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Agrarchemie : BASF will Sonnenblumen mit Gift und Resistenz schützen

Bild: dpa

Der Chemiekonzern BASF will die wichtige Kulturpflanze mit einem Unkraut-Gift und resistenten Samen schützen. Ein ähnliches Rezept hat beim Raps allerdings für Unmut der Bauern gesorgt.

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          Am Mittwoch machte BASF eine interessante Mitteilung: „Sonnenblumen sind ein wichtiger und schnell wachsender Sektor in der Landwirtschaft, insbesondere in Europa, dem mit 1,3 Milliarden Euro größten Sonnenblumenmarkt der Welt.“ Mit diesen Worten kündigte der Chemiekonzern seinen Eintritt in den Markt an. Wobei der Konzern unter „Markt“ zweierlei versteht: Saatgut plus die dazu gehörigen Pflanzenschutzmittel. In dieser Kombination sieht nicht nur BASF die Zukunft der Agrarchemie. Die scheinbar geniale Doppelstrategie hat allerdings bei anderen Saaten schon für handfeste Diskussionen und Krach mit Landwirten geführt. 

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          „Clearfied“-Technologie heißt das Geschäft im BASF-Jargon: Saatgut wird so verändert, dass nur die zu schützende  Pflanze gegen das Herbizid resistent ist, alle anderen Unkräuter jedoch nicht. Der Landwirt erhält also wenn es gut läuft ein „sauberes Feld“ – daher Clearfield. 

          Ähnlich funktioniert  das Geschäftsmodell von Monsantos umstrittenen Totalherbizid Glyhosat,  allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: das für Clearfield veränderte Saatgut wird nicht gentechnisch manipuliert, sondern entsteht durch Züchtung.  Clearfield-Saaten müssen deshalb  nicht als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden, es gelten zudem  nicht die entsprechenden Sicherheitsvorschriften,  sprich: Abstandsregeln bei der Saat.

          Probleme beim Raps

          Das alles hat vor fünf Jahren, als der Konzern seine erste Kombination für Raps-Saaten an den Markt brachte, für erhebliche Unruhe unter Landwirten gesorgt. Denn Raps-Samen können  bis zu zehn Jahre im Boden überdauern. Wenn der Bauer in der Zwischenzeit seine Fruchtfolge ändert, könnte er ein Problem bekommen.

          Raps ist nämlich nicht nur eine gefragte Kulturpflanze, sondern zugleich ein  Unkraut. Wenn im Zuge der Fruchtfolge etwa Weizen  angebaut wird, ist dem vagabundierenden manipulierten Raps kaum noch beizukommen.

          BASF

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          Vor allem für die Zuckerrübenanbauer wurde das zum Problem. Europas zweitgrößter Zuckerhersteller, die Nordzucker AG, warnt seine Rübenlieferanten daher vor dem Anbau des Clearfield-Rapses. Zudem stellt sich bis heute die  Haftungsfrage, sollten veränderte Raps-Samen in einem herkömmlichen Feld landen und dort nicht mehr auf Pflanzengifte ansprechen.

          Der Vorteil, mit der Kombination aus Pflanzengift und resistenter Pflanze den von Rapsanbauern gefürchteten Kreuzblütlern zu Leibe zu rücken, geriet angesichts dieser  Vorbehalte in den Hintergrund. Mehrere Landwirtschaftskammern und öffentliche Stellen wandten sich mit einem gemeinsamen Informationsblatt an die Landwirte. Schlussfolgerung der Herausgeber damals: „Dort wo eine unkontrollierte Ausbreitung der Clearfield-Eigenschaft nicht ausgeschlossen werden kann, lehnen wir das System ab.“

          An der Einschätzung von damals habe sich nichts geändert, sagt Günter Klingenhagen von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, der die Studie begleitete. Er betont, dass Clearfield-Anwendungen bei bestimmten Saaten und Unkräutern, etwa Ackerfuchsschwanz in Mais, durchaus empfehlenswert seien. 

          Bei Soja rät ein Experte ab

          Sonnenblumen-Kulturen allerdings sieht der  Experte kritisch. In den wenigen bisher in Europa gemachten Erfahrungen zeigt sich nach seinen Worten ein Problem beim anschließenden Anbau von Soja. Ein von der Landwirtschaftskammer  beratener Großbetrieb in Rumänien habe die manipulierten Sonnenblumen nicht mehr aus seinen Soja-Feldern  herausbekommen. „Wenn jemand Soja anbauen will, raten wir von Clearfield-Sonnenblumen ab“.

          BASF selbst arbeitet bei der Entwicklung der Samen mit der französischen Unternehmensgruppe Euralis zusammen. Die ersten Hybridsamen sollen im nächsten Jahr in den Markt eingeführt werden. BASF, größter Chemiekonzern der Welt, hat lange propagiert, man könne ein erfolgreiches Pflanzenschutzgeschäft auch ohne eigene Saatgutproduktion betreiben.

          Als sich Konkurrent Bayer vor zwei Jahren wegen des Monsanto-Kaufes von Unternehmensteilen trennen musste, um die Wettbewerbshüter zufriedenzustellen, gab BASF diese Zurückhaltung aber auf. In einem Schritt übernahm der Konzern für 5,9 Milliarden Euro ein Paket aus Soja-, Baumwoll- und Raps-Saatgut sowie Unkraut-Vernichtungsmitteln. Später folgten die deutliche kleineren  Bayer-Geschäfte mit Gemüsekulturen. Nun also Sonnenblume, in BASF-Worten eine „Schlüsselkultur für Europa.“ Aufgrund ihrer vielfältigen gesundheitlichen Vorteile spielten sie eine große Rolle in der modernen Ernährung.

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