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Banken : Die Rechnung, bitte!

Banker im Regen: am Finanzplatz London Bild: dapd

Jahrelang soll ein Ring von Bankenhändlern die Wechselkurse manipuliert haben. In den nächsten Wochen drohen gewaltige Strafen und Schadensersatzforderungen. Mal wieder mittendrin: die Deutsche Bank.

          5 Min.

          Es ist ein Markt, der fast niemals schläft. Montagmorgens um fünf Uhr Ortszeit beginnen die Banker im australischen Sydney mit dem Währungshandel, und bis zum Freitagabend um 17 Uhr in New York geht das Jonglieren mit Dollar, Euro, Yen und Pfund ohne Unterbrechung weiter. In irgendeiner Zeitzone wird immer gehandelt. Das Geld jagt in einer endlosen Schleife zwischen Asien, Europa und Amerika um den Erdball. Eine gewaltige Menge Geld. Der Devisenhandel ist das größte Segment des Finanzmarkts. Auf rund 5,3 Billionen Dollar schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich den Tagesumsatz. Eine Summe anderthalbmal so groß wie die Wirtschaftsleistung Deutschlands in einem ganzen Jahr.

          Marcus Theurer
          (theu.), Wirtschaft

          Umso schlimmer ist der Verdacht: Rund um den Globus ermitteln Finanzmarktaufseher gegen zahlreiche internationale Banken, die diesen Blutkreislauf der Globalisierung über Jahre hinweg manipuliert haben sollen. Zum Kreis der Verdächtigen zählt auch die Deutsche Bank. Normalerweise halten Ökonomen Preise für umso zuverlässiger, je größer der Markt ist, auf denen sie ermittelt werden. Aber diese Gewissheit ist brüchig geworden. Die Ermittler vermuten, dass ein Ring von Devisenhändlern in den großen Banken die Kurse systematisch frisiert hat, um zu Lasten ihrer Kunden Gewinne einzustreichen. Nur fünf Institute kontrollieren rund 60 Prozent des Handels. Die Vorwürfe zielten „ins Herz der Integrität der Märkte“, sagte im Frühjahr der britische Zentralbankgouverneur Mark Carney.

          Deutsche Bank muss Rückstellungen für Rechtsrisiken aufstocken

          Jetzt naht der Tag der Abrechnung. Analysten erwarten, dass eine Reihe von Instituten – darunter auch die Deutsche Bank – bis Jahresende einen Vergleich schließen und dabei milliardenschwere Strafen akzeptieren werden. Vergangene Woche warnte die Schweizer UBS, die zu den Marktführern im Devisenhandel zählt, ihr drohten wegen der Tricksereien „erhebliche Geldbußen“. Die UBS und fünf weitere Institute – Barclays, Citigroup, HSBC, JP Morgan Chase und die Royal Bank of Scotland – verhandeln derzeit mit der britischen Aufsichtsbehörde FCA über einen Vergleich. Die FCA sei an die sechs Banken herangetreten, nicht aber an die Deutsche Bank, heißt es in Finanzkreisen in London. Die Ermittlungen gegen die Banken in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern gehen unabhängig von den Londoner Gesprächen weiter.

          Die Währungsmanipulationen sind für die Geldbranche brandgefährlich. „Aus Sicht der Investoren ist der Devisenfall derzeit das mit Abstand größte Rechtsrisiko der europäischen Institute“, sagt Kinner Lakhani, Bankenanalyst der Citigroup. „Das ist für die Banken potentiell ein größeres Problem als Libor“, warnt ein mit dem Thema befasster Anwalt. Der Skandal um die Manipulation der London Interbank Offered Rate (Libor) und anderer Referenzzinssätze hat die Branche bisher rund 6 Milliarden Dollar an Strafzahlungen gekostet. Die Rechnung für die Währungsbetrügereien dürfte wohl noch höher ausfallen.

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