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Banknoten : EZB: Das Aus für den 500er ist kein Abschied vom Bargeld

  • Aktualisiert am

Die Ausgabe des 500-Euro-Scheins wird im Jahr 2018 eingestellt. Bild: AFP

Ist die Abschaffung des 500-Euro-Scheins der Anfang vom Abschied des Bargelds? Die EZB winkt ab: Auch die Zentralbank wisse, dass Bargeld für viele Bürger „gedruckte Privatsphäre“ darstelle.

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          Nach dem Beschluss zur Abschaffung des 500-Euro-Scheins verteidigt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Entscheidung gegen Kritik: Das bevorstehende Aus der Banknote bedeute nicht den Einstieg in die Abschaffung des Bargeldes. „Wer nun glaubt, dass die Eurozone sich vom Bargeld verabschiedet, irrt“, schreibt EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch in einem Gastbeitrag für „Spiegel Online“.  Für viele Bürger symbolisiere  Bargeld nicht nur Kaufkraft, sondern stelle „gedruckte Privatsphäre“ dar.

          Bargeld per se abzuschaffen, stehe daher nicht auf der Tagesordnung, schreibt Mersch. Die Entscheidung gegen den 500-Euro-Schein sei „in einem Umfeld gefällt worden, in dem Bargeld per se kritisch hinterfragt wird“. Die Argumente der Bargeldgegner könnten jedoch nicht überzeugen. Die Logik, ohne Bargeld könnte die Zentralbank mit immer niedrigeren negativen Zinsen die Wirtschaft zusätzlich stimulieren, greife zu kurz. Sie ignoriere zum einen die Nebenwirkungen exzessiv negativer Zinsen: „Bereits jetzt klagen Banken, Geldmarktfonds und Versicherer über den Druck auf Margen sowie ganze Geschäftsmodelle.“ Zum zweiten werde die Effektivität negativer Zinsen womöglich überschätzt. „Eine Wirkung im Sinne von 'mehr hilft mehr' ist keinesfalls gegeben.“ 

          Bargeld sei „gedruckte Privatsphäre“, sagt EZB-Direktor Yves Mersch.

          Mersch verwies darauf, dass eine „Finanz-Tech-Allianz“ Interesse an einer Abschaffung des Bargeldes habe: Für die Kreditwirtschaft stellten Lagerung, Bearbeitung, Transport, Ausgabe am Schalter oder Automaten vor allem immense Kostenblöcke dar. „In Zeiten niedriger Margen würde sie gerne darauf verzichten.“  Es sei also kein Wunder, dass Vorschläge, Bargeld komplett abzuschaffen, vor allem von Bankern oder bankfinanzierten Ökonomen stammten – „wenn auch gerne in akademischer Garderobe gekleidet“.

          Die von der EZB beschlossene Abschaffung des 500-Euro-Scheins stößt allerdings auch in vielen  Kreditinstituten auf Kritik. Die EZB mache „weitere Schritte der Bargeldbegrenzung salonfähig“, erklärte am Donnerstag der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich.

          In Europa wird schon seit längerem darüber diskutiert, wie Geldwäsche und Terrorfinanzierung besser bekämpft werden können. Die Debatte war durch die Anschläge in Brüssel und Paris verstärkt worden. Die Polizeibehörde Europol empfahl 2015 eine Prüfung, ob die Ausgabe von Banknoten, „die so eng mit Kriminalität verknüpft sind“, weiterhin sinnvoll sei. Auch EZB-Präsident Mario Draghi hatte sich für die Abschaffung stark starkgemacht.

          Der 500-Euro-Schein gehört weltweit zu den Banknoten mit dem höchsten Wert. In den Vereinigten Staaten reicht die Skala nur bis 100 Dollar. Bei der Einführung des Euro-Bargeldes gehörte Deutschland zu den größten Befürwortern des Fünfhunderters.

          Wie der 500-Euro-Schein abgeschafft wird

          Europas Währungshüter haben eine historische Entscheidung getroffen: Der 500er wird nach und nach abgeschafft. Das Auslaufen der größten Euro-Banknote soll Kriminellen das Handwerk erschweren. Ob das klappt, ist umstritten. Für Verbraucher hat die Abschaffung  - zunächst - keine Folgen.

          Wird der 500er direkt aus dem Verkehr gezogen?

          Nein. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat beschlossen, dass die Ausgabe der größten der sieben Euro-Banknoten „gegen Ende 2018“ eingestellt wird. Zu diesem Zeitpunkt sollen die überarbeiteten 100- und 200-Euro-Scheine der neuen Europa-Serie mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen eingeführt sein. Die im Umlauf befindlichen 500er sollen gesetzliches Zahlungsmittel bleiben und können zum Beispiel als Wertanlage genutzt werden. „Der 500-Euro-Schein wird, wie andere Stückelungen der Euro-Banknoten, immer seinen Wert behalten und kann für einen unbegrenzte Zeitraum bei den nationalen Banken des Eurosystems umgetauscht werden“, teilte die EZB mit.

