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Banken : Commerzbank mit Milliardenverlust

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Bild: FAZ.NET

Die Commerzbank schreibt Beteiligungen von 2,3 Milliarden Euro ab. Für institutionelle Anleger werden rund 53,3 Millionen neue Aktien angeboten. Die Bilanzbereinigung nährt Spekulationen über Fusionsgespräche.

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          Die Commerzbank hat im dritten Quartal auf ihre börsennotierten Beteiligungen rund 2,3 Milliarden Euro abgeschrieben und weist deshalb für das abgelaufene Quartal einen Nettoverlust in dieser Größenordnung aus. Außerdem werde die Bank noch am Mittwoch mit einer Kapitalerhöhung ohne Bezugsrechte an den Markt gehen, teilte das Kreditinstitut am Mittwoch in einer Pflichtveröffentlichung mit.

          Die Bank bemühte sich, Spekulationen über die Sonderabschreibungen entgegenzutreten: Man befinde sich zur Zeit nicht in konkreten Verhandlungen über eine Fusion oder eine Übernahme, sagte ein Sprecher. Zuvor hieß es im Markt, die Braut putze sich offenbar kurzfristig für einen Bräutigam heraus. Analysten sagten, die Abschreibung sei zu diesem Zeitpunkt nur sinnvoll im Zusammenhang mit einer sich anbahnenden Fusion oder Übernahme. Eine bereinigte Bilanz werde häufig als Voraussetzung einer solchen Transaktion angesehen. Die Commerzbank habe mit der Sonderabschreibung die Voraussetzungen für ihre Verschmelzung mit einer anderen Bank geschaffen.

          „Position der Stärke“

          Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller sagte, die Commerzbank könne nach der Abschreibung „mit möglichen nationalen oder internationalen Partnern aus einer Position der Stärke agieren“. Die Neubewertung im Wertpapier- und Beteiligungsportfolio erlaube eine aktive und gestaltende Rolle im bevorstehenden Konsolidierungsprozess. Das beziehe sich sowohl auf die Konsolidierung innerhalb der privaten Banken als auch zwischen den drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft.

          Nicht alles Gold, was glänzt
          Nicht alles Gold, was glänzt : Bild: dpa

          Die Aktie gab am Morgen sechs Prozent auf 14,38 Euro nach und war größter Verlierer im Deutschen Aktienindex (Dax). Anschließend legte der Anteilsschein aber wieder leicht zu.

          Für die kommenden Jahre sei ein zügiger Abbau von Beteiligungen vorstellbar. Voraussetzung sei aber, daß dabei Realisierungsgewinne erzielt würden, sagte Müller. Durch die marktkonforme Bewertung des Beteiligungsportfolios sei dessen Veräußerbarkeit entscheidend verbessert worden. Die Commerzbank könne dann verkaufen, wenn sie es für richtig halte. Bereits am Vortag habe die Commerzbank ihre zweiprozentige T-Online-Beteiligung verkauft, dabei sei ein größerer zweistelliger Millionen-Euro-Betrag erzielt worden. Jetzt habe sein Institut stille Reserven von einer Milliarde Euro, sagte Müller.

          Keine Dividende

          In der Mitteilung der Commerzbank hieß es: „Für das Gesamtjahr ist ein Fehlbetrag in der Größenordnung von zwei Milliarden zu erwarten." Dies lasse eine Dividende für 2003 nicht zu, Genußscheine würden aber voll bedient. Unter dem Strich weist die Bank für das dritte Quartal einen Verlust nach Steuern aus von 2,305 Milliarden Euro.

          Im Zuge der Kapitalerhöhung ohne Bezugsrechte sollen institutionellen Anlegern insgesamt 53,3 Millionen neue Aktien angeboten werden. Zu Schlußkursen am Dienstag von 15,30 Euro würde die Bank damit rund 810 Millionen Euro erlösen.

          Münchener Rück mach Kapitalerhöhung nicht mit

          Der Commerzbank-Großaktionär Münchener Rück wird nicht an der Kapitalerhöhung des Frankfurter Geldinstituts teilnehmen. „Die Münchener Rück wird nicht teilnehmen. Unser Anteil wird unter zehn Prozent sinken und wie Sie wissen, wollen wir unser Banken-Exposure nicht erhöhen", sagte ein Sprecher des weltgrößten Rückversicherers am Mittwoch. Sein Unternehmen sei in einer guten „Beobachterposition". Italiens größtes Versicherungsunternehmen Generali tendiert nach Angaben aus Marktkreisen ebenfalls nicht dazu, sich an der angekündigten Kapitalerhöhung der Commerzbank zu beteiligen.

          Operativ erfüllte die Bank trotz eines schwachen Handelsergebnisses fast die Analystenerwartungen. Ohne die Abschreibungen lag das Ergebnis vor Steuern bei 72 Millionen Euro, während von Reuters befragte Analysten 75 Millionen erwartet hatten. Der Zinsüberschuß sei auf 662 (Vorquartal: 746) Millionen gefallen und der Eigenhandel noch deutlicher gesunken auf 107 (278) Millionen Euro. Analysten hatten hier im Schnitt immerhin 184 Millionen Euro erwartet.

          Im dritten Quartal reduzierte die Bank den Angaben zufolge ihre Risikovorsorge für faule Kredite auf 273 (303) Millionen Euro und drückte die Verwaltungsaufwendungen weiter auf 1,078 (1,141) Milliarden Euro. Im Laufe des Vormittags wollte die Commerzbank ihre Zahlen und Pläne erläutern.

          Nur ein kurzer Schock am Markt?

          Die Papiere der Commerzbank wurden vorbörslich mit einem Abschlag von gut fünf Prozent taxiert. Analysten rechnen aber nicht mit nachhaltigem Druck auf der Aktie. „Die Abschreibungen an sich sind ok. Der Zeitpunkt ist nur recht überraschend, denn im dritten Quartal hat der Markt sich nicht wesentlich verschlechtert - das verwundert schon", sagte Metehan Sen von Sal Oppenheim. Am Aktienmarkt dürfte die Bewertung nach einem kurzen Schock positiv aufgenommen werden. Sal. Oppenheim behält die Commerzbank auf „outperformer".

          Die Münchener HVB - mittlerweile nach Börsenwert nur noch knapp vor der Commerzbank - kam im dritten Quartal dank des Verkaufes der Norisbank auf 196 Millionen Euro nach Steuern und der Branchenprimus Deutsche Bank verdiente 576 Millionen.

          Zu den größten börsennotierten Beteiligungen der Bank außerhalb des Finanzbereiches zählten zum Halbjahr Pakete an der der Heidelberger Druckmaschinen (10 Prozent), Linde (10 Prozent), MAN (6,8 Prozent). Den 10,5-prozentigen Anteil am Heiztechnik-Spezialisten Buderus hatte die Bank im zweiten Quartal verkauft und dabei einen Netto-Gewinn von 50 bis 60 Millionen Euro erzielt. Außerdem ist die Bank an der spanischen Bankengruppe SCH mit gut zwei Prozent beteiligt und hält etwa 4,3 Prozent an der italienischen Banca Intesa sowie 1,4 Prozent an der ebenfalls italienischen Versicherungsgruppe Generali.

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