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Bausparkasse : Wüstenrot verärgert über Bordellbesuch bei Firmenreise

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Vergnügen unterm Zuckerhut: Hier sollen Wüstenrot-Mitarbeiter auf einer Belohnungsreise auf eigene Faust Kontakt mit Prostituierten aufgenommen haben Bild: AFP

Bei einer 200.000 Euro teuren Belohnungsreise für Mitarbeiter nach Brasilien soll ein Teil der Gruppe im Bordell gelandet sein. Die Bausparkasse fürchtet jetzt um ihren Ruf. Das Unternehmen beteuert, dass der Abschluss des Abends im Bordell kein Teil des Programm gewesen sei.

          Nach Ausschweifungen einiger Vertriebsmitarbeiter während einer Dienstreise nach Brasilien will die Wüstenrot Bausparkasse AG Konsequenzen ziehen. Hintergrund ist eine 200 000 Euro teure Belohnungsreise, die Ende April 2010 nach Rio de Janeiro führte. Einige Teilnehmer der insgesamt 51 Mitarbeiter zählenden Reisegruppe sollen dort auf eigene Faust in einer angeblich als Prostituiertenvermittlung bekannten Bar gelandet sein. Die zum Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W & W) gehörende zweitgrößte deutsche Bausparkasse bestätigte in Stuttgart einen entsprechenden Bericht aus dem „Handelsblatt“. Reiseteilnehmer berichteten dem Blatt zufolge, dass die Polizei einen Direktor nachts am Strand mit einer Prostituierten erwischt habe.

          Das Unternehmen verwies hingegen darauf, dass der Abschluss des Abends im Bordell weder offiziell noch inoffiziell ein Teil des Reiseprogramms gewesen sei. Eine Überprüfung der Reisekasse und Unternehmenskreditkarten habe zudem ergeben, dass dafür kein Geld des Konzerns geflossen sei. Bausparkassen-Vorstand Bernd Hertweck sagte: „Eindeutige Ausschweifungen verstoßen selbstverständlich gegen unsere Verhaltensrichtlinien.“ In diesen Fällen würden, wenn es angemessen und rechtlich möglich sei, personelle Konsequenzen gezogen. Zumindest würden aber disziplinarische Maßnahmen ergriffen. Einige der Beteiligten sind dem Vernehmen nach inzwischen aus dem Unternehmen ausgeschieden.

          Die Bausparkasse hatte dem Zeitungsbericht zufolge rund 50 freie Handelsvertreter wegen guter Leistungen zu einer knapp einwöchigen Reise nach Rio de Janeiro eingeladen. Im Anschluss an eine von Wüstenrot organisierte Bustour durch die brasilianische Großstadt seien bis zu zwei Dutzend Teilnehmer auf eigene Faust in einer Bar abgestiegen und hätten dort mit Prostituierten Kontakt aufgenommen, hieß es in Unternehmenskreisen unter Verweis auf eidesstattliche Versicherungen, die von gut 40 Teilnehmern der Reise vorlägen. Nicht alle Reiseteilnehmer hätten sich an der Aufklärung der Details beteiligt.

          Wüstenrot ist die älteste Bausparkasse Deutschlands. Sie wurde 1921 in dem gleichnamigen Ort im Landkreis Heilbronn von Georg Kropp gegründet. Er legte schon damals hohe moralische Maßstäbe an. Auf der Internetseite des Bausparmuseums in Wüstenrot heißt es, Kropp habe als Abstinenzler dem Guttempler-Orden nahegestanden. Das Unternehmen verweist nun auf interne Verhaltensrichtlinien. Die Angelegenheit werde ernstgenommen. Auch in der Freizeit sollten Mitarbeiter keine Aktivitäten unternehmen, die für das Unternehmen „unvorteilhaft“ sein oder der Reputation schaden könnten.

          Erst vor wenigen Monaten hatte der Versicherer Ergo wegen zweifelhafter Vergnügungen von Mitarbeitern für Schlagzeilen gesorgt. Daraufhin hatte das Unternehmen einen Verhaltenskodex für selbständige Vertreter erlassen. Im Sommer hatte W & W noch mitgeteilt, vergleichbare Vorfälle habe es im eigenen Haus nicht gegeben. Nun kündigt der Konzern an, das Belohnungssystem für Vertriebsmitarbeiter zu verändern. Ab 2012 sollen die in der Branche üblichen Belohnungsreisen nur noch in Deutschland stattfinden und nicht mehr ins Ausland führen, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag.

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