          Was bedeutet die Entscheidung der EZB für Verbraucher?

          Zunächst hat sie keine praktischen Folgen, weil Geschäfte den 500er weiterhin als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptieren müssen. Allerdings dürften die meisten Verbraucher noch nie einen 500-Euro-Schein in Händen gehalten haben. Eine der wenigen Ausnahmen: Der Kauf eines gebrauchten Autos oder Motorrads wird gerne bar mit großen Scheinen abgewickelt. Die Spanier verpassten der Banknote Medienberichten zufolge sogar den Spitznamen „Bin Laden“: Genauso bekannt wie der inzwischen getötete langjährige Anführer der Terrororganisation Al-Kaida, aber weder Osama Bin Laden noch den 500er bekam kaum jemand je zu Gesicht. An vielen Ladenkassen ist schwierig, einen 500-Euro-Schein loszuwerden.

          Warum wird die Ausgabe des 500ers überhaupt eingestellt?

          Befürworter versprechen sich davon, dass Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit zurückgedrängt werden. EZB-Präsident Mario Draghi persönlich hatte darauf hingewiesen, dass der 500er für kriminelle Zwecke genutzt werde: „Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten.“ Die EU-Finanzminister hatten bei einem Treffen im Februar deutlich gemacht, dass sie von der EZB „angemessene Maßnahmen“ mit Blick auf den 500-Euro-Schein erwarten.

          Sind die Argumente gegen große Scheine stichhaltig?

          Die Bundesbank dämpft die Erwartungen an die Abschaffung großer Banknoten oder Obergrenzen für Bargeldzahlungen, die ebenfalls diskutiert werden. „Es sind Zweifel angebracht, ob Terroristen und Kriminelle an illegalen Handlungen gehindert werden, weil es eine Obergrenze gibt oder die großen Stückelungen abgeschafft werden“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bereits vor der Entscheidung vom Mittwoch.

          Sein Vorstandskollege bei der deutschen Notenbank, Carl-Ludwig Thiele, betonte: „Was in diesem Zusammenhang bislang fehlt, ist eine wissenschaftliche, fundierte Evaluierung der Maßnahmen, die in anderen Ländern bereits umgesetzt wurden.“ Ihm sei nicht bekannt, dass in Ländern mit einer Bargeldobergrenze wie Italien oder Frankreich die Kriminalität entsprechend geringer wäre. Kriminelle könnten etwa auf die Cyber-Währung Bitcoin ausweichen. Auch Schattenwirtschafts-Experte Friedrich Schneider von der Universität Linz argumentiert, Geldwäsche laufe längst überwiegend bargeldlos über Scheinfirmen.

          Wird der Wert der großen Scheine durch kleinere Banknoten ersetzt?

          Da absehbar keine neuen 500-Euro-Noten mehr gedruckt werden, muss schrittweise ihr Wert durch andere Scheine mit kleinerem Nennwert ersetzt werden. Aktuell sind knapp 600 Millionen 500er im Umlauf. „Für das erforderliche Drucken von zusätzlichen Banknoten werden erhebliche Kosten entstehen, die von den nationalen Zentralbanken und damit auch von der Deutschen Bundesbank zu tragen sind“, erklärt Bundesbank-Vorstand Thiele. „Klar ist: Um zwei 500er zu ersetzen braucht man fünf 200er, zehn 100er oder zwanzig 50er. Das ist mit höheren Kosten für den Druck von Banknoten verbunden, auch für deren Lagerung und Transport.“ Die Produktion einer Banknote kostet im Schnitt acht bis neun Cent. Zuständig für die Herstellung der Geldscheine sind die nationalen Notenbanken.

          Ist das jetzt der Anfang vom Ende des Bargelds?

          Nein, betont die Bundesbank. „Es wäre aus meiner Sicht fatal, wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck entstünde, die Diskussion um Bargeldobergrenzen und die Abschaffung des 500-Euro-Scheins stellten Schritte hin zu einer allgemeinen Abschaffung des Bargelds dar“, hatte Bundesbank-Präsident Weidmann schon in den vergangen Monaten bekräftigt. Gerade in Deutschland sind Schein und Münze sehr beliebt. „Wir wollen den Bürgern die Zahlungsart ermöglichen, die sie sich wünschen.“ Für Bargeld spreche, dass Zahlungen mit Schein und Münze „entgegen mancher Vorurteile keine besonders teure Zahlungsart“ seien, argumentierte Weidmann.

          Wer entscheidet über die Banknoten im Euroraum?

          Die Hoheit über die Banknoten im Währungsraum mit mittlerweile 19 Mitgliedsstaaten liegt bei der EZB. In ihrem obersten Führungsgremium, dem EZB-Rat, reicht für Änderungen eine einfache Mehrheit. Vertreten sind dort die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums sowie die Notenbankchefs der 19 Euroländer.

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