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Allensbach-Umfrage : Deutschland zahlt noch immer am liebsten bar

Karte oder doch lieber Scheine und Münzen? Bild: dpa

Insbesondere bei Älteren ist Bargeld nach wie vor beliebt. Immer mehr Menschen bevorzugen aber die Kartenzahlung. Doch für Münzen und Scheine gibt es durchaus gute Gründe.

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          Niemand liebt Bargeld mehr als die Deutschen. 66 Prozent der Deutschen gaben in einer Allensbach-Umfrage an, Bargeld den Vorzug zu geben. Besonders Menschen über 60 zahlen gern mit Scheinen und Münzen, insgesamt 82 Prozent. Langsam, aber sicher verschiebt sich aber etwas in Deutschland, denn die Karte wird immer beliebter. Während im Jahr 2015 lediglich 19 Prozent am liebsten mit Karte gezahlt haben, sind es dieses Jahr schon 29 Prozent. Wenig überraschend zahlen junge Menschen am liebsten mit Karte: In der Gruppe der 30- bis 44-Jährigen sind es 44 Prozent.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bargeld wird dagegen vor allem wegen seiner Zuverlässigkeit geschätzt und weil es für kleinere Beträge bestens geeignet ist. Das bestätigte auch eine Studie der Hochschule Steinbeis: Jede Rechnung ab 6 Euro, die mit Bargeld beglichen wird, ist teurer als eine Zahlung mit Karte. Durchschnittlich kostet eine Zahlung mit Bargeld volkswirtschaftlich etwa 0,6 Cent, mit der Karte nur die Hälfte. Durch die günstigeren Kartengebühren, die von der Europäischen Union vorgeschrieben wurden, dürfte dieser Preis nochmals deutlich gesunken sein.

          Viele Gründe für die Karte

          Die Gründe für den Karteneinsatz sind ganz unterschiedlich 78 Prozent gaben Modernität an, 65 Prozent finden es hygienischer, und Komfort und Flexibilität werden ebenfalls sehr geschätzt. Deswegen würde es 42 Prozent nach eigenen Angaben auch leichtfallen, ihren Alltag bargeldlos zu gestalten. Der Favorit ist demnach die Girokarte, von der es mehr als 100 Millionen Stück in Deutschland gibt. 59 Prozent bevorzugen diese Karte, lediglich 12 Prozent die Kreditkarte.

          Die meisten Befragten sind einer kontaktlosen Zahlung gegenüber aber nicht aufgeschlossen. Lediglich die 16- bis 29-Jährigen können sich das überwiegend vorstellen. Dazu befragte Allensbach 1407 Personen im Alter von 16 Jahren an im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme, die sich für eine stärkere Nutzung elektronischer Zahlungssysteme einsetzt - weswegen die Studie auch zumindest etwas mit Vorsicht zu genießen ist.

          Auch Bargeld hat Vorteile

          Was aber in dieser Studie nicht abgefragt wurde, ist, wie viele Menschen sich diesen bargeldlosen Alltag auch wünschen. Denn Bargeld hat ohne Zweifel viele Vorteile: Zum einen ist es anonym. Niemand kann eine Zahlung mit Bargeld nachverfolgen. Argumente, dass genau das von Kriminellen ausgenutzt wird, laufen aber ins Leere: Fast alles, was es auf der Welt gibt, kann von Kriminellen ausgenutzt werden. Auch hat über Bargeld keiner Kontrolle, es kann (noch) nicht eingezogen oder verwehrt werden.

          Bargeld macht den Kapitalismus demokratischer, da jeder damit zahlen kann und jeder am Zahlungsverkehr teilnehmen kann - vom Bankier bis zum Obdachlosen. Und das unbeobachtet vom Staat oder anderen Institutionen - in der heutigen Zeit ein nicht unwichtiges Argument. Außerdem hält Bargeld zur Disziplin an: Wer die Scheine in seinem Geldbeutel schwinden sieht, gibt eher weniger Geld aus, als wenn die Ziffern sich im Online-Konto von Schwarz auf Rot drehen.

          Bargeld einschränken?

          Und trotzdem kann sich eine Mehrheit der Deutschen eine Einschränkung der Bargeldzahlungen sehr gut vorstellen, wie eine Studie der Hochschule für Ökonomie und Management ergeben hat. So können sich 66 Prozent eine Bargeld-Obergrenze von 1000 Euro vorstellen, 59 Prozent, dass die 100-Euro-Note die höchste Bargeldnote ist, sowie 79 Prozent, dass die Miete nicht bar bezahlt werden darf. Lediglich 26 Prozent sagen aber, dass kleinere Geschäfte befreit werden sollten, Bargeld annehmen zu müssen.

          Insgesamt wollen die Deutschen aber nicht auf ihr Bargeld verzichten. 81 Prozent der 1305 Befragten gaben an, dass sie eine Abschaffung des Bargeldes nicht befürworten würden. Interessanterweise würden 23 Prozent der Männer eine Abschaffung gut finden, aber nur 14 Prozent der Frauen.

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