihe von Glyphosat-Klagen anhängig sind, als Schlichter bestellt. Er bemüht sich seither, einen Vergleich zu finden, der möglichst alle Klagen abdeckt. Dies ist auch im Interesse des Bayer-Konzerns, der hofft, zu einer umfassenden Einigung zu kommen, mit der die Rechtsstreitigkeiten abgehakt werden können. Ob das möglich ist, muss sich noch zeigen. In dem Zeitungsbericht ist die Rede davon, dass einige Anwaltskanzleien mit den bisherigen Konditionen unzufrieden seien und monierten, dass darin die führenden Kanzleien bevorzugt würden.

          Unter den sechs Kanzleien, mit denen Bayer sich dem Bericht zufolge einer Einigung nähert, sind diejenigen, die mit ihren Klägern in den ersten drei Prozessen gewonnen haben. Der bislang letzte Prozess endete schon im Mai vergangenen Jahres. Seither waren zwar noch eine Reihe anderer Gerichtsverfahren angesetzt, die dann aber wegen der im Hintergrund laufenden Vergleichsgespräche allesamt verschoben worden sind.

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