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Bangladesch : BBC: 19-Stunden-Schichten für Lidl-Textilien

  • Aktualisiert am

Textilarbeiter in Bangladesch protestieren für einen höheren Mindestlohn Bild: dpa

Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch, die auch für Lidl Hosen fertigt, müssen laut einem Medienbericht für Hungerlöhne 19-Stunden-Schichten leisten.

          In einer Textilfabrik in Bangladesch, in der offenbar auch der deutsche Discounter Lidl produzieren lässt, herrschen einem Fernsehbericht zufolge unmenschliche Arbeitsbedingungen. Die Arbeiter in der Fabrik Ha Meem Sportswear in der Hauptstadt Dhaka müssten für Hungerlöhne 19-Stunden-Schichten leisten, berichtete der britische Sender BBC am Montag. Zudem würden dort Brandschutzvorschriften missachtet und Stundenzettel gefälscht.

          Der Arbeitstag beginne um 7 Uhr morgens und ende um 2.30 Uhr in der Nacht, berichtete ein BBC-Reporter, der verdeckt vor den Werkstoren recherchierte und später als Einkäufer getarnt die Fabrik besuchte. Ein Arbeiter wurde mit den Worten zitiert, er verdiene pro Schicht umgerechnet 2,40 Euro. Laut BBC wurden in der Fabrik gerade 150.000 Paar Jeans und Latzhosen für Lidl gefertigt.
          Entgegen den Informationen habe die Unternehmensführung aber versichert, dass die Fabrik um 17.30 Uhr schließe und entsprechende Stundenzettel vorgelegt. Der Geschäftsführer wies auch Beobachtungen des BBC-Reporters zurück, wonach die Arbeiter in der Nacht zeitweise in dem feuergefährdeten Gebäude eingeschlossen worden seien.

          Die Lidl-Zentrale im baden-württembergischen Neckarsulm bezeichnete den Bericht, der am Montagabend ausgestrahlt werden sollte, dem Sender zufolge als besorgniserregend. Die Erkenntnisse verdeutlichten, wie wichtig es sei, die Arbeitsbedingungen in Bangladesch zu verbessern. Vor dieser Aufgabe stehe nicht nur Lidl, sondern der gesamte Einzelhandel.

          Bangladesch ist einer der größten Textilproduzenten der Welt. Viele westliche Unternehmen lassen in dem bitterarmen Land ihre Waren herstellen. Die Textilarbeiter in Bangladesch gehören zu den am niedrigsten  bezahlten der Welt. Die meisten bekommen den Mindestlohn, der 2010  nach wochenlangen Protesten auf 3000 Taka (knapp 30 Euro)  heraufgesetzt worden war. Eine Regierungskommission prüft die  derzeitige Forderung nach einer Erhöhung auf rund 8200 Taka (75  Euro).

          In den Fabriken kommt es zudem immer wieder zu Unglücken. Zuletzt kamen im April beim Einsturz des Rana-Plaza-Hochhauses in der Nähe von Dhaka mindestens 1.133 Menschen ums Leben. Fünf Monate zuvor kamen bei einem Brand in einer anderem Textilfabrik des südasiatischen Landes mindestens 112 Menschen ums Leben.

          Textilarbeiter protestieren dritten Tag in Folge

          Die Arbeitsbedingen in Bangladesch treiben die Textilarbeiter gerade auf die Straße: Sie protestieren zum Teil gewaltsam für einen höheren Mindestlohn:  Am Montag gingen zehntausende Arbeiter am dritten Tag in Folge auf die Straßen, zündeten Fabriken an und lieferten sich  Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie verlangen einen  Mindestlohn von umgerechnet 75 Euro im Monat. Derzeit liegt er bei  knapp 30 Euro.

          Abdul Baten, Polizeichef des Bezirks Gazipur am Rande der  Hauptstadt Dhaka, wo viele Textilfabriken stehen, schätzte die Zahl der protestierenden Textilarbeiter am Samstag sogar auf 200.000. Sein Stellvertreter Mustafizur Rahman sagte AFP, 300 Fabriken seien bereits geschlossen  worden, um Angriffen der wütenden Demonstranten zu entgehen.  Mehrere dutzend Protestierer und einige Polizisten seien bei den  Auseinandersetzungen verletzt worden.

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