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Obama in Köln : Sticheln ohne zu stechen

Obama spricht in Köln. Bild: dpa

Obama spricht auf einer Veranstaltung in Köln und teilt aus – doch die Seitenhiebe gegen Trump bleiben diskret. Der ehemalige Präsident behält seine Strahlkraft trotzdem.

          Man muss nicht alles sagen, um verstanden zu werden. Barack Obama hat das am Donnerstagabend vorgeführt, vor 14.000 Menschen auf dem „World Leadership Summit“ in der Kölner Lanxess-Arena. Selbstverständlich redet ein ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika nicht über seinen Nachfolger, schon gar nicht negativ. Eigentlich. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Da möchte auch Obama nicht an Kritik sparen, wenn es um die großen Themen geht.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Die Seitenhiebe allerdings teilt der 57 Jahre alte Ex-Präsident diskret aus, natürlich fällt der Name des amtierenden Präsidenten kein einziges Mal in dem einstündigen öffentlichen Gespräch, auf das er sich hier in Deutschland eingelassen hat. Obama ist die Ruhe selbst, im entspannten Plauderton erzählt er von seinen Erfahrungen im Weißen Haus, von seinen Grundsätzen des „guten Führens“. Für dieses Thema war er schließlich hier nach Deutschland eingeladen worden. Das kleine Kölner Start-up Gedankentanken hatte schon zu seiner Amtszeit den Traum „die beste Führungskraft der Welt“ für eine Rednernacht zu gewinnen. Die Zusage kam dann ziemlich plötzlich vor acht Wochen. Nicht viel Zeit, um eine Arena zu buchen – und auch voll zu bekommen.

          Barack Obama, inzwischen ergraut, hat nur wenig an Strahlkraft verloren. Im Gegenteil: Ohne Verantwortung für die Welt im Nacken lässt es sich entspannter Plaudern. Zudem gibt es genügend Felder, auf denen er sich gegenüber Donald Trump abgrenzen kann. Der Klimawandel gehört dazu, ein dankbares Thema, weil es wegen der Schülerprotesten gerade wieder hip geworden ist und Trump dazu zudem eine eher randständige Meinung vertritt.

          Da reicht es, dass Obama auf die Macht der Jugend hinweist, die die Politik zu konkreteren Plänen drängen sollte. „Nur weil wir jemanden an der Spitze haben, der den Klimawandel offensichtlich nicht ernst nimmt, bedeutet das nicht, dass nichts geschieht“, sagt er. Der amerikanische Bundesstaat Kalifornien zum Beispiel, eine der größten Volkswirtschaften der Welt, setze alles daran die Klimaziele einzuhalten. „Wir brauchen mutigere Schritte. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass die Vereinigten Staaten bald wieder führend sein werden“ – man brauche nur ein wenig Zeit, ergänzt er, und es ist offensichtlich was er damit meint: die anstehenden Wahlen im kommenden Jahr.

          Kapitän eines Ozean-Dampfers

          Die sozialen Medien allerdings sind für dieses Vorhaben keine große Hilfe. „Es ist bemerkenswert wie sehr sich Informationen geändert haben“, sagt Obama nicht ohne Wehmut. Er war in diesem Bereich einst selbst Vorreiter: Sein Wahlkampf 2008 war der erste, der auf die Kraft des Internets setzte. Heute sagt er: Die größte Gefahr für die Demokratie, besonders im Hinblick auf die sozialen Medien, sei der fehlende Konsens was grundlegende Fakten angehe. „Wir dürfen nicht zulassen, dass wir uns über die grundlegenden Fakten streiten“, warnt er. Wenn man beginne, darüber zu diskutieren, ob ein Tisch ein Tisch sei, gelange man nie zu einem Kompromiss.

          Auch den Rückblick auf seine achtjährige Amtszeit nutzt er für Nadelstiche gegen seinen Nachfolger. Natürlich räumt er ein, dass auch bei ihm nicht alles glatt gelaufen sei: „Menschen tun nicht immer das, was man ihnen sagt – ich weiß, das ist schockierend“, witzelt er. Als Präsident sei man wie der Kapitän eines Ozean-Dampfers. Dort könne man auch nicht plötzlich das Ruder herumreißen. Aber immerhin könne er von sich behaupten, das Schiff in die richtige Richtung gelenkt zu haben.

          Stolz sei er, dass er acht Jahre Präsidentschaft hinter sich gebracht habe – ohne Skandale, und ohne dass einer seiner Mitarbeiter ins Gefängnis gewandert sei. Dafür gibt es Szenen-Applaus und leichtes Gejohle, auch wenn der eigentliche Vorwurf unausgesprochen bleibt: Das ist eine Bilanz, die Donald Trump schon nicht mehr ziehen kann.

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