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Carige-Kommentar : Diese Bank muss pleitegehen

  • -Aktualisiert am

Eine Filiale der Banca Carige in Rom Bild: Reuters

Auch die neue italienische Regierung traut sich nicht, die Banca Carige pleitegehen zu lassen. Wieder einmal wird offenbar eine Bank mit Staatshilfe gerettet – und ein Versprechen gebrochen.

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          Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Regionalbank aus der italienischen Stadt Genua die Finanzwelt beschäftigt. Doch in den ersten Tagen des neuen Jahres zieht überraschenderweise die Banca Carige alle Aufmerksamkeit auf sich.

          Die Bank ist schon seit einigen Monaten in der Bredouille, weil sie ausfallgefährdete Kredite in Höhe von rund 3,7 Milliarden Euro in ihren Geschäftsbüchern stehen hat. Das ist zwar eine stattliche Summe, aber eine Gefahr für das europäische Bankensystem als Ganzes geht von Genua sicher nicht aus. Trotzdem beschäftigt der Fall die europäische Bankenaufsicht. Nachdem zuletzt mehre Rettungsversuche krachend scheiterten, hat die Aufsicht erstmals in ihrer Geschichte eine Bank unter Zwangsverwaltung gestellt. Das bedeutet: Von der Aufsicht eingesetzte Verwalter lenken vorläufig die Geschicke der Banca Carige mit dem Ziel, sie zu stabilisieren.

          Dies klingt nach einer harten Maßnahme, aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass hier wieder einmal eine Bank mit Staatshilfe gerettet werden wird. Dies kann keinen Europäer kaltlassen. Denn es waren Europas Regierungen, die nach der Finanzkrise 2008 ihren Bürgern ein großes Versprechen gegeben haben. Nie wieder sollte es nötig sein, marode Banken mit dem Geld der Allgemeinheit vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Die Instrumente dazu gibt es in Europa mittlerweile: Die neu geschaffenen Regeln zur Bankenabwicklung sehen eigentlich vor, dass vor allem Aktionäre und Gläubiger, aber gegebenenfalls auch begüterte Sparer mit mehr als 100.000 Euro auf dem Konto im Falle einer Bankenpleite haften. Wann, wenn nicht bei einer relativ unbedeutenden Bank aus Genua sollte man diesen Weg gehen?

          Doch die bittere Prognose sei gewagt: Italien wird sich diesem Weg auch dieses Mal verschließen, wie schon 2017 bei zwei Banken aus Venetien. Obwohl sie früher anders geredet hat, traut sich auch die neue Regierung aus Links- und Rechtspopulisten nicht, eine Bank pleitegehen zu lassen. Laut Medienberichten plant sie, die ausfallgefährdeten Kredite in eine vom Staat eingerichtete „Bad Bank“ zu überführen, die für alle unangenehmen Lasten zuständig sein soll. Dies wäre ein verheerendes Signal: Wenn selbst kleine Banken mit der Rettung rechnen können, werden auch die großen in Zukunft kaum mehr Vorsicht bei ihren Geschäften walten lassen.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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