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Bauwirtschaft : Für Holzmann schlägt die Stunde der Wahrheit

  • Aktualisiert am

Holzmann vor dem Aus? Bild:

Das Rettungskonzept für Holzmann kann die Banken nicht überzeugen. Der Baukonzern steht kurz vor der Pleite.

          Die Zeichen für eine Rettung des angeschlagenen Holzmann-Konzerns stehen schlecht: Die Gläubigerbanken konnten sich bis zur gesetzten Frist am Mittwochmittag nicht auf einen Sanierungsplan einigen. Neben der Dresdner und der Commerzbank lehnt offenbar auch die HypoVereinsbank (HVB) das von der Deutschen Bank erarbeitete Rettungskonzept für den Baukonzern Philipp Holzmann weiter ab. Damit deutet vieles auf eine Insolvenz des Baukonzerns.

          „Unser Vorstand hat das Sanierungskonzept für Holzmann abgelehnt", sagte ein Commerzbank-Sprecher. Der Plan sei nicht tragfähig. Darüber habe man am Mittwoch auch die Deutsche Bank als Großaktionär und Hauptgläubiger von Holzmann informiert. Ähnlich hatte sich bereits die Dresdner Bank geäußert. Aus Bankenkreisen hieß es, auch die HVB lehne den Plan ab. Ein Sprecher der Bank wollte dazu offiziell keinen Kommentar abgeben.

          Investoren verzichten auf Forderungen

          Internationale Investmenthäuser haben dem Baukonzern angeboten, auf Forderungen in Höhe von 100 Millionen Euro zu verzichten. Dies würde die Eigenkapitalbasis des überschuldeten Konzerns verbessern und damit zusätzlichen finanziellen Spielraum liefern, hieß es. Insgesamt sollen die Investoren den Kreisen zufolge bereit sein, auf Forderungen im Volumen von rund 100 Millionen Euro zu verzichten oder diese in Holzmann-Aktien zu tauschen.

          An diesem Mittwoch läuft die Frist ab, die drohende Überschuldung des zweitgrößten deutschen Baukonzerns mit 23.000 Beschäftigten noch abzuwenden. Im Verlaufe des Tages müssen die Kreditinstitute erklären, ob sie dem vorliegenden - und erweiterten - Sanierungsplan zustimmen. Nur ein zusätzliches Rettungspaket der 17 Gläubigerbanken kann verhindern, dass der Holzmann-Vorstand am Amtsgericht ein Insolvenzverfahren beantragen muss. Holzmann hat die Ablehnung einiger Banken zunächst nicht kommentieren wollen. Derzeit werde dazu keine Stellungnahme abgegeben, sagte ein Holzmann-Sprecher. Die Holzmann-Aktie verlor bis zum frühen Nachmittag um knapp 28 Prozent auf 4,61 Euro.

          Deutsche Bank macht Zugeständnisse

          Die Deutsche Bank als größter Aktionär der Philipp Holzmann AG und wichtigster Kreditgeber soll in den vergangenen Tagen noch einmal „erhebliche Zugeständnisse“ gemacht haben. Dies verlautete aus dem Kreis der Geldhäuser, die das von der Deutschen Bank befürwortete Rettungskonzept unterstützen. Die Deutsche Bank, bestätigte zudem, dass sie in die Bemühungen um einen Beitrag der Anleihegläubiger involviert sei.

          Auslöser der jüngsten Holzmann-Krise sind unerwartet hohe Verluste im Jahr 2001 von rund 240 Millionen Euro, die am Eigenkapital der Firma zehren. Um eine Insolvenz zu vermeiden, benötigt der Konzern dringend Kapital. Nach dem bisherigen Konzept sollen die Banken für 86 Millionen Euro den Holzmann-Gebäudedienstleister HSG übernehmen und auf Forderungen im Volumen von 114 Millionen Euro verzichten. Zudem ist eine Übertragung der Immobilien für rund 500 Millionen Euro an die Banken vorgesehen.

          Holzmann war wegen eines Milliardenlochs schon im Herbst 1999 in eine bedrohliche Schieflage geraten. Das Unternehmen konnte damals nur auf Vermittlung von Bundeskanzler Gerhard Schröder über ein Sanierungspaket von Gläubigerbanken, Bundesregierung, Konzernleitung und Arbeitnehmern gerettet werden.

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