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Baustoffe : Zementkartell im Visier der Wettbewerbshüter

  • Aktualisiert am

Weitere Untersuchungen in der Pipeline Bild: dpa

Das Bundeskartellamt ermittelt gegen fast die gesamte deutsche Zementbranche wegen des Verdachts auf illegale Preisabsprachen.

          2 Min.

          Das Bundeskartellamt hegt gegen die nahezu gesamte deutsche Zementbranche den Verdacht von illegalen Preis- und Quotenabsprachen und hat deshalb vergangene Woche rund 30 Unternehmen in Deutschland durchsuchen lassen.

          Es bestehe der Verdacht, dass die Zementhersteller über Jahre hinweg die Preise abgesprochen und sich über festgelegte Absatzquoten den Markt praktisch aufgeteilt hätten, teilte die Wettbewerbsbehörde am Montag in Bonn mit. In Branchenkreisen hieß es, zum Kreis der durchsuchten Unternehmen gehörten „fast alle großen Zementhersteller". Die drei wichtigsten Produzenten in Deutschland, Dyckerhoff, HeidelbergCement und Readymix bestätigten, dass sie am Donnerstag von den Kartellwächtern durchsucht worden seien, wiesen die Vorwürfe aber zurück.

          Ein Sprecher der Behörde wollte auf Anfrage keine Details zu den Durchsuchungen nennen. Ob erneut die neue Kronzeugenregelung die Behörde auf die Spur geführt habe, wollte er ebenfalls nicht kommentieren. Vor knapp zwei Wochen hatte das Amt zum ersten Mal auf Grund von Hinweisen aus Unternehmen ein Preiskartell in der Papiergroßhandelsbranche aufgedeckt.

          Oligopol dominiert Zementmarkt

          In einem Quotenkartell sprechen die Beteiligten in der Regel vorab Produktionsmengen und Absatzregionen ab und kontrollieren auf diese Weise den Preis. Rund 30 Unternehmen in Deutschland produzieren Zement, größter Hersteller ist die Dyckerhoff AG, gefolgt von HeidelbergCement.

          Ein Sprecher von HeidelbergCement äußerte sich zurückhaltend: „Wir können uns nicht vorstellen, dass da etwas dran ist, und fühlen uns schuldlos", sagte er. Die Zentrale in Heidelberg und das Zementwerk im benachbarten Leimen seien durchsucht worden. Die Fahnder hätten bei dem Besuch auch Unterlagen mitgenommen. Die Wiesbadener Dyckerhoff AG hat nach Angaben eines Sprechers einen Anwalt eingeschaltet. „Wir sehen der Sache gelassen entgegen", sagte er.

          Präzedenzfall: Transportbetonkartell

          Die Baustoffbranche war vor fast drei Jahren schon einmal von einem Kartellverfahren betroffen. In dem bis dahin größten Verfahren seiner Geschichte hatte das Kartellamt im November 1999 ein Transportbeton-Kartell aufgedeckt und gegen fünfzig Unternehmen Bußgelder von mehr als 153 Millionen Euro verhängt.

          Die Ratinger Readymix, die deutsche Tochter des britischen Baustoffkonzerns RMC hatte damals allein nahezu ein Drittel der Buße zahlen müssen. Am Donnerstag hätten fünf Mitarbeiter des Kartellamts Büros in Ratingen durchsucht, sagte eine Sprecherin. Sie bestritt die Vorwürfe: „Seit dieser Strafe haben wir uns an derartigen Absprachen nicht mehr beteiligt", sagte sie. Auch bei Dyckerhoff hieß es, die Mitarbeiter seien nach dem Verfahren vor drei Jahren dafür geschult worden, sich nicht an Kartellen zu beteiligen. Wie HeidelbergCement war Dyckerhoff von dem Fall nach eigenen Angaben nur über Tochterfirmen und Beteiligungen betroffen.

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