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Barzahlung : Was kostet das Geld?

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„Bargeld ist ein emotionales Produkt“ Bild: Rüchel, Dieter

Der durchschnittliche Deutsche hat 118 Euro in der Geldbörse, davon 6,70 Euro in Münzen. Wenn damit bezahlt wird, muss das Bargeld gezählt und geprüft werden. Über die Kosten des Bargeld-Umgangs haben sich Experten auf einem Symposium der Bundesbank Gedanken gemacht.

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          Bargeld ist den Deutschen lieb und teuer. Kaum ein anderes Land in Europa hat einen so hohen Anteil an Barzahlungen - mehr als 80 Prozent - wie Deutschland. Der durchschnittliche Deutsche hat 118 Euro in der Geldbörse, davon 6,70 Euro in Münzen, hat die Bundesbank ermittelt. Doch wie viel Kosten die Geldwirtschaft verursacht und wie sich diese durch bessere Strukturen verringern lassen, darüber ließ sich auf einem von der Bundesbank organisierten Symposium trefflich streiten.

          Allein die Kosten für den Umgang mit dem Bargeld - beim Handel einsammeln, zählen, auf Echtheit prüfen und wieder in Umlauf bringen - werden von Vertretern der Bankenbranche auf rund 6 Milliarden Euro geschätzt. „Zu wenig“, sagt die Bundesbank. Rechne man alle Kosten des Handels ein und zähle die Aufwendungen für nichtbare Zahlungen hinzu, koste die Geldwirtschaft allein in Deutschland rund 1,2 Prozent der Wirtschaftskraft oder rund 30 Milliarden Euro. Bei solchen Summen lohnt es sich, laufend nach Einsparungen zu fahnden. Die Bundesbank will die Zahl ihrer Filialen - einst rund 200 - von derzeit 47 auf 31 senken und einen großen Teil der mit dem Bargeldkreislauf verbundenen Dienstleistungen Privaten überlassen. Doch die Branche ist uneins und entsprechend schleppend ist die Privatisierung. Die Bundesbank hat noch einen Marktanteil von 65 Prozent und möchte ihn auf 50 Prozent reduzieren.

          „Es muss das Bewusstsein geschaffen werden, dass Geld Geld kostet“

          Ein Teil der Banken sieht vor allem die hohen Kosten und hofft auf einen allmählich wachsenden Marktanteil der Kartenzahlungen. Mit Bedauern spricht Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der privaten Banken, vom langsamen Wachstum unbarer Zahlungsarten. „Bargeld ist ein emotionales Produkt.“ Die Banken sollten künftig die Kosten der Bargeldwirtschaft transparenter machen und sich auch nicht scheuen, dafür Preise zu stellen. „Es muss das Bewusstsein geschaffen werden, dass Geld Geld kostet.“ Die Konkurrenz von den genossenschaftlich finanzierten Volks- und Raiffeisenbanken verfolgt dagegen einen etwas anderen Ansatz. Den Rückzug der Bundesbank aus dem Geschäft mit Bargelddienstleistungen haben die Genossen genutzt, um ihren Kunden ein eigenes Dienstleistungsnetz anzubieten. Das sei clever gewesen, weil es die Kundenbindung erhöhe, lobt die Bundesbank. So seien eigens 40 Münzdepots geschaffen worden, 4870 Tonnen an Münzgeld würden transportiert, berichtet Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Dabei arbeiten die Genossenschaftsbanken mit elf der 44 größeren Wertdienstleister in Deutschland zusammen. Die könnten das Geschäft eigentlich auch in eigener Verantwortung betreiben. Dafür müssen sie laut Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz allerdings eine Lizenz bei der Aufsichtsbehörde Bafin beantragen. Vier Unternehmen haben das getan, bislang hat keines eine Lizenz erhalten. Die Unternehme beklagen sich über zu hohe Anforderungen der Bafin und sagen der Behörde eine generelle Unwilligkeit nach. Auch die Bundesbank kritisiert: „Da ist der Ball an die Bafin zu spielen“, sagte Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele am Mittwoch.

          Bei der Bafin heißt es von vier Anträgen seien alle abgelehnt, ein Unternehmen habe Widerspruch eingelegt, aber auch hier seien die Voraussetzungen nicht erfüllt. Die Wertdienstleister sagen dagegen, unter den von der Bafin geforderten Bedingungen, lohne es sich einfach nicht eine Lizenz zu erwerben und das Geschäft zu betreiben. Der Fortschritt ist also zäh: Immerhin 80 Prozent des Münzkreisflaufs wird schon von privaten betrieben.

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