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Banken : Bei Umschuldung hoher Kapitalbedarf der Kreditinstitute

Gleichwohl wird von Bankaufsehern nicht bestritten, dass sich eine Eigenkapitallücke im europäischen Bankensystem auftäte, wenn Staatsanleihen abgeschrieben werden müssten. Die europäischen Banken haben zwar seit der Insolvenz von Lehman ihre Eigenkapitalbasis durch einbehaltene Gewinne und Kapitalerhöhungen von 200 Milliarden Euro auf mehr als 600 Milliarden Euro gestärkt. Doch nach den von 2013 an schrittweise geltenden schärferen Regeln „Basel III“ werden etwa Unternehmenskredite höher gewichtet, so dass durch Basel III die risikogewichteten Aktiva steigen und damit die Kernkapitalquoten sinken. Daher kommt JP Morgan allein durch Basel III auf eine Kapitallücke im europäischen Bankensystem von insgesamt 110 Milliarden Euro. Hinzu kommen mit wachsender Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls von europäischen Staatsanleihen Verluste, die dann von Banken gegen das Eigenkapital verrechnet werden müssten. Daher kommt JP Morgan auf eine Kapitallücke von insgesamt 150 Milliarden Euro.

Kapitalbedarf deutscher Banken ist mit am höchsten

Mit am höchsten ist der Kapitalbedarf unter den deutschen Banken. Nach einer Untersuchung von Ernst & Young haben die 13 größten deutschen Banken - Deutsche Bank, Commerzbank, Deka, DZ, WGZ und Hypo Real Estate sowie die Landesbanken Bayern LB, Helaba, HSH Nordbank, Landesbank Berlin, LBBW, Nord LB und West LB - ihr Eigenkapital vom zweiten Quartal 2010 bis zum zweiten Quartal 2011 von 136 auf 151 Milliarden Euro erhöht. Und ihre Griechenland-Engagements haben diese 13 deutschen Banken bisher im Schnitt um 26 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro verringert. Doch JP Morgan macht in ihrem weiter reichenden Szenario einer Umschuldung von fünf europäischen Staaten und den höheren Eigenkapitalanforderungen nach Basel III allein für die Deutsche Bank einen Kapitalbedarf von 9,7 Milliarden und für die Commerzbank von 5,1 Milliarden Euro aus. Nähme man die Landesbanken noch hinzu, kommen Fachleute unter der Hand auf Schätzungen von mehr als 20 Milliarden Euro Kapitalbedarf für deutsche Banken.

Französische Regierung wirbt für Zwangs-Rekapitalisierung

Ähnlich hoch erscheint der Kapitalbedarf in Frankreich. Die Regierung in Paris soll am 11. September die fünf größten Banken versammelt haben und für eine Zwangs-Rekapitalisierung geworben haben. 10 bis 15 Milliarden Euro seien im Gespräch gewesen, hieß es danach in französischen Medien. Doch bislang widersetzten sich die französischen Banken.

Auf einen Rekapitalisierungsbedarf der griechischen Banken von bis zu 30 Milliarden Euro kommen griechische Hochrechnungen für den Fall, sollte eine Wertberichtigung auf griechische Anleihen von 50 Prozent durchgesetzt werden. Lediglich die beiden Finanzinstitute Eurobank und Alphabank haben bei der Ankündigung ihrer Fusion vor einem Monat bekanntgegeben, dass sich Qatar bei der neuen Bank mit frischem Kapital beteiligen werde. Weitere Kapitalerhöhungen sind zuletzt weder erfolgt noch angekündigt worden. Die sechs größten griechischen Banken halten 41,6 Milliarden Euro aller griechischen Anleihen von 285 Milliarden Euro. Der Wertberichtigungsbedarf bei den Pensionskassen könnte weitere 15 Milliarden Euro erreichen.

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