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Bankenfusion in Frankfurt : Neue Unruhe am Finanzplatz

Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank: In Frankfurt wird das Arbeitsplätze kosten. Bild: AP

Angesichts der möglichen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank könnten in Frankfurt viele Arbeitsplätze wegfallen. Bei diesem Problem könnte ausgerechnet der Brexit eine Hilfe sein.

          Der Finanzplatz Frankfurt zahlt für die Großmannssucht und die Herrenreiter-Attitüde einer Generation von Bankmanagern einen hohen Preis. Vor allem der einstige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann steht für ein vollends gescheitertes Konzept, mit dem die altehrwürdigen Großbanken über sich hinauswachsen wollten, ohne dass die Risiken zureichend bedacht wurden. Ihre weitaus bodenständigeren Nachfolger müssen jetzt die Scherben zusammenkehren und schauen, was sich daraus noch Sinnvolles formen lässt.

          Dass nun die Bundespolitik auf einen Zusammenschluss hinwirkt, muss einen nicht beruhigen. Oft genug ist am Finanzplatz Frankfurt kritisiert worden, dass sich Berlin nicht dafür interessiert, was in der Mainmetropole geschieht. Doch war eher daran gedacht, dass die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens erleichtert oder wenigstens nicht erschwert werden, etwa durch eine Finanztransaktionssteuer. Woher wollen der Finanz- und der Wirtschaftsminister in Berlin, die sich sonst höchstens auf eine Stippvisite in Frankfurt sehen lassen, auf einmal wissen, dass allein eine Fusion beider Großbanken die seligmachende Lösung für den Finanzplatz ist?

          Wie auch immer die Gespräche in den nächsten Monaten ausgehen – Frankfurt wird sich auf einen kräftigen Abbau von Arbeitsplätzen einstellen müssen. Das ist seit längerem absehbar, weshalb es umso wichtiger ist, dass die Wirtschaftsförderer bei der Ansiedlung von Brexit-Flüchtlingen gute Arbeit geleistet haben. Niemand in der international ausgerichteten Mainmetropole hat den Austritt Großbritanniens aus der EU gewollt. Aber wenn er schon kommt, ist es legitim, sich als Ersatzstandort für Kreditinstitute, die von London aus keine Geschäfte mehr in der Union machen dürfen, ins Gespräch zu bringen.

          Nach wie vor gilt die Ansiedlung von mehreren tausend Stellen als möglich. Sie sind höchst willkommen, wenn es zum großen Aderlass bei der Deutschen Bank und der Commerzbank kommt. Überhaupt muss einem wegen der neuen Nachrichten nicht per se um den Finanzplatz bange werden, der nach wie vor die größte deutsche Börse und mit der DZBank, der Helaba und der Förderbank KfW drei gut aufgestellte Häuser beherbergt, um die sich Hunderte weiterer Unternehmen scharen. Klar ist allerdings auch, dass der Konsolidierungsprozess in der Branche andauert. Mittelfristig wird sich Frankfurt deshalb von den Banken unabhängiger machen müssen, so schwer das auch ist. Eine Strategie dafür ist überfällig, bisher aber nirgendwo zu erkennen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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