https://www.faz.net/-gqe-9hszx

Budget wird 2019 wohl knapp : Eltern stürzen sich auf Baukindergeld

  • Aktualisiert am

Das Baukindergeld fördert die Eltern, wenn sie kaufen, nicht die Störche, wenn sie liefern. Bild: dpa

In drei Monaten haben fast 50.000 Familien Baukindergeld beantragt. Für deren 82.865 Kinder könnte bis zu eine Milliarde Euro fällig werden. Werden 2019 ähnlich viele Anträge gestellt, dürfte das Geld knapp werden.

          Drei Monate nach der Einführung des Baukindergelds haben 47.741 Familien in Deutschland die Leistung beantragt, die sie beim Erwerb von Wohneigentum unterstützen soll. Das geht aus Zahlen der für die Förderanträge zuständigen KFW-Bankengruppe und des Bundesbauministerium hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegen. Mit 10.728 kamen die meisten Anträge bisher aus Nordrhein-Westfalen, gefolgt von 6407 in Baden-Württemberg und 6039 Niedersachsen. Derzeit werden jede Woche rund 3000 Anträge gestellt, hieß es.

          Das Baukindergeld, das der früheren Eigenheimzulage ähnelt, kann seit dem 18. September beantragt werden. Jedes Jahr gibt es ein Fördervolumen von rund drei Milliarden Euro – es ist eines der größten neuen Projekte der großen Koalition aus Union und SPD, um angesichts steigender Immobilienpreise Familien zu helfen, eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus zu kaufen. Trotz der großen Nachfrage gehe man davon aus, dass das Fördervolumen reichen werde, hieß es.

          Geld könnte knapp werden

          Insgesamt bekommen bisher 82.865 Kinder mithilfe des Baukindergelds ein neues Zuhause. Die meisten Familien, die einen Antrag gestellt haben, haben ein oder zwei Kinder. Die wenigsten Anträge wurden mit 419 in Bremen gestellt. Auch in den anderen Stadtstaaten Hamburg und Berlin wurden mit 480 und 725 wenige Anträge gestellt. Auch im Saarland ist das Interesse mit 736 Anträgen gering ausgeprägt.

          Sollten in den kommenden Monaten ähnlich viele Anträge gestellt werden wie zurzeit, könnte es im kommenden Jahr knapp werden. Das Geld wird nach dem „Windhund-Verfahren“ verteilt: Wenn die jährlichen Mittel aufgebraucht sind, sind sie aufgebraucht. Der Bund schießt nicht nach.

          1200 Euro je Kind und Jahr

          Für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Immobilie erhalten Familien einen staatlichen Zuschuss von 1200 Euro je Kind und Jahr – über die Förderdauer von zehn Jahren gibt es also 12.000 Euro für jedes Kind. Für die 82.865 Kinder könnten also über diese zehn Jahre bis zu eine Milliarde Euro fällig werden.

          Gewährt wird das Baukindergeld Familien und Alleinerziehenden bis zu einer Grenze von 90.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen im Jahr bei einem Kind. Bei größeren Familien darf die Grenze je Kind 15.000 Euro höher liegen.

          Einen Antrag können alle Eltern oder Alleinerziehenden stellen, die seit Januar 2018 einen Kaufvertrag unterzeichnet oder eine Baugenehmigung erhalten haben. Wer in diesem Jahr bis Ende September in ein eigenes Zuhause eingezogen ist, muss seinen Antrag bis Ende Dezember stellen, um den Zuschuss zu bekommen. Letztmalig beantragt werden kann die Förderung, wenn Ende 2020 eine Baugenehmigung erteilt oder ein Kaufvertrag unterschrieben wird.

          Auszahlung startet erst im März 2019 richtig

          Der Förderzeitraum beträgt also drei Jahre. Die Anträge können bei der KfW spätestens drei Monate nach Einzug in die Immobilie online über das KfW-Zuschussportal gestellt werden. Wegen des technischen Aufbaus des Programms und des erst dann möglichen Hochladens von Dokumenten wie Einkommensteuerbescheiden, Meldebescheinigung und Grundbuchauszug, soll die Auszahlung erst ab März 2019 so richtig starten.

          Bundesbauminister Horst Seehofer (CDU) sagte, das Projekt senke die Finanzierungsbelastung und ermögliche vielen Familien den Schritt in das Wohneigentum. „Auch als Absicherung im Alter.“ Ingrid Hengster, Vorstandsmitglied der KfW-Bankengruppen meinte, die hohe Nachfrage zeige, das Zuschussprogramm treffe „den Nerv der Zeit“.

          Die SPD sieht das Projekt eher kritisch, da viele gut verdienende Familien, die ohnehin kaufen wollen, auf Kosten aller Steuerzahler eine Subvention erhalten. Die Union argumentiert, wenn Familien mit Hilfe des Baukindergelds verstärkt von Mietwohnungen in ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung ziehen, würden die Mietwohnungen für andere frei. Zudem werde damit die Altersvorsorge gestärkt. Die Grünen prophezeien hingegen, dies werde die Immobilienpreise weiter anheizen. Die FDP fordert, statt der Subvention die staatlichen Kaufnebenkosten zu senken – durch einen Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer. Denn diese Ländersteuer frisst beim Kauf oft das ganze Baukindergeld wieder auf.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Iran-Konflikt : Amerika schickt weitere Soldaten in den Nahen Osten

          Die Spannungen zwischen Iran und Amerika nehmen zu. Zwar betont man in Washington, man suche nicht die Konfrontation mit Teheran – dennoch verstärkt Amerika seine Truppen im Nahen Osten. Eine Ankündigung des Irans verschärft die Lage weiter.
          Ehemaliger Lebensmittelladen in Loitz: Der Solidaritätszuschlag dient in erster Linie zur Finanzierung der Kosten, die die deutsche Wiedervereinigung verursacht hat. (Archiv)

          Wortbruch der Union : Soli-Schmerzen

          Dass ein Teil des Soli bleibt, dürfte für die Betroffenen finanziell zu verschmerzen sein. Nicht aber der Wortbruch der Union – und das bittere Gefühl, dass ihr Sondereinsatz für das Land nicht einmal wertgeschätzt wird.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.