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Banken : Bayerische Nebelbomben

  • Aktualisiert am

Die BayernLB kämpft gegen die Kritik. Gegen die Veröffentlichung ihrer Versäumnisse bei Kirch-Krediten will die Bank Strafanzeige erstatten.

          Die Bayerische Landesbank (Bayern LB) steht aufgrund der umstrittenen Kredite an die Kirch-Gruppe weiter im Kreuzfeuer der Kritik. Wegen der an die Öffentlichkeit gelangten Vorwürfe der Bundesanstalt für Finanzdienstleistung (BaFin) zur Kreditvergabe an Kirch will die Bayern LB nun mit einer Strafanzeige reagieren. Damit sei das Amtsgeheimnis verletzt worden, sagte Konzernchef Werner Schmidt.

          Nach Abschluss einer Sonderprüfung war die BaFin zu dem Schluss gekommen, die Landesbank habe bei mehreren Krediten die Sicherheiten der Kirch-Gruppe zu hoch bewertet. Die Behörde warf der Landesbank in dem Schreiben außerdem vor, sie habe sich nicht, wie vorgeschrieben, einen aktuellen beglaubigten Konzernabschluss der Kirch-Gruppe vorlegen lassen.

          Bayern LB muss Kirch-Kredite höher ansetzen

          Die Bayern LB hatte aufgrund des Schreibens der BaFin in der vergangenen Woche die Vorsorge für die Kirch-Kredite noch einmal um fünf Millionen Euro aufgestockt. Im schlimmsten Fall gehen der Landesbank demnach 884 Millionen Euro verloren. Im günstigsten Fall muss sich die Bayern LB für ihr Kirch-Engagement auf ein Minus von 248 Millionen Euro einstellen.

          Nach eigener Einschätzung werden die umstrittenen Kredite die Landesbank jedoch nicht ins Wanken bringen. Die Bayern LB könne ihr Kirch-Engagement „unter Beibehaltung der Dividende und zusätzlicher Substanzstärkung verkraften“, sagte Schmidt. Die Bayerische Landesbank, die je zur Hälfte den Sparkassen und dem Freistaat Bayern gehört, ist mit einem Engagement von rund zwei Milliarden Euro mit großem Abstand größter Kreditgeber der angeschlagenen Kirch-Gruppe.

          Bayern LB sorgt weiter für hohe Kreditausfälle vor

          Auch in diesem Jahr will die Bayerische Landesbank die gesamte so genannte Risikovorsorge, die Rückstellungen für ausfallbedrohte Kredite, bei 1,25 Milliarden Euro halten. Im vergangenen Jahr war die Bayern LB wegen der hohen Risikovorsorge tief in die roten Zahlen gerutscht. Das operative Ergebnis war im Vergleich zum Jahr 2000 um 527 Millionen Euro eingebrochen. Der gesamte Jahresüberschuss des halbstaatlichen Bankkonzerns hatte sich 2001 wegen gestiegener Kreditrisiken auf 254 Millionen Euro halbiert.

          Aufgrund des guten Betriebsergebnisses vor Risikovorsorge im ersten Halbjahr von plus 20,7 Prozent auf 682 Millionen Euro und der Trennung von Beteiligungen sieht Schmidt der Situation trotz der rund 40.000 für 2002 erwarteten bundesweiten Insolvenzen mit „relativer Gelassenheit“ entgegen.

          Verkauf von Beteiligungen wirkt sich positiv auf Bilanz aus

          Durch die Trennung von Teilen des Portfolios ergeben sich Schmidt zufolge Einmaleffekte von rund 750 Millionen Euro. Das voraussichtliche Betriebsergebnis vor Risikovorsorge und Bewertung soll sich im laufenden Geschäftsjahr ebenfalls auf dem Niveau des Vorjahres von rund 1,4 Milliarden Euro befinden. Der Zinsüberschuss hatte im ersten Halbjahr 1,26 (1,005) Milliarden Euro betragen.

          Schmidt wollte sich nicht dazu äußern, ob die Kirch-Kredite in dieser Höhe ein Fehler gewesen sind. Er sei der falsche Ansprechpartner, da er erst im vergangenen Jahr zur Bayern LB kam. Das Institut will aber seine Kontroll- und Steuerungssysteme verbessern.

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