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Basel II : Die regulatorischen Hürden niedrig halten

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Finanzdienstleister und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) befinden sich derzeit in einem tiefgreifenden Veränderungsprozeß im Aufsichtsrecht.

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          Das Aufsichtsrecht für Finanzinstitute und Versicherer befindet sich in einem grundlegenden Veränderungsprozeß, den die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht begleitet. Um die Stabilität des Finanzsystems und die Sicherheit von Kundengeldern nach aktuellen Standards zu optimieren, wird insbesondere die Funktion des Risikokapitals als Puffer zur Abfederung von Verlusten neu definiert. Kreditinstitute vollziehen mit Basel II bis 2006 den Wechsel zu einer risikoorientierten Geschäftssteuerung und Berichtspraxis. Für die Versicherungswirtschaft folgt dieser Schritt mit Solvency II etwas später. Hinzu kommt bereits von 2005 an die neue Bilanzierung nach International Financial Reporting Standards (IFRS) für kapitalmarktorientierte Konzerne, die für eine höhere Wert- und Ertragstransparenz sorgt.

          Die aufsichtsrechtliche Umsetzung von Basel II und Solvency II ist eine unabweisbare Konsequenz der gewachsenen Sicherheits- und Transparenzanforderungen, die mit dem Zusammenwachsen der Produktwelten auf den internationalen Finanzmärkten einhergehen. Der dabei ausgelöste Trend, der sich in Deutschland zunächst für die Kreditinstitute in einem aufsichtsrechtlichen Paradigmenwechsel niederschlägt, wird längerfristig für die gesamte Finanzbranche wirksam werden. Angesichts der zunehmenden Integration ihrer Bereiche ist ein Prozeß der Homogenisierung zu erwarten, der nach dem Grundsatz same risk, same rule, same risk-model zur Anwendung vergleichbarer Quantifizierungs- und Steuerungsmodelle für vergleichbare Risiken führt.

          Auch die Einführung der international einheitlichen Rechnungslegung nach den Regeln der International Financial Reporting Standards IAS/IFRS ist das Ergebnis einer globalen Entwicklung, der sich Wirtschaft und Aufsicht nicht entziehen können. Eine Situation, die für international agierende Unternehmen Mehrfachbilanzierungen nach verschiedenen Standards erforderlich macht, kann mittelfristig keinesfalls sinnvoll sein, zumal die divergierenden Ergebnisse jeweils Erklärungsbedarf nach sich ziehen.

          Basel II und Solvency II erlegen den Unternehmen der Kredit- und Versicherungswirtschaft einen differenzierteren Umgang mit ihren Geschäftsrisiken und neue Informationspflichten auf. Die Marktteilnehmer müssen, den neuen Regelungen entsprechend, alle ihre Risiken quantifizieren und mit Eigenmitteln in entsprechender Höhe unterlegen. Sie müssen zugleich eine interne Informationsbasis aufbauen, die es ihnen ermöglicht, die Position des Unternehmens gegenüber der Aufsichtsbehörde zeitnah zu dokumentieren. Für die Berichterstattung sind klar definierte Standards der Bewertung einzuhalten. Dieser aufsichtsrechtliche Paradigmenwechsel durch Basel II und Solvency II ist eine Konsequenz aus den Erfahrungen mit Krisenfällen der Vergangenheit.

          Die Regelwerke Basel II und voraussichtlich auch Solvency II werden für Unternehmen sehr unterschiedlicher Größe und Ausrichtung gelten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht legt Wert darauf, die Umsetzung möglichst wettbewerbsneutral zu gestalten und die regulatorische Belastung auf ein notwendiges Mindestmaß zu beschränken. Im Idealfall sollten die Methoden, die zur internen Unternehmenssteuerung herangezogen werden, auch für die aufsichtliche Kontrolle nutzbar sein. Um den aufsichtsrechtlichen Aufwand zu begrenzen, stehen für kleinere Unternehmen Standardverfahren zur Risikoquantifizierung zur Verfügung, die auf externen Ratings basieren. Größere Häuser können mit komplexeren, internen Modellen ihre spezifische Geschäftsstruktur adäquat abbilden. Im Grundsatz wird das Aufsichtsrecht aber allen Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, anbieten, zwischen Standardverfahren und internen Modellen zu wählen.

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