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Baustoffe : Kartellamt verhängt 660 Millionen Euro Bußgeld gegen Zementkartell

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Bundeskartellamt hat gegen die sechs führenden Unternehmen der deutschen Zementindustrie Bußgelder von insgesamt 660 Millionen Euro verhängt. Heidelberg-Cement kündigte Einspruch an.

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          Das Bundeskartellamt hat gegen die sechs führenden Unternehmen der deutschen Zementindustrie Bußgelder von insgesamt 660 Millionen Euro verhängt. Dies sei insgesamt das höchste Bußgeld in der Geschichte des Kartellamtes, sagte der Präsident der Behörde, Ulf Böge, am Montag in Bonn.

          Das höchste Bußgeld verhängte die Behörde gegen die Heidelberg-Cement AG, der nach den Worten von Böge eine „Führungsrolle“ im Kartell zukommt. Heidelberg-Cement muss 251,5 Millionen Euro zahlen.

          Hinzu kommen Bußgelder von 142 Millionen Euro gegen die Schwenk Zement KG, von 95 Millionen Euro gegen die Dyckerhoff AG, 86 Millionen Euro gegen die Lafarge Zement GmbH, 74 Millionen Euro gegen die Alsen AG und 12 Millionen Euro gegen die Readymix AG. Böge bezeichnete die Bußgelder als „moderat“, weil einige Unternehmen kooperiert hätten. Die Unternehmen können innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen.

          Ulf Böge: Moderates Bußgeld
          Ulf Böge: Moderates Bußgeld : Bild: dpa/dpaweb

          Heidelberg-Cement wies den Vorwurf des Bundeskartellamts auf Preismanipulationen erneut zurück und kündigte schon an, es werde Einspruch einlegen. Auch Schwenk und Lafarge kündigten den Gang vor das Oberlandesgericht in Düsseldorf an. Dagegen akzeptierte Readymix das Bußgeld und betonte, der neue Vorstand habe zum Jahreswechsel 2001/2002 eine „bedingungslose Abkehr von Absprachen mit Konkurrenten verordnet“.

          Der Bundesverband der Deutschen Zementindustrie (BDZ) kritisierte das verhängte Strafmaß für die Unternehmen. „Was die Höhe angeht, schießt das Bundeskartellamt sicherlich über das Ziel hinaus", sagte Hauptgeschäftsführer Michael Weißenborn. „Das kann für viele eine ganz gravierende, existenzgefährdende Frage sein", fügte er auch mit Blick auf laufende Kartellamts-Untersuchungen an.

          Böge hatte gesagt, dass das Kartellamt weiter gegen mehrere mittelständische Unternehmen ermittele.

          Baugewerbe hofft nun auf niedrigere Preise

          Das darbende Baugewerbe hofft nun auf niedrigere Preise für Bauherren. „Wir hoffen, dass sich jetzt ein richtiger Markt herausbildet“, sagte die Sprecherin des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), Ilona Klein, in Berlin. Die Preisabsprachen der Zementhersteller hätten letztlich immer dem Auftraggeber von Bauprojekten geschadet. „Die Zeche zahlt der Kunde“, sagt Klein.

          Die Anbieter hatten laut Kartellamts zum Teil seit den 70er Jahren wettbewerbswidrige Gebiets- und Quotenabsprachen getroffen und bis zum Jahr 2002 fortgesetzt. Räumlich betroffen waren die Märkte in Ostdeutschland, Westfalen, Norddeutschland und Süddeutschland. Durch die Absprachen sei der „Wettbewerb auf diesem Markt nahezu vollständig ausgeschlossen“ worden, sagte Böge. „Die Preise konnten auf ein Niveau angehoben werden, das unter Wettbewerbsbedingungen nicht zu erreichen gewesen wäre.“ Damit seien Abnehmer von Zement und Verbraucher „massiv geschädigt worden“.

          Die bisher höchste Gesamtgeldbuße von rund 180 Millionen Euro hatte die Behörde Anfang des Jahrzehnts gegen Transportbetonhersteller verhängt.

          Heidelberg-Cement legt Widerspruch ein

          Der Baustoffhersteller Heidelberg-Cement erklärte: „Die Gesellschaft bestreitet den wesentlichen Teil der Vorwürfe sowie jeglichen Mehrerlös und wird umgehend Einspruch einlegen.“ Das Unternehmen bezeichnete das Bußgeld als „absurd hoch“. Offenkundig habe das Bundeskartellamt die Darlegungen des Unternehmens nicht gewürdigt und sei stattdessen seiner vorgefassten Meinung gefolgt, heißt es.

          Heidelberg-Cement hat für die Kartellamtsstrafe wie andere betroffenen Konzerne auch eine Rückstellung gebildet, deren genaue Höhe das Unternehmen bisher aber nicht nennt. Es sei „angemessene Risikovorsorge“ getroffen worden, heißt es. Der Aktienkurs des Unternehmens gab nach der Bekanntgabe der Strafhöhe bei geringen Umätzen zunächst mehr als zwei Prozent nach, pendelte sich dann bei einem Minus von 1,2 Prozent ein.

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