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Banken : Gontard & Metallbank wohl vor dem Aus

  • Aktualisiert am

Finaler oder vorübergehender Zustand bei der Gontard & Metallbank Bild: dpa

Das Aus für die Frankfurter Gontard & Metallbank ist ohne den Einstieg eines Investors wohl nicht mehr abzuwenden.

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          Das Aus für die Frankfurter Gontard & Metallbank ist ohne den Einstieg eines Investors wohl nicht mehr abzuwenden. Das Institut kann im Gegensatz zur Nürnberger SchmidtBank offenbar nicht auf die Hilfe der deutschen Großbanken zählen.

          Er sehe im Moment keine Auffanglösung für Gontard, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Damit muss die Gontard & Metallbank auf einen erfolgreichen Abschluss der Gespräche mit potenziellen Investoren hoffen. Die Gespräche, die schon seit einiger Zeit andauern, haben allerdings bislang noch keine greifbaren Ergebnisse gebracht.

          Massentlassungen stehen bevor

          Handfeste Folgen gab es am Dienstagmorgen indes für die Belegschaft der Bank. Die Mitarbeiterversammlung musste die Hiobsbotschaft entgegennehmen, dass schlichtweg die Hälfte des Personals abgebaut wird. Am späten Montagabend war noch von “nur“ erheblichen Personaleinschnitten die Rede gewesen, die Institutskreise auf maximal 30 Prozent beziffert hatten. Die Details des massiven Stellenschnitts müssen dem Sprecher zufolge noch mit dem Betriebsrat besprochen werden. Bei einer solchen “Massenentlassung“ werde auf jeden Fall ein Sozialplan ausgearbeitet, kündigte er weiter an.

          Doch der Personalabbau dürfte nicht der letzte drastische Schnitt bei Gontard gewesen sein. Wie die Bank bekräftigte, soll das gesamte Kreditportfolio veräußert werden. Hier war in den vergangenen Tagen schrittweise ein immer höherer Wertberichtigungsbedarf bekannt geworden. Der Grund: Als Sicherheit für gewährte Kredite akzeptierte das sehr stark bei Emissionen am Neuen Markt engagierte Haus Aktien der betreffenden Unternehmen. Doch anhaltende Kursrückgänge der hinterlegten Papiere machten immer neue Wertberichtigungen notwendig, bis in Konsequenz das Grundkapital der Bank um mehr als die Hälfte aufgezehrt war.

          Weitere Wertberichtigung denkbar

          Dies hatte wiederum die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) auf den Plan gerufen, die Nachfolgebehörde des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAKred). Die BAFin ordnete ein Moratorium nach Paragraf 46a KWG und damit die Schließung der Schalter für den Kundenverkehr an (siehe Link). Seitdem ist es der Bank nicht mehr möglich, Verfügungen über Einlagen zuzulassen.

          Weitere Brisanz erhält die Lage durch die Großaktionärin von Gontard, der Beteiligungsgesellschaft Gold-Zack. Auch mit deren Aktien bzw einer Wandelanleihe sollen Gontard-Kredite besichert sein. Die Gold-Zack-Papiere hatten am Berichtstag indes um bis zu 25 Prozent nachgegeben. Weiterer Wertberichtigungsbedarf ist Beobachtern zufolge somit nicht ausgeschlossen.

          „Tragische Situation“ für Bankkunden

          Der Gontard-Sprecher verwies darauf, dass nicht nur die Belegschaft bereits negative Konsequenzen zu tragen habe. Auch für einige der rund 17.000 Privatkunden sei eine „tragische Situation“ entstanden. Es gebe darunter durchaus solche, die ihre Lohn- und Gehaltszahlungen über ihr Gontard-Konto abwickelten. „Da geht nichts mehr“, fügte der Sprecher hinzu. Doch selbst die nach dem 50-Prozent-Schnitt verbleibende Belegschaft kann angesichts der angekündigten Fokussierung auf rentable Bereich wohl nicht aufatmen. Auch ein möglicher Investor wird um Aufräumarbeiten nicht umhinkommen.

          Das Moratorium soll der Bank dem BdB zufolge Zeit schaffen, einen überzeugenden Restrukturierungsplan vorzulegen. Erfahrungsgemäß dauere ein solches Moratorium, bei dem der Vorstand im Amt bleibe, sechs bis acht Wochen. Falls es der Bank nicht gelingt, in dieser Zeit einen überzeugenden Plan vorzulegen, droht ihr dem BdB-Sprecher zufolge die Insolvenz. Unterdessen bestätigte die Bank die Verschiebung der für ursprünglich 6. Mai geplanten Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen. Diese würden nun noch im Laufe des Monats veröffentlicht, ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest.

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