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Banken : Deutsche Bank enttäuscht

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Dank Beteilungsverkäufen hat die Deutsche Bank ihren Vorsteuergewinn im vergangenen Jahr auf 3,5 Milliarden Euro verdoppelt. Im Kerngeschäft aber litt der Marktführer unter der Wirtschaftsflaute. Der Jahresabschluss blieb daher unter den Erwartungen von Analysten.

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          Die Deutsche Bank AG hat im vergangenen Jahr ihr Ergebnis vor Steuern mit 3,5 Milliarden Euro fast verdoppelt. Der Überschuss stieg auf 397 Millionen Euro von 167 Millionen Euro im Jahr davor. Dennoch blieb die größte deutsche Bank unter den Erwartungen der Analysten. Die Anteilseigner sollen für 2002 eine unveränderte Dividende von 1,30 Euro pro Aktie erhalten.

          Am Freitag nach Veröffentlichung der Bilanzdaten gaben Deutsche-Bank-Aktien deutlich nach.

          Die Deutsche Bank hat ihre Lage in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Beteiligungsverkäufen aufgebessert und auch Randaktivitäten wie die Wertpapierverwahrung abgestoßen. Der Ertrag aus Beteiligungsverkäufen lag 2002 bei 3,5 Milliarden Euro - gerade so hoch wie der Vorsteuergewinn.

          Spiegelglanz

          Im operativen Geschäft hat die Bank die Wirtschaftsflaute und die schwachen Aktienmärkte deutlich zu spüren bekommen. Bereinigt um die Beteiligungsverkäufe und andere Sonderfaktoren verringerte sich das Vorsteuerergebnis um 15 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss sank um 16 Prozent, das Ergebnis im Eigenhandel um ein Drittel auf vier Milliarden Euro.

          Die Deutsche Bank zählt in Europa zu den kaum profitablen Banken. Die Eigenkapitalrendite lag 2001 bei 1,1 Prozent, nach 2,3 Prozent im Vorjahr. Die größte schweizerische Bank, UBS, wies per September eine Rendite von 11,2 Prozent auf. Die britische HSBC meldete im Sommer 2002 eine Rendite von 23,3 Prozent.

          Ackermann: „2003 beginnt gut“

          Für das laufende Jahr ist die Deutsche Bank sehr optimistisch gestimmt. Vorstandssprecher Josef Ackermann, der seit Mai 2002 im Amt ist, sagte auf der Jahrespressekonferenz, die Geschäfte im Januar seien „ermutigend“ verlaufen. Die Bereiche hätten im Januar 2003 besser abgeschnitten als ein Jahr zuvor.

          Ackermann bestätigte, dass die Bank angesichts der derzeitigen Kapitalmarktbedingungen ihre Beteiligungsverkäufe zunächst nicht fortsetzen wolle. „Wir haben nicht mehr die Möglichkeit, irgendwelches Tafelsilber zu verkaufen.“ Die Bank wolle operativ leistungsfähig sein.

          Sein Haus wolle zunächst keine aktive Rolle in einer Konsolidierung des deutschen Bankensektors übernehmen, betonte Ackermann. Die Deutsche Bank sei gut aufgestellt und habe eine gute Marktposition. Im Moment sei nicht die Zeit, an große Fusionen zu denken.

          Kostensenker am Werk

          Die Bank hebt hervor, dass es ihr gelungen sei, die Kosten stärker zu verringern als die Erträge fielen. Börsen- und Konjunkturflaute ließen zwar die bereinigten Erträge um zehn Prozent auf 22,8 Milliarden Euro sinken. Die „operative Kostenbasis“ sei aber um 14 Prozent auf 19 Milliarden Euro gesunken.

          Laut Ackermann verbesserte sich die bereinigte Aufwands-Ertrags-Relation im vergangenen Jahr auf 83 von 87 Prozent. Er bezeichnete auch dieses Verhältnis als zu hoch.

          Zum laufenden Stellenabbau sagt Ackermann, rund 80 Prozent oder rund 11.000 der 14.000 Stellen, die bis Ende 2003 wegfallen sollen, seien bereits gestrichen. Die notwendigen Maßnahmen seien mit dem Betriebsrat soweit nötig vereinbart. „Arbeitswirksam“ zählte die Bank im vergangenen Jahr 77.442 Mitarbeiter.

          „In Deutschland werden wir wie bekannt nicht mehr als 3.000 Stellenstreichungen in diesem Jahr vornehmen", sagte Personalvorstand Tessen von Heydebreck am Freitag.

          Kreditvorsorge verdoppelt

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