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Banken : Commerzbank fährt Verlust ein

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Die Commerzbank schließt 2002 mit einem Verlust von 298 Millionen Euro ab. Als Geste an die Aktionäre soll eine Dividende von 10 Cent pro Aktie gezahlt werden. Chef Klaus-Peter Müller will die Kosten weiter senken.

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          Die Commerzbank hat das Geschäftsjahr 2002 nach vorläufigen Zahlen mit einem Verlust abgeschlossen. Das Vorsteuerergebnis der drittgrößten deutschen Privatbank lag bei minus 372 Millionen Euro. Der Verlust belief sich auf 298 Millionen Euro. Für die Commerzbank ist es der erste Verlust seit Jahrzehnten.

          Trotz des schlechten Ergebnis will Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller eine Dividende von 10 Cent je Aktie vorschlagen - „als Geste an die Aktionäre“. Im vergangenen Jahr schüttete die Commerzbank eine Dividende von 40 Cent pro Aktie aus, bei einem Vorsteuerergebnis von 43 Millionen Euro.

          Für das laufende Jahr erwartet die Bank wieder einen Gewinn. „Wir schaffen 2003 den Turnaround, wenn nicht die gesamte Wirtschaft kollabiert und die Risiken völlig aus dem Ruder laufen,“ sagte Müller. Für eine Gewinnschätzung aber sei es noch zu früh.

          Düstere Zeiten

          Konzentration auf Kerngeschäft

          Insgesamt will sich das Institut stärker auf seine Kerngeschäftsfelder des Filial- und Firmenkundengeschäfts konzentrieren, nachdem es seine außereuropäischen Aktivitäten im Investmentbanking schon deutlich zurückgefahren hat. Müller kündigte an, den Verkauf von nichtstrategischen Beteiligungen im Finanz- wie im Industriebereich „aktiv voranzutreiben". Damit soll auch das Geld für eventuelle Zukäufe erlöst werden, die die Vertriebsbasis vergrößern könnten.

          Die Commerzbank leidet wie alle deutschen Banken unter der Wirtschaftsflaute und der Börsenkrise. So blieben der Zins- und Provisionsüberschuss und vor allem der Eigenhandel hinter den Vorjahrsergebnissen zurück. Grund für den Verlust im - so Müller - „Jahr des Schreckens“ waren zudem deutlich höhere Rückstellungen für möglicherweise faule Kredite sowie Wertberichtigungen bei Beteiligungen.

          Der Verlust wäre 2002 noch höher ausgefallen, hätte die Commerzbank im vierten Quartal nicht ihren 3,9-prozentigen Anteil an der französischen Bank Credit Lyonnais verkauft. Daraus hat die Commerzbank 386 Millionen Euro erlöst.

          Die vorläufigen Zahlen hat die Commerzbank am Mittwoch bekannt gegeben. Die Daten entsprechen grosso modo den Zahlen, die schon am Montagabend über die Nachrichtenagentur Reuters durchgesickert waren.

          Hoher Restrukturierungsaufwand

          Das vierte Quartal mit einem Konzernverlust von 417 Millionen Euro vor Steuern hat der Commerzbank die Jahresbilanz verhagelt. Dabei hat die Bank hohen Restrukturierungsaufwand im Schlussquartal gebucht. Das sollte sich entlastend auf die Ergebnisse im laufenden Jahr auswirken. Weitere Rückstellungen für Restrukturierungen aber sind schon geplant.

          Insolvenzwelle belastet

          Gleichzeitig hat die Insolvenzwelle eine kräftige Aufstockung der Risikovorsorge erfordert. Die Risikovorsorge entspricht mit 1,32 Milliarden Euro genau den Ankündigungen. Müller sagte: „Wir haben unsere Risiken im Griff.“ Im Vorjahr hatte die Bank 927 Millionen Euro für faule Kredite zurückgestellt. Müller geht davon aus, dass der Höhepunkt der Insolvenzkurve in Deutschland 2002 erreicht worden sei. Dies werde der Bank dabei helfen, die Risikovorsorge zu senken.

          Ziel sei es, die Risikovorsorgequote in den kommenden Jahren „signifikant zu drücken“. Das solle aber nicht durch Kreditverweigerung erreicht werden, sagte Müller. Allerdings sei auch das „Gießkannenprinzip“ früherer Jahre vergangen. Ziel der Bank sei eine risikobewusste Kreditversorgung des Mittelstands. 2002 war die Risikovorsorgequote auf 0,76 Prozent nach 0,39 Prozent gestiegen.

          Erfolge bei Kostensenkung

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