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BASF-Chef Kurt Bock : „Wer Wachstum verbietet, verhindert das Denken“

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Kurt Bock Bild: obs

Die Geschäfte des größten Chemiekonzerns der Welt laufen weiter gut. Der Chef Kurt Bock hält die Aktie aber für unterbewertet. Und er kritisiert die Fortschrittsskepsis der Deutschen.

          Herr Bock, die Schuldenkrise in der EU schwelt weiter, China hat gerade seine Wachstumsprognose reduziert. Haben sich Ihre Erwartungen für die Chemiekonjunktur im Allgemeinen und die BASF im Besonderen eingetrübt?

          Nein, das Jahr ist bisher vernünftig angelaufen. Im Februar wurden wir kritisch hinterfragt, weil wir auch in diesem Jahr mit Wachstum bei Umsatz und Ergebnis rechnen, aber es gibt auch aus heutiger Sicht keinen Grund, diese Ziele in Frage zu stellen.

          Dass die Chinesen auf die Bremse treten, trifft den größten Chemiekonzern der Welt nicht?

          Die Dynamik in Asien ist noch hinter ihrem Vorjahresniveau zurück, das stimmt. Aber wir sind grundsätzlich optimistisch, was die Entwicklung dort angeht. Die Chinesen haben ihre Wachstumserwartungen bisher immer übererfüllt, China bleibt ein Wachstumsmarkt.

          Wie groß ist denn die Bedeutung von China für die chemische Industrie?

          Sehr groß. Schon heute kommt mehr als die Hälfte des Branchenwachstums aus den Schwellenländern und davon wiederum mehr als die Hälfte aus China. Das wird eher noch zunehmen.

          Sorgen Sie sich um die immer wieder aufflammenden Unruhen im Land?

          Die chinesische Regierung hat Herausforderungen wie die Diskrepanz zwischen Arm und Reich erkannt, und Umweltthemen werden verstärkt angegangen. Wir gehen davon aus, dass die Politik der Öffnung weitergeht und es mehr Partizipation geben wird, gerade über das Internet, das merken wir schon heute.

          Woran?

          Als wir in Chongqing eine neue MDI-Anlage planten, das sind Vorprodukte für Polyurethan-Schaumstoffe - immerhin eine Investition im Volumen von 1 Milliarde Dollar -, hat es anfangs Kritik von heimischen Nichtregierungsorganisationen (NGO) gegeben, ob dieses Projekt oberhalb des Jangtse vertretbar ist.

          Wie haben Sie reagiert?

          Wir haben die NGOs nach Ludwigshafen und in unser Werk nach Antwerpen eingeladen, damit sie sehen, wie wir Chemie betreiben und welchen Stellenwert bei uns Sicherheit und Umweltschutz haben. Das hat die Kritiker überzeugt. Wir wollen über Transparenz Vertrauen gewinnen - und das funktioniert.

          In der Debatte um die grüne Gentechnik in Europa hat es nicht funktioniert.

          Das stimmt leider. Wir sehen eine immer stärkere Emotionalisierung des Themas, da haben wir es mit unserer naturwissenschaftlichen und rationalen Herangehensweise schwer. Wir haben mit guten Argumenten jahrelang für die grüne Biotechnologie in Europa gekämpft, von der Gegenseite wurden wir als Brunnenvergifter verunglimpft, und am Ende haben wir die Konsequenzen gezogen.

          Macht Ihnen die Fortschrittsskepsis Angst?

          Es ist schon merkwürdig, wie wir in Deutschland manchmal wie auf einem moralischen Feldherrnhügel stehen und auf den Rest der Welt schauen. Wir sollten stattdessen versuchen, von anderen zu lernen. Ohne Wachstum werden in Europa und Deutschland die Verteilungskonflikte zunehmen. Die Wachstumsskepsis ist deshalb schon ein Problem. Wachstum kommt in entwickelten Ländern fast ausschließlich aus Innovationen. Wenn wir Wachstum verhindern, verbieten wir den Menschen zu denken. Nur die Wirtschaft schafft Wohlstand und Wachstum, und dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

          Denken Sie, der Nanotechnologie könnte ein ähnlicher Weg beschieden sein wie der Gentechnik?

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