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Bankenkrise : Stationen des Abstiegs der UBS

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Proteste vor der UBS im Oktober 2008: Die Demonstranten wollen sich nicht damit abfinden, dass die Manager der Großbank weiterhin Boni gezahlt bekommen Bild: REUTERS

Der Fall der UBS kam keinesfalls plötzlich. Erste Anzeichen des Abstiegs der Schweizer Großbank finden sich schon im Jahr 2007. Wir haben im Archiv gestöbert und die Stationen des Niedergangs dokumentiert.

          3 Min.

          Der Fall der UBS kam keinesfalls plötzlich. Erste Anzeichen des Abstiegs der Schweizer Großbank finden sich schon im Jahr 2007. Ein Rückblick.

          3. 5. 2007 Die UBS verkündet für das erste Quartal einen Gewinn von 3,3 Milliarden Franken. Gleichzeitig spürt auch sie die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt. Der Einbruch führt in ihrem Hedge-Fonds Dillon Read Capital Management (DRCM) zu einem Verlust von 150 Millionen Dollar. Der Fonds wird in die Investmentsparte überführt. Dabei entstehen weitere Kosten von rund 300 Millionen Dollar.

          6. 7. 2007 Vorstandsvorsitzender Peter Wuffli tritt überraschend zurück. Nachfolger wird Marcel Rohner. Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel kündigt an, noch drei weitere Jahre im Amt zu bleiben.

          14. 8. 2007 Die UBS hat mit 5,6 Milliarden Franken ein über Erwarten gutes Quartalsergebnis vorgelegt. Allerdings verunsichert die Bank die Märkte mit einem diffusen Ausblick auf das zweite Halbjahr. Einige Analysten sprechen von „einer Art Gewinnwarnung“.

          1. 10. 2007 Die Bank nennt einen vorläufigen Abschreibungsbedarf für das dritte Quartal von vier Milliarden Franken. Finanzvorstand Clive Standish und der Chef der Investmentbank, Huw Jenkins, müssen gehen.

          30. 10. 2007 Im dritten Quartal entstand ein Verlust von 726 Millionen Franken. Die Abschreibungen erreichen sogar 5,3 Milliarden Franken.

          10. 12. 2007 Die UBS steuert auf den ersten Jahresverlust ihrer Geschichte zu. Das Institut muss zusätzlich 11,2 Milliarden Franken im amerikanischen Subprime-Segment abschreiben. Gleichzeitig gibt die Bank bekannt, dass sich zwei ausländische Großinvestoren beteiligen: Der Staatsfonds GIC aus Singapur steigt mit elf Milliarden und ein weiterer Investor aus dem Nahen Osten mit zwei Milliarden Franken ein. Ospel lehnt in einem Gespräch mit der F.A.Z. persönliche Konsequenzen ab.

          30. 1. 2008 Der Konzernverlust für das vierte Quartal erreicht 12,5 Milliarden Franken. Als Folge des Missmanagements von Hypotheken in Amerika steht unter dem Strich 2007 ein Verlust von 4,4 Milliarden Franken oder umgerechnet 2,7 Milliarden Euro.

          27. 2. 2008 Die Aktionäre stimmen der Kapitalerhöhung um 13 Milliarden Franken zu, die den beiden neuen Aktionären ab März 2010 einen Anteil von rund zehn Prozent an der UBS sichern.

          1. 4. 2008 Die Bank muss weitere 19 Milliarden Franken oder umgerechnet 12,1 Milliarden Euro abschreiben. Für das erste Quartal fällt ein Verlust von mehr als 12 Milliarden Franken an. Zur neuerlichen Kapitalstärkung wird für die Generalversammlung am 23. April eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht der Aktionäre über rund 15 Milliarden Franken beantragt. Ospel, der als Hauptverantwortlicher für das Fiasko gilt, gibt seinen Verzicht auf eine Wiederwahl im April bekannt. Nachfolger wird Chefjurist Peter Kurer.

          7. 5. 2008 Die Bank kündigt an, bis Mitte kommenden Jahres 5500 Stellen zu streichen. Im Investmentbanking sollen bis Ende 2008 bis zu 2600 der knapp 22.000 Arbeitsplätze entfallen. Schon im Vorjahr waren dort 1500 Stellen abgebaut worden.

          16. 6. 2008 Amerikanische Behörden verdächtigen die UBS, für Steuerbetrüger in den Vereinigten Staaten tätig geworden zu sein. Ansatzpunkt ist der Prozess gegen den ehemaligen UBS-Kundenberater Bradley Birkenfeld, der dem russischen Milliardär Igor Olenicoff zur Steuerflucht verholfen haben soll. Im weiteren Verlauf fordern die Amerikaner die Herausgabe von Daten weiterer möglicher Steuersünder. (2. Juli). Kurer kündigt im November 2008 die mögliche Weiterleitung von Kundendaten an die amerikanischen Steuerbehörden an.

          8. 8. 2008 Die UBS kauft von Anlegern in den Vereinigten Staaten angesichts zivilrechtlicher Betrugsklagen illiquide Auktionsanleihen im Wert von 19 Milliarden Dollar zurück.

          3. 10. 2008 Die UBS will bis zum Jahresende weitere 2000 Stellen streichen. Die Zahl der Mitarbeiter im Investmentbanking wird demnach auf 17.000 zurückgehen.

          16. 10. 2008 Die Regierung in Bern kommt der UBS zu Hilfe. UBS, Regierung und Nationalbank (SNB) treffen folgende Vereinbarungen: Die Großbank darf bis zu 60 Milliarden Dollar an problembehafteten Papieren und zusätzlichen Wertschriften in eine Zweckgesellschaft auslagern. Sie stellt dafür bis zu sechs Milliarden Dollar Eigenkapital bereit. Die SNB gibt ein Darlehen über 54 Milliarden Dollar und wird Alleineigentümerin der Zweckgesellschaft. Die Schweizer Steuerzahler finanzieren das UBS-Kapital in der Zweckgesellschaft über eine Staatsbeteiligung an der Bank von sechs Milliarden Franken (5,3 Milliarden Dollar).

          9. 11. 2008 Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Peter Wuffli verzichtet auf insgesamt zwölf Millionen Franken (acht Millionen Euro) Boni und Abgangsentschädigungen.

          13. 11. 2008 Im Steuerstreit mit den Vereinigten Staaten suspendiert die UBS ihr Vorstandsmitglied Raoul Weil vom Dienst. Auch Marcel Ospel verzichtet zusammen mit seinen beiden damaligen Verwaltungsratskollegen Stephan Haeringer und Marco Suter auf Zahlungen von insgesamt 33 Millionen Franken (rund 21 Millionen Euro).

          19. 1. 2009 Die UBS rechnet mit einem Jahresverlust von bis zu 20 Milliarden Franken für das Krisenjahr 2008 und erwägt weiteren Stellenabbau

          10. 2. 2009 Der Rekordverlust ist amtlich: Die UBS meldet ein Minus von 19,7 Milliarden Franken für das Jahr 2008 - und blickt aber verhalten zuversichtlich auf das Jahr 2009

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