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Bankiersfamilie Finck : Adel vernichtet

Sitzungssaal: Um das Erbe von Privatbankier August Baron von Finck ist ein Streit entbrannt Bild: Merck Finck & Co

Helmut Baron von Finck ist Nachfahre der einstigen Münchner Bankiersfamilie. Früher nahm er Drogen und war Bhagwan-Jünger. Dann ließ er sich 65 Millionen Mark auszahlen – obwohl er wohl etliche hundert Millionen hätte haben können. Von seinen Brüdern fühlt er sich um sein Milliardenerbe gebracht. Jetzt schlägt er zurück.

          Helmut Baron von Finck redet ganz offen über seine Lebenskrise. Wie er, der Sohn des mächtigen Bankiers August von Finck, den Ansprüchen der Familie nicht gerecht wurde, schlecht in der Schule war, wie er Drogen genommen hat, dann mit Bhagwan-Mönchen meditierte und versuchte, mit Gruppensex neue Energie freizusetzen. „Nach dem Tod meines Vaters bin ich total abgerutscht“, sagt er.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Dass Helmut von Finck, heute 50 Jahre alt, im Gespräch mit der F.A.Z. so offen sein Versagen preisgibt, hat einen Grund: Es geht um Geld, um ein Milliardenerbe, um das er sich von seinen beiden Stiefbrüdern betrogen fühlt.

          Helmut von Finck ist der jüngste Sohn aus zweiter Ehe des 1980 verstorbenen August von Finck, Inhaber des Münchner Bankhauses Merck Finck & Co. Jetzt kämpft er gegen seine zwei Halbbrüder August und Wilhelm aus erster Ehe des Vaters.

          „Ich war in Behandlung“

          Von ihnen fühlt er sich „über den Tisch gezogen“. Fünf Jahre nach dem Tod des Vaters ließ sich Helmut von Finck 65 Millionen Mark auszahlen – obwohl er wohl etliche hundert Millionen hätte haben können. Vor Gericht muss er nachweisen, dass dieser Wille eher einem drogenumnebelten Hippiehirn entsprungen ist, dass er, der Bhagwan-Jünger, definitiv nicht geschäftsfähig war, als er 1985 den Vertrag mit den Halbbrüdern unterschrieben hat. „Ich war in Behandlung“, sagt Finck, „dafür gibt es genügend Zeugen und Ärzte, die das bestätigen können.“

          Bei klarem Verstand, das ist seine Einsicht heute, hätte er niemals auf so viel verzichtet. Er beansprucht ein Drittel des Finckschen Familienvermögens. Dazu gehören Anteile an der Restaurantkette Mövenpick, am börsennotierten Warenprüfer SGS und dem Technologiekonzern Von Roll, ebenso zahlreiche Grundstücke rund um München und das Schloss Weinfelden im Schweizer Kanton Thurgau. Insgesamt womöglich bis zu 10 Milliarden Euro.

          Beim Landgericht München hat Helmut deshalb Klage eingereicht (AZ 30O24193/09). Allein ist er nicht. Hinter Finck stehen Fachleute, die ihn beraten, die aber wohl auch an einem möglichen Prozessgewinn finanziell beteiligt werden wollen. „Zwei bis drei Leute“, seien das, sagt er salopp. Er nennt sie seine „juristischen Berater“, nicht Prozessfinanzierer, wenngleich er zugibt, die Herren zu brauchen. „Der Prozess wird eine teure Angelegenheit, da muss man stark sein, muss durchhalten und wohl bis zum BGH gehen.“

          Denn Finck geht es nicht nur darum, den Vertrag aus dem Jahr 1985 für nichtig zu erklären. Es geht ums Ganze: Finck will seine Stiefbrüder enterben lassen. Der heute 79 Jahre alte August und der vor sieben Jahren verstorbene Bruder Wilhelm sollen gegen das Testament verstoßen haben, als sie die Münchner Privatbank 1990 an die britische Barclays Bank verkauft haben. „Der letzte Wille meines Vaters war, das Familienimperium zusammenzuhalten“, behauptet Helmut von Finck.

          Pferdezucht bei Soltau

          Er stützt sich auch auf ein BGH-Urteil. Vor vier Jahren hat Helmut damit begonnen, ein Auskunftsrecht über das Vermögen der Nacherbschaft für seinen Sohn Nino zu erstreiten. Schon damals ging die Sache bis vor den BGH. Die Karlsruher Richter gaben dem Nacherben recht und zweifelten in einer Nebenbemerkung zum Urteil an, „ob es dem Erblasserwillen entsprochen hätte, wenn familienfremde Dritte an der OHG beteiligt worden wären“. Finck glaubt, dass seine Stiefbrüder durch den Verkauf der Bank ihr Erbe verwirkt haben und er damit Alleinerbe ist. Das ist der zweite Teil seiner Klage.

          Die Gegenseite will sich zur Familienfehde nicht äußern. „Dazu nehmen wir keine Stellung“, heißt es in der Wilhelm von Finck Hauptverwaltung in Grasbrunn bei München.

          Helmut von Finck hat nach den Drogenexzessen sein Leben wieder in den Griff bekommen, wie er erzählt. Von einem Teil der 65 Millionen Mark kaufte er sich einen Hof in der Nähe von Soltau. Dort züchtet er seither Pferde. Er könnte zufrieden sein mit seinem Leben, seinen drei Kindern, seiner Pferdezucht mitten in beschaulicher Heidelandschaft, weit weg von München und der Bankiersfamilie. Sohn Nino ist heute 23 Jahre alt, arbeitet bei Allianz Capital Partners. Für ihn strengt er den Prozess an, und auch für seine beiden Töchter. Die hätten immerhin einen Pflichtteil zu erwarten, der deutlich höher wäre als jene 65 Millionen Mark, die ihr Vater seinerzeit bekam.

          Das väterliche Imperium wird nicht wieder auferstehen. Sollte Helmut den Prozess seines Lebens am Ende tatsächlich gewinnen, will er viel Geld für das Gemeinwohl spenden. „Ich will eine Stiftung gründen für Jugendliche, die in Schwierigkeiten sind, die alles hingeschmissen haben.“ So wie er selbst vor einem Vierteljahrhundert.

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