https://www.faz.net/-gqe-9t1ol

Gemeinsame Einlagensicherung : Bankenunion auf amerikanisch

Die FDIC kümmert sich in Amerika um Banken in Schwierigkeiten. Bild: Reuters

Olaf Scholz nennt als Vorbild für Europas Bankenunion eine amerikanische Bundesbehörde. So funktioniert sie.

          2 Min.

          Für die europäische Bankenunion will sich Finanzminister Olaf Scholz (SPD) an einer amerikanischen Bundesbehörde  orientieren: Der Federal Deposit Insurance Cooperation (FDIC). Das ist eine Einlagenversicherung, die zugleich Banken beaufsichtigt und Insolvenzverwalter ist.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Gegründet wurde sie im Jahr 1933, nachdem als Folge der großen Depression Tausende Banken zahlungsunfähig wurden und die Ersparnisse der Bürger vernichteten. Ihr wichtigster Zweck ist seit damals die Einlagenversicherung. Die FDIC versichert die Ersparnisse der Bankkunden bis zu 250.000 Dollar und verhindert so einen Bankrun.

          Die FDIC und die Bankregulierer der jeweiligen Bundesstaaten überwachen rund 4000 Banken permanent. Wenn die Aufseher zu dem Ergebnis kommen, dass eine Bank ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, kommen die FDIC-Beamten, um das Institut zu übernehmen. In der Praxis erscheinen die FDIC-Leute an einem Freitag kurz vor Bankschließung in größtmöglicher Diskretion. Sie zählen das Geld, bewerten Vermögen und Schulden und richten die Computersysteme neu aus.

          Im Jahr 2009 reichte das nicht

          Das ganze Bankgeschäft wird oft in eine sogenannte Brückenbank überführt, deren einziger Anteilseigner die FDIC ist. Damit soll das Institut am Leben erhalten werden. Die Brückenbank tritt in die Verpflichtungen der insolventen Bank ein – sie ist eine Übergangslösung, die nach längstens drei Jahren ihre Ende findet. 

          Die FDIC versucht, die Bank schnell an einen gesunden Konkurrenten zu verkaufen. Die Behörde hat dafür eine Liste potentieller Bieter, die im Falle eine Bankinsolvenz benachrichtigt und eingeladen werden in einen virtuellen Datenraum, den die FDIC aus den Informationen der Pleite-Bank erstellt hat.

          Wenn alles glatt läuft, werden die Konten über das Wochenende auf die im Bieterverfahren herausgeschälte gesunde Bank übertragen. Und der Kunde hat von den Schwierigkeiten nie etwas erfahren – außer durch die Tatsache, dass er nun eine neue Hausbank hat.

          Die Einlagenversicherung finanziert sich aus den Beiträgen der überwachten Banken, die 1,35 Prozent auf die versicherten Einlagen abführen. Dazu kommt eine Kreditlinie vom amerikanischen Finanzministerium in Höhe von 100 Milliarden Dollar. Doch selbst das reicht manchmal nicht. Im Jahr 2009 gingen rund 140 Banken insolvent und erschöpften damit die Mittel des Einlagen-Versicherers. Er wies daraufhin die Banken an, die Versicherungsbeiträge für die nächsten drei Jahre vorab zu bezahlen.

          Die Behörde muss bei der Abwicklung oder Überführung der Bank jene Methode wählen, die am kostengünstigsten für die Einlagenversicherung ist. Von dieser Grundregel gibt es aber eine zentrale Ausnahme, die während der schweren Finanzkrise griff: Wenn der amerikanische Finanzminister, die Zentralbank und die FDIC zum Ergebnis kommen, dass die Liquidation einer Bank wegen ihrer Relevanz für Finanzstabilität und die Kreditversorgung der Wirtschaft zu riskant ist, können sie mit Sondermaßnahmen eingreifen. Dazu gehörten in der Finanzkrise die Absicherung riskanter Kredite und eine Garantie, ein Teil der Verlusten aus geplatzten Kredite zu übernehmen.

          Weitere Themen

          British Airways setzt Flüge nach China aus

          Coronavirus : British Airways setzt Flüge nach China aus

          Das Coronavirus breitet sich aus und einzelne Unternehmen treffen Notmaßnahmen: British Airways fliegt nicht mehr nach China, Toyota stoppt dort seine Produktion und Starbucks hat in der Volksrepublik mehr als die Hälfte der Filialen geschlossen.

          Koalition verteilt fröhlich Milliarden

          Treffen der Koalitionsspitzen : Koalition verteilt fröhlich Milliarden

          Im Koalitionsausschuss am Mittwochabend kann die Regierung über viel Geld entscheiden. Vom Ende der Koalition ist indessen keine Rede mehr – von großen Beschlüssen aber auch nicht.

          Topmeldungen

          AfD-Fraktionsvorsitzende Weidel, Gauland: Nach außen präsentiert sich die Partei gern als Israels größter Verbündeter-

          Die AfD und der Antisemitismus : Israels falsche Freunde

          Antisemitische Äußerungen gibt es oft in der AfD. Zugleich präsentiert sich die Partei gern als Israels treuester Verbündeter. Wie wird sich die Fraktion bei der Rede des israelischen Präsidenten im Bundestag verhalten?
          Bitte recht freundlich für die Wähler: Delegierte lassen sich vor dem SPD-Logo während des Bundesparteitags fotografieren.

          Allensbach-Umfrage : Was die Wähler bei der SPD vermissen

          Auch mit der neuen Führung kommt die SPD nicht aus ihrem Umfragetief: Die Bürger vermissen bei den Sozialdemokraten die Leistungs- und Zukunftsorientierung. Ihr Themenspektrum ist zu verengt.
          Flugzeug von British Airways

          Coronavirus : British Airways setzt Flüge nach China aus

          Das Coronavirus breitet sich aus und einzelne Unternehmen treffen Notmaßnahmen: British Airways fliegt nicht mehr nach China, Toyota stoppt dort seine Produktion und Starbucks hat in der Volksrepublik mehr als die Hälfte der Filialen geschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.