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Banknoten : Ausgerechnet ein Schotte!

Schein des Anstoßes: Edward Elgar wird abgelöst Bild: Bank of England

Viele Engländer sind verärgert: Auf ihrer 20-Pfund-Banknote soll demnächst der Ökonom Adam Smith abgebildet werden. Nicht nur, daß er Schotte ist. Er verdrängt ausgerechnet Edward Elgar, dessen Hymne „Land of Glory“ den Engländern bis heute die Tränen in die Augen treibt.

          Daß eine neue Banknote einen solchen Wirbel verursachen könnte, hat Mervyn King vermutlich nicht erwartet. Der Gouverneur der Bank von England gab vor kurzem bekannt, daß auf der Rückseite des Zwanzig-Pfund-Geldscheins künftig der Kopf des Ökonomen Adam Smith zu sehen sein wird. Auf der Vorderseite blickt den Briten weiterhin ihre Königin entgegen.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Weniger das Werk des Denkers, der als Begründer der modernen Ökonomie und als erster wichtiger Verfechter einer freien Marktwirtschaft gilt, sorgt für Aufregung. Stein des Anstoßtes ist seine Herkunft. Smith war Schotte - und bisher hat es noch kein Schotte auf einen Schein der Bank von England geschafft. Aus Sicht vieler Engländer, die schon daran zu knabbern haben, daß ihr Schatzkanzler und womöglich künftiger Premierminister Gordon Brown aus Schottland stammt, sollte dies auch so bleiben.

          „Winston Churchill wäre passender gewesen“

          „Auch wenn Adam Smith ein großer Advokat des Kapitalismus und ein weltbekannter Ökonom gewesen ist, hätte die Bank von England einen berühmten Engländer oder eine berühmte Engländerin wählen sollen. Jemand wie Winston Churchill wäre passender gewesen“, beschwerte sich der konservative Abgeordnete Mark Field. Da half es wenig, daß der „Daily Telegraph“ anmerkte, Smith habe sich in seiner Studienzeit in Oxford redlich bemüht, wie ein Engländer, nicht wie ein Schotte zu sprechen.

          Smith (1723 bis 1790) lehrte Philosophie an der Universität von Glasgow. Berühmt wurde sein Vergleich des Marktmechanismus mit einer "unsichtbaren Hand", die die Bedürfnisse von Marktteilnehmern in Einklang bringt und somit dem Gemeinwohl dient, obwohl alle ihren eigenen Nutzen verfolgen. Mit 53 Jahren schrieb er sein bekanntestes Werk, „Wohlstand der Nationen“, in dem er die Vorzüge der Arbeitsteilung beschrieb.

          Ein Gefallen für den möglichen Blair-Nachfolger

          Die Bank von England ändert immer wieder das Design der Scheine. Die Entscheidung, wer auf der Rückseite erscheint, obliegt dem Notenbankgouverneur. „Ich hoffe, daß Besucher dieses Landes, die sich die neuen 20-Pfund-Noten genau ansehen, verinnerlichen, daß über freien Handel und die Spezialisierung in der Produktion der Lebensstandard in der ganzen Welt gesteigert werden kann“, erklärte King während einer Vorlesung am Adam Smith College in Smiths' Geburtsort Kirkcaldy. Die britischen Medien wittern jedoch ein andere Strategie. Sie witzelten, daß King womöglich dem möglichen Nachfolger von Tony Blair als Premierminister einen Gefallen tun wolle. Auch Brown stammt aus Kirkcaldy und studierte an der Universität in Glasgow. Und wie der berühmte Ökonom wird er von vielen Briten als kauziger Zeitgenosse betrachtet.

          Bisher war auf dem Schein der englische Komponist Edward Elgar zu sehen. Dessen Hymne „Land of Hope and Glory“ treibt den Engländern heute noch die Tränen in die Augen. Außerdem jährt sich der Geburtstag Elgars ausgerechnet in dem Jahr zum hundertfünfzigsten Mal, in dem er von dem Geldschein verschwinden soll. Einige Anhänger des Komponisten forderten daher, die Ausgabe der neuen Banknoten um ein Jahr zu verschieben. Die Bank von England will jedoch an dem geplanten Ausgabedatum festhalten, denn neben dem neuen Design bekommen die Scheine neue Sicherheitsmerkmale, um sie vor Fälschungen zu schützen.

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