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Banken : Ackermann fürchtet keine Übernahme der Deutschen Bank

  • Aktualisiert am

Deutsche-Bank-Chef Ackermann Bild: REUTERS

Die Deutsche Bank steigert im Schlußquartal ihren Überschuß und will eine höhere Dividende zahlen. Für sein Auftreten im Mannesmann-Prozeß entschuldigt sich Deutsche-Bank-Sprecher Ackermann.

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          Die Deutsche Bank hat dank eines zum Vorjahr starken Schlußquartals mit höheren operativen Erträgen und einer niedrigeren Risikovorsorge für faule Kredite 2003 ihren Jahresüberschuß wie erwartet gesteigert. Erstmals seit drei Jahren sollen die Aktionäre wieder eine höhere Dividende erhalten.

          Der Gewinn nach Steuern betrage für Oktober bis Dezember 436 Millionen Euro gegenüber einem Verlust von 105 Millionen Euro im Vorjahr, teilte Deutschlands größte Bank am Donnerstag mit. Für 2003 ergibt sich damit unter dem Strich ein Konzerngewinn von 1,4 Milliarden Euro nach - vor allem steuerlich bedingten - bescheidenen 397 Millionen Euro im Jahr davor.

          Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen setzte sich die Aktie der Deutschen Bank mit plus 1,4 Prozent an die Spitze im Dax und notierte um 12:06 Uhr bei 63,78 Euro.

          Bild: FAZ.NET

          Keine Konsolidierungsgespräche

          Die Deutsche Bank hat als erste der heimischen Großbanken ihr Jahresergebnis vorgelegt und dürfte dabei die inländische Konkurrenz hinter sich lassen. Im internationalen Vergleich hinkt der deutsche Branchenprimus aber weiter hinterher: Der Weltmarktführer Citigroup hatte im Schlußquartal 2003 mit 4,76 Milliarden Dollar ein vielfaches des gesamten Jahresüberschusses der Deutschen Bank eingefahren.

          Eine feindliche Übernahme des größten deutschen Finanzhauses schloß Ackermann jedoch aus. Sie würde unweigerlich einen Exodus von Führungskräften nach sich ziehen. „Die Deutsche Bank wäre ohne ihre 200 Spitzenleute nicht mehr dieselbe Bank. Das sieht auch ein möglicher Angreifer“, sagte Deutsche-Bank-Sprecher Josef Ackermann in Frankfurt auf der Jahrespressekonferenz. Derzeit führe sein Haus keine Konsolidierungsgespräche.

          Ackermann gibt sich zuversichtlich....

          „Das Jahr 2004 hat gut begonnen und wir sind zuversichtlich, daß unsere Wachstumsziele - falls die Weltwirtschaft und die finanzielle Märkte sich weiterhin positiv entwickeln - erreichbar sind", sagte Ackermann weiter.

          Ziel sei es, den im Kern um Beteiligungsverkäufe bereinigten Vorsteuergewinn wolle die Bank im laufenden Jahr auf 6,5 von 3,6 Milliarden Euro steigern. Dieser Anstieg um 80 Prozent soll hauptsächlich mit einem Ertragswachstum um zwei Milliarden Euro geschafft werden.

          Beim Verwaltungsaufwand sei ein Rückgang von 17,3 Milliarden Euro auf etwa 16 Milliarden Euro geplant. Die Risikovorsorge dürfte um weitere 400 Millionen Euro zurückgehen, ergänzte Ackermann. Personal will die Deutsche Bank im laufenden Jahr nur noch in sehr geringem Umfang abbauen. „Wir haben unsere Arbeit getan.“ In den vergangenen beiden Jahren hatte das Institut 15.000 Stellen abgebaut.

          ....und entschuldigt sich

          Für seinen umstrittenen Auftritt zu Beginn des Düsseldorfer Mannesmann-Prozesses, in dem Ackermann seit 21. Januar mit fünf weiteren ehemaligen Mannesmann-Managern und Aufsichtsratsmitgliedern vor Gericht steht, entschuldigte sich Ackermann. „Wenn der falsche Eindruck entstanden ist, ich respektiere nicht das Gericht, tut es mir leid“, sagte Ackermann. „Das war so nicht beabsichtigt.“

          Zur Klärung habe er der Vorsitzenden Richterin einen Brief geschrieben. „Die hat das verstanden. Das ist erledigt“, erklärte der Chef des größten deutschen Geldhauses. Der Vorstandssprecher war mit einem Foto in die Schlagzeilen geraten, das ihn unmittelbar vor Prozeßbeginn in Siegerpose zeigte. „Ich habe nicht im Traum daran gedacht, daß da so ein Sturm der Entrüstung los geht“, sagte Ackermann.

          Erwartungen der Analysten punktgenau erfüllt

          Mit ihren Ergebnissen erfüllte die Bank die Erwartungen der Analysten punktgenau. Sie hatten nach Steuern im Schlußquartal im Schnitt einen Gewinn von 432 Millionen Euro erwartet und für das Gesamtjahr 1,359 Milliarden Euro.

          Die Aktionäre der Bank sollen nach dem Gewinnsprung eine von 1,30 Euro auf 1,50 Euro pro Aktie erhöhte Dividende erhalten. Vor Steuern betrug der Gewinn 2003 den Angaben zufolge 2,8 Milliarden Euro und blieb damit unter dem Vorjahreswert von 3,549 Milliarden, der durch milliardenschwere Anteilsverkäufe geprägt war.

          Sorge um faule Kredite nimmt ab, Kapitalquote steigt

          Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft habe sich von 2,1 Milliarden Euro nahezu halbiert auf 1,1 Milliarden Euro. Die für die Refinanzierung und Einstufung durch die Rating-Agenturen mit entscheidende Kernkapitalquote sei zum Jahresende von 9,6 auf 10,0 Prozent gestiegen. Sie liegt damit über der von der Bank angepeilten Spanne von acht bis neun Prozent, was dem Institut weiteren Spielraum für das laufende Aktienrückkaufprogramm gibt.

          Das Institut setzte seinen Sparkurs, mit dem in den vergangenen Jahren ein Stellenabbau von 15.000 einherging, fort. Der Verwaltungsaufwand sank um 11 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro.

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