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Banken : HVB erhöht Kapital über Umwege

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Die Hypo-Vereinsbank will mit einem Teilbörsengang der Tochtergesellschaft Bank Austria-Creditanstalt ihr Eigenkapital stärken. Die HVB verzichtet zugleich auf eine Wandelanleihe. Bis Jahresende sollen weitere 2000 Stellen gestrichen werden.

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          Die Münchener Hypo-Vereinsbank (HVB) will mit einer Kapitalerhöhung über Umwege, Stellenstreichungen und dem Abbau von Risikoaktiva aus der Krise finden. Die HVB hatte im vergangenen Jahr den ersten Verlust in der Unternehmensgeschichte mit minus 821 Millionen Euro vor Steuern verzeichnet. In diesem Jahr will die HVB im operativen Geschäft einen Gewinn von 300 bis 600 Millionen Euro erzielen. Das sagte HVB-Vorstandssprecher Dieter Rampl auf der Bilanz-Pressekonferenz der zweitgrößten deutschen Bank.

          Laut Angaben Rampls benötigt die HVB frisches Eigenkapital in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Der HVB-Chef hatte schon zuvor als Ziel für dieses Jahr vorgegeben, die Kernkapitalquote der Bank auf rund sieben Prozent von zuletzt 5,6 Prozent zu verbessern. Zudem sollen die Risikoaktiva um rund ein Drittel oder 100 Milliarden Euro reduziert werden.

          Kapitalerhöhung über Umwege

          Einen Teil der benötigten Mittel soll ein Teilbörsengang der Tochtergesellschaft Bank Austria-Creditanstalt bringen. Die HVB überraschte vor der Bilanz-Pressekonferenz mit dieser Nachricht. 25 Prozent der Bank Austria-Creditanstalt sollen noch bis Ende Juni an der Börse in Wien angeboten werden, verbunden mit einer entsprechenden Kapitalerhöhung. Die Bank Austria war 2001 vollständig in die HVB integriert worden.

          Auf Sanierungskurs: HVB-Chef Rampl und Finanzvorstand Sprißler
          Auf Sanierungskurs: HVB-Chef Rampl und Finanzvorstand Sprißler : Bild: AP

          Preisvorstellungen gab Rampl nicht bekannt. Er sagte, die HVB erhöhe mit den Erlösen des Börsengangs der Bank Austria-Creditanstalt ihr Kapital auf eine „effiziente Weise“, weil „massive Verwässerungseffekte für die HVB-Aktionäre vermieden würden“.

          Keine Wandelanleihe

          Der Börsengang der Bank Austria schließe eine Wandelanleihe aus, sagte HVB-Finanzvorstand Wolfgang Sprißler. Ende Februar erst hatten Presseberichte aufgeschreckt, nach denen die HVB mit einer Zwangswandelanleihe von drei bis vier Milliarden Euro ihre Kapitalbasis stärken wolle. Rampl hatte eine solche Wandelanleihe bis zuletzt nicht ausgeschlossen. Zwangswandelanleihen werden zum Schluss ihrer Laufzeit in Aktien umgetauscht und würden so den Aktienkurs der HVB drücken. Das wird durch den Teilbörsengang der Bank Austria vermieden.

          Analysten beurteilte den angestrebten Teilverkauf in ersten Reaktionen positiv. So sagte Georg Kanders von WestLB Panmure: „Die Entscheidung ist unternehmerisch klug. Ich gehe davon aus, dass mit dem Börsengang rund 1,25 Milliarden Euro neues Kapital in den HVB-Konzern kommt.“

          „Real Estate Bank“ ab Oktober

          Die HVB bestätigte Meldungen, dass die geplante Abspaltung des gewerblichen Immobiliengeschäfts zum 1. Oktober rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres erfolgen solle. Dafür werde die HVB ihren Aktionären für je vier HVB-Anteilsscheine je einen der neuen Hypo Real Estate Holding AG ausreichen.

          Der neue Immobilienkonzern soll mit so viel Kapital ausgestattet werden, dass seine Kernkapitalquote bei rund sieben Prozent liege. Dafür benötigt die HVB zwar Kapital, im Gegenzug aber gliedert sie Risikoaktiva aus ihrer eigenen Bilanz aus. Die HVB folgt damit dem Weg anderer deutscher Geschäftsbanken.

          Die HVB übernimmt eine Risikoabschirmung von insgesamt 590 Millionen Euro für die Hypo Real Estate Bank in Deutschland. Diese Abschirmung enthalte zugleich einen Besserungsschein für die HVB für den Fall, dass die gebildete Vorsorge nicht in Anspruch genommen werden muss, heißt es.

          Die Hauptversammlung werde am 14. Mai über die Abspaltung abstimmen, gab Rampl bekannt. Als CEO werde Georg Funke, als Finanzvorstand Markus Fell und als Chief Risk Officer (CRO) Frank Lamby fungieren.

          2000 weitere Stellen fallen weg

          Die Bank will bis Jahresende weitere 2000 Stellen vor allem in Deutschland streichen. Erst Ende Februar hatte die HVB von zusätzlich 1000 wegfallenden Stellen gesprochen. Insgesamt liegt die Zahl der angekündigten Stellenstreichungen nun bei 11.000. Ende des vergangenen Jahres hatte die Bank noch 65.900 Mitarbeiter beschäftigt. Die Stellenstreichungen sollen 200 bis 400 Millionen Euro weniger Kosten bringen.

          Gewinne aus Verkäufen ungewiss

          Geld in die Kasse der HVB sollen zudem Verkäufe von nicht strategischen Beteiligungen spülen. Immer wieder genannt werden in diesem Zusammenhang die „Ertragsperle“ Norisbank, die Vereins- und Westbank und auch die Direktbank DAB.

          Derzeit sei es aber noch viel zu früh, die Höhe der Gewinne aus dem Verkauf nicht strategischer Beteiligungen abschließend prognostizieren zu können, sagte Rampl. Bei den in Aussicht gestellten Beteiligungsverkäufen sei weiterhin “alles auf dem Tisch“.

          Risikovorsorge soll deutlich sinken

          Ungeachtet der weiter hohen Zahl von Insolvenzen rechnet die HVB bei der Risikovorsorge in diesem Jahr mit einem Rückgang auf 2,3 bis 2,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte die HVB für ihr Kreditbuch eine Risikovorsorge von 3,8 Milliarden Euro gebildet. Angesichts der erhöhten Refinanzierungskosten und einem niedrigeren Kreditvolumen dürfte der Zinsüberschuss diesmal unter Vorjahresniveau liegen, sagte Rampl.

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