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Banken : WestLB-Chef Sengera unter Beschuß

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Hohe Verluste und geplatzte Auslandskredite haben den Vorstandsvorsitzenden der Westdeutschen Landesbank, Jürgen Sengera, ins Gerede gebracht. Der Aufsichtsrat dementiert jedoch Gerüchte über eine Ablösung Sengeras.

          hpe. FRANKFURT, 4. Juni. Hohe Verluste und geplatzte Auslandskredite haben den Vorstandsvorsitzenden der Westdeutschen Landesbank, Jürgen Sengera, ins Gerede gebracht. Sogar über einen Wechsel an der Vorstandsspitze denke die Landesregierung jetzt nach, berichtete eine Tageszeitung. Das Dementi folgte postwendend von Bernd Lüthje, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der WestLB AG. "Entgegen anders lautenden Meldungen in der Presse ist niemand auf der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden für die WestLB", sagte Lüthje am Mittwoch. "Sengera hat bei der großen Aufgabe, die Bank auf die Zeit nach Wegfall von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung vorzubereiten, seit seinem Amtsantritt Enormes geleistet." Unter dem Vorstandsvorsitzenden Sengera, der erst im Herbst 2001 die Nachfolge des umstrittenen Friedel Neubers angetreten hatte, ist die Landesbank in ein öffentlich-rechtliches Förderinstitut und in eine Geschäftsbank geteilt worden. Im Umfeld der Bank hieß es, mit den Personaldiskussionen werde dem frisch privatisierten Institut bewußt Schaden zugefügt.

          Unterdessen ist bekannt geworden, daß der Aufsichtsrat sehr wohl über Personalien und über eine neue Strategie der WestLB AG beraten wird. Ursprünglich war dafür eine routinemäßige Sitzung am 16. September vorgesehen, in der Sengera das neue Strategiepapier vorstellen sollte. Doch nun soll alles viel schneller gehen. Bei der Landesbank Nordrhein-Westfalen, der Eigentümerin der WestLB, will man zunächst die Sonderprüfung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) abwarten. Gegenstand dieser Prüfung ist die mißglückte Finanzierung des Fernsehverleihgeschäfts der britischen Firma Boxclever, die bei der WestLB zu einer Wertberichtigung von mehr als 330 Millionen Euro geführt haben soll. WestLB-Aufseher Lüthje hofft, daß bis Mitte Juni die Ergebnisse der BaFin vorliegen. Im Juli könnte er dann eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen, ist zu hören.

          Nach einer Reihe von Pleiten und Pannen und einem überraschend hohen Rekordverlust von 1,7 Milliarden Euro steht der gesamte WestLB-Vorstand unter Druck. Auch wenn sich Lüthje mit seiner gestrigen Erklärung demonstrativ hinter seinen Vorstandsvorsitzenden Sengera stellt, scheint eine Umbildung des übrigen Vorstands unausweichlich. Im Eigentümerkreis hält sich das hartnäckig das Gerücht, daß die WestLB-Vorstände Adolf Franke und Johannes Ringel zur Verantwortung gezogen werden sollen. Franke und Ringel, beide 61 Jahre alt, könnten vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet werden, heißt es. Auch die umtriebige Investmentbankerin Robin Saunders steht angeblich zur Disposition. Die Amerikanerin, seit 1998 für die WestLB in London, muß einige Millionen-Flops verantworten, so auch Boxclever.

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