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Baukonzern : Berger verschwindet, Bilfinger bleibt

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Julius Berger (1862-1943): Der Gründer der Julius Berger Tiefbau AG wurde von den Nazis ermordet Bild: Bildarchiv Pisarek / akg-images

Roland Koch verordnet dem Baukonzern Bilfinger Berger einen neuen Namen. Mit Julius Berger verschwindet ein Traditionsname aus der deutschen Firmengeschichte.

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          Bisher firmierte ein großer Mannheimer Dienstleistungskonzern unter der Marke Bilfinger Berger. Doch jetzt muss jede Visitenkarte, jedes Baustellenschild und jeder Kugelschreiber neu gestaltet werden: Vorstandschef Roland Koch verkürzt den Namen auf Bilfinger. „Es ist der Kernname für das vernetzte Angebot, das wir machen“, sagt er. Mehr als 60 Unternehmen aus aller Welt hat man schließlich mit den Jahren übernommen. Sie mit dem Doppelnamen zu bezeichnen sei nicht mehr zeitgemäß.

          Dabei erinnerte der Name Berger an die frühesten Wurzeln des Konzerns, der 1975 durch die Fusion zweier Gesellschaften entstand: der Grün & Bilfinger AG mit der Julius Berger Tiefbau AG. Diesen Schritt hat der Namensgeber Julius Berger aber nicht mehr erlebt: 1943 wurde der jüdische Bauunternehmer im Konzentrationslager Theresienstadt von den Nazis ermordet. Er war 80 Jahre alt.

          Berger wurde im Zuge der Arisierung zum Rücktritt gezwungen

          Mit seinem Namen verschwindet nun also auch ein Teil deutsch-jüdischer Unternehmensgeschichte. Berger war ein Aufsteiger, vom „Selfmademan“ ist in einer Unternehmensfestschrift des Baukonzerns die Rede: Der Sohn eines Fuhrmanns im westpreußischen Zempelburg übernahm Ende des 19. Jahrhunderts das väterliche Geschäft, um es ganz neu aufzustellen. Erst transportierte er Steine und Kies für Straßenbauten - um später selbst als Bauunternehmer tätig zu werden: Berger schuf Eisenbahnlinien in Ost- und Westpreußen, Posen und Pommern. 1905 formte er die Julius Berger Tiefbau AG, die erst im Berliner Raum, später auch im Ausland baute, zum Beispiel den Hauenstein-Basistunnel in der Schweiz. 1933 wurde Berger im Zuge der Arisierung seiner Firma zum Rücktritt vom Vorstandsvorsitz gezwungen. Seine Kinder und Enkel wanderten nach Argentinien aus, doch er und seine Frau Flora blieben in Deutschland. Sie wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

          Die Julius Berger Tiefbau AG überdauerte den Krieg und beteiligte sich danach an spektakulären Auslandsprojekten wie der Eko Bridge im nigerianischen Lagos. Bis heute ist Bilfinger in dem westafrikanischen Land aktiv. Aber nicht mehr lange: Koch will sich aus dem risikoreichen Nigeria-Geschäft zurückziehen.

